Burlesque

Treffen der Pop-Generationen. Christina Aguilera sucht ihr Glück auf der Bühne von Cher. Dabei muss sie gegen einen übermächtigen Gegner ansingen: eine langatmige und klischeebeladene Story.

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Blondes Mädchen: „Einmal nach Los Angeles bitte.“ Fahrkartenverkäufer: „Nur Hinfahrt oder hin und zurück?“ Blondes Mädchen: „Soll das ein Witz sein?“ – Mehr braucht es nicht, um Alis Situation zu beschreiben. Ali ist jung und hübsch und arbeitet im Diner eines Fieslings, der die Angestellten schlecht bezahlt, weshalb sie sich aus der Kasse nimmt, was ihr zusteht, und geht. Und Ali kann singen. Bevor sie nämlich das Provinzkaff irgendwo in Iowa für immer verlässt, trällert sie noch ein Liedchen mit der Juke-Box. Wir sind im Musical-Film.

Die Exposition ist knapp gehalten, sodass man glaubt, Drehbuchautor und Regisseur Steve Antin habe ein besonderes Gespür für ökonomisches Erzählen. Zum Ende hin erweist sich das jedoch als Irrtum. Denn der Film setzt sich in einer Aneinanderreihung von oberflächlichen Klischees – bei Figuren und Handlung – ungebremst fort. Ali irrlichtert durch die Strassen von L.A., als sie plötzlich vor der recht heruntergekommenen „Burlesque-Lounge“ steht.

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Darin eröffnet gerade die Inhaberin, Ex-Tänzerin und Choreografin Tess (Cher) den Abend. „Welcome to Burlesque“ heißt diese für Cher geschriebene Master-of-Ceremonies-Nummer aus der Feder von Charlie Midnight, John Patrick Shanley, Matthew Gerrard und  Steve Lindsey. Mit seinen Gipsy-Klängen ist einzig dieses Stück stilistisch eine Reminiszenz an das amerikanische Burlesque-Theater der 1920er und 30er Jahre und natürlich – wie die Ausstattung der Lounge überhaupt – an den Look von Bob Fosses Cabaret von 1972.

Es mag im Dunkeln bleiben, weshalb Ali mit weit aufgerissenen Augen und wie hypnotisiert auf das bunte Treiben auf der Bühne starrt, jedenfalls steht danach fest, dass sie ihren Lebenstraum nun realiter vor sich sieht: Ali will auf die Bühne. Ali will singen.

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Natürlich kann Tess nicht wirklich jemanden einstellen, weil sie eigentlich pleite ist und die Vollstreckung des Theaters droht. So bandelt Ali mit dem Barkeeper Jack (Cam Gigandet) an, der ihr nicht nur den Job als Kellnerin verschafft, sondern sie alsbald auch bei sich übernachten lässt. Als Ali endlich die Chance für ihren Bühnenauftritt erhält, wird dieser von Nikki (Kristen Bell), Alis zickig-eifersüchtiger Gegenspielerin, sabotiert. Ali rettet die Situation, indem sie ohne Verstärkung live singt. Die stimmgewaltige Sangeskunst der Christina Aguilera kommt somit voll zum Tragen und Alis Aufstieg zum Star der Burlesque-Lounge ins Rollen. Was folgt, ist eine routinierte, hochwertige Nummern-Show, in der die Sängerin vor allem ihre Tanz- und Stimmqualitäten sicher zu platzieren weiß, effektvoll von Bojan Bazellis Kamera ins Bild gesetzt.

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Leider lassen sich die musikalischen Glanzpunkte nicht ohne die von Antin dazwischen und drumherum kompilierte Story betrachten, denn dazu ist der Handlung zu viel und der Nummernrevue zu wenig in diesem Film.  Und so reihen sich, ohne erkenntlichen Grund, schon fast zwanghaft Klischees, Zitate, Versatzstücke und vieles Altbekannte dergestalt aneinander, dass man präzise den Fortgang der Handlung prognostizieren kann. Natürlich gibt es eine Liebesgeschichte, und natürlich rettet am Ende Ali Tess’ Laden mit Hilfe eines Coups, der eigentlich gar keiner ist. Und selbst bei Hinnahme dieses Missverhältnisses zwischen filmischer Handlung und den musikalischen Nummern hätte Burlesque sicher ins Ziel gelangen können, wäre da mehr Personenführung oder ein irgendwie ersichtliches Inszenierungs- oder Gestaltungskonzept vorhanden. Doch selbst eine banale Farbdramaturgie fehlt in diesem Film: Jacks Wohnung, die Welt außerhalb der Lounge, die Lounge selbst – alles ist stimmig und ohne jeglichen Bruch. Für hypothetische Annahmen oder Allegorien ist hier kein Raum.

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Selten auch konnte man so viele bekannte und bewährte Schauspieler so lustlos ihre Texte runterrasseln hören. Zweifelsohne hat Christina Aguilera – im Gegensatz zu einigen ihrer singenden Kollegen - eine nicht zu unterschätzende Leinwandpräsenz, deren inszenatorischer Gestaltung es hier jedoch bedurft hätte. So aber nutzen sich die Haltungen der Ali-Figur merklich und schnell ab. Cher, die auf eine Jahrzehnte währende Schauspielkarriere zurückblicken kann, wirkt hier bestenfalls uninspiriert. Einzig Stanley Tucci als Tess’ schwuler Bühnenmanager Sean kann der typisierten Figur eine Tiefendimension verleihen. Zwar auf die Funktion als Tess’ und später auch Alis Sidekick beschränkt, verleiht er seiner Figur – gerade auch durch seine offen exponierte Homosexualität – glaubwürdige Konturen. Andere Darsteller mit großem Potenzial bleiben ohne wirkungsvollen Einsatz, so etwa Peter Gallagher oder Alan Cumming (Titus, 1999; Der Sturm, 2010), Letzterer chargiert als Transvestit Alexis irgendwo in der Nähe von Joel Greys Zeremonienmeister aus Cabaret (1972), jedoch ohne eigentliche Funktion – außer, die Menagerie klischeebehafteter Figuren aufzufüllen.

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So überwiegt am Ende die bräsige filmische Erzählung die zahlreichen furiosen Musicaleinlagen, und man verlässt das Kino mit dem Wunsch, dass irgendjemand mal die Shownummern ohne die Filmhandlung auf DVD herausbringen möge. Aguilera-Fans werden ohnehin zum Soundtrack greifen. Zumindest das Marketing funktioniert bei diesem Film – auf die eine oder die andere Art.

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Kommentare


Dominic O.

Schlechtester Film aller Zeiten.

Ich sah mir den Film zusammen mit meinen Klassenkameraden an. Dieser Film enthält 0 Action. Es geht um eine Frau die sich ihren Traum von einen Leben in Los Angeles erfüllen will, aber kaum ist sie dort findet sie einen Stripclub mit den Namen Burlesque. Sie fängt dort an zu arbeiten und schlißlich arbeitet sie sich ganz nach oben als Stripperin. Das einzige was an den Film interressant war, waren die nakten Frauen. Ich rate euch tut euch so ein Film nicht an, es sei denn ihr wollt schlafen. Auf einer Skala von 1-10 wobei 10 das beste ist ordne ich den Film bei einer 2 ein.






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