Marseille
In ihrer fünften Regiearbeit, Marseille (2003/ 2004), mit der Angela Schanelec einem breiteren Publikum bekannt wurde, erzählt sie in stoischer Langsamkeit und symbolträchtigen Bildern davon, sich im Leben einzurichten.

Der Film untersucht die Möglichkeiten seiner Protagonistin Sophie an verschiedenen Orten verschiedene Identitäten zu leben. In Marseille betont sie ihr Hobby der Fotografie, während sie in Berlin als Haushälterin und Babysitterin für den Sohn einer befreundeten Schauspielerin und deren Freund, den Berufsfotografen Ivan, angestellt ist.
Die Hintergrundgeräusche in dem formal ambitionierten Film sind immer präsent und konterkarieren im ersten Teil das Schweigen der Protagonistin, während sie im zweiten Teil die langen weit Einstellungen der Kamera wie ein Urlaubsvideo wirken lassen. Aufgrund der kryptischen Dramaturgie, die Sophies Motivation bis zuletzt nicht preisgibt, und der fragmentarischen Szenen, die wie im Schneeballeffekt Sophies Beziehung zu ihren Freunden und wiederum deren Beziehungen vorstellen, liegt das Hauptaugenmerk auf den Bildern. Aber auch die lassen den Zuschauer manchmal im Verlorenen, wenn die endlos lang wirkenden und Spannung erzeugenden Detail- und Nahaufnahmen den Ort und die handelnden Personen verrätseln. Dann ist Geduld geboten, bis die Kamera Einstellung um Einstellung die Situation zu erkennen gibt. (nbk)
Foto: © ZDF/Reinhold Vorschneider
Sendetermine
, Arte
, Arte



Kommentare zu „Marseille“
Es gibt bisher noch keine Kommentare.