Kommentare

Der Baader Meinhof Komplex

Der Baader Meinhof Komplex

22.09.2008

Mit einer so geglückten wie rücksichtslosen Werbekampagne hat Produzent Bernd Eichinger seine Version des Baader Meinhof Komplexes zum deutschen Kino-Event des Jahres stilisiert. Weder inhaltlich noch formal kann der Film diesen Hype rechtfertigen. >> weiter...




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Frédéric

Mittwoch, 26-11-08 17:47

Wenn diese filmischen Geschichtsstunden dann wie "Les Amants réguliers" von Philippe Garrel aussehen würden, dann wäre ich auch dafür, Romy. Jeunets Film sollte jedenfalls kein Vorbild sein...

 

Lukas Foerster

Dienstag, 25-11-08 20:17

Hm, der letzte französische Film, der halbwegs in diese Sparte passt und den ich gesehen habe war "Un long dimanche de fiançailles" und danach war ich eigentlich froh, dass die Franzosen so etwas eher selten fabrizieren... Was deutsche Autorenfilme jenseits der Berliner Schule (die ich im Allgemeinen sehr schätze) angeht, hat mir neulich auf DVD "Mein Herz ist ein dunkler Wald" seht zugesagt, vielleicht geht das in die Richtung, die Dir vorschwebt.

 

Romy Straßenburg aus Paris

Sonntag, 23-11-08 03:08

Während die deutschen Filmkritiker eher zweifelnd auf den Streifen über ein weiteres Kapitel deutscher Geschichte sehen, ist Paris geradezu gepflaster mit Plakaten für "La Bande à Baader" - so bereits der Titel des Buches von S. Aust. Nun ist es in Frankreich relativ ungewöhnlich, dass ein Film mit fast 150 Filmrollen in die Kinos geht. Nicht zuletzt die heftige Promotion hat dafür gesorgt, dass der Film hier von sich Reden macht. Der ehemalige Deutschlandkorrespondent von Le Monde, Daniel Vernet, schaffte es mit seiner Besprechung des Film auf Seite drei, was dafür spricht, dass einmal mehr gilt "german history sells". Bei Festival des deutschen Film in Paris in diesem Oktober besuchten viele Franzosen jene Filme, die entweder einen Osttouch aufboten oder aber einmal mehr das Kapitel "Hitlerdeutschland" ins Visier nehmen. Wenn ARTE seine höchste Einschaltquote ever mit dem Film "Good bye Lenin" erzielt, dann zeigt das ebenso wie sehr die Nachbarn westlich des Rheins auf deutsche Geschichte versessen sind. Vielleicht auch, weil sie sich selbst so schwer damit tun, auch die dunklen Kapitel ihrer eigenen Historie auf die Leinwand zu bringen. Bis auf den Film "Indigènes" gab es in den letzten Jahren kaum französische Geschichtsstunden im Kino, oder irre ich mich? Vielleicht sollte an diesem Montag im deutsch-französischen Ministerrat einmal darüber geredet werden, warum die Deutschen nicht auch mal ein bisschen mehr Autorenkino zu bieten hätten (ohne dabei gleich in die Tristesse der Berliner Schule zu verfallen) eher in Richtung "So ist Paris" (Klapisch)
oder gerne in den Fußstapfen Claudels, poetischer und tiefgründiger, ohne die Spannung aufzugeben, wie es so oft bei deutschen pseudo-melodramen der Fall ist. Im Gegenzug könnten sich die Franzosen einen Ausflug nach Vichy erlauben, um das Cliché der Nation von Resistance Kämpfern ein wenig zu begradigen, aber auch das Kapitel Algerien hielte noch so einigen filmischen Stoff bereit. In jedem Fall scheint mir Baader ein gutes Beispiel, wie die Qualität eines deutschen Film in den Hintergrund rückt, wenn es doch vornehmlich um den historischen Inhalt geht. Allerdings könnte man sich in diesem Fall eher eine der gut gemachten Dokumentationen der letzten Jahre anschauen...
Einziges Trostpflaster in der Baader-Welle: der Film läuft in Frankreich auf deutsch, so geht die Authentizität der Terror-Jahre, die anscheinend beim Regisseur an erster Stelle steht, nicht verloren.
Gruss aus Paris
Romy

 

nils aus Kassel

Sonntag, 02-11-08 12:11

Meiner Meinung nach ein Film der überzeugt, aber zu viel Spielraum für Interpretation lässt. Vorallem finde ich es erschreckend wie hoch der Coolness - Faktor der Terrorgruppe dargestellt wird. Gerade Jugendliche und Erwachsene bis 25 könnten diesen Film falsch auffassen. Wenn man nicht dabei gewesen ist, wirken die Aktionen fast gerechtfertigt und nachvollziehbar. Ich habe bei mir selbst festgestellt, dass ich vorallem gegen Anfang des Filmes in mir ein Gewaltpotenzial gespürt habe, dass vom Staat ausgelöst wurde. Dies hat sich zu meinem Erschrecken nicht gelegt, da die Terroristen, nicht als Terroristen sondern als Helden untergingen.
Ein Fazit oder ein abschließendes Resumee über Opferzahlen etc., hätte dem Film die richtige INtention verliehen. So hoffe ich, dass grade die Jugend, die nicht genügend Hintergrundwissen besitzt diesen Film richitg einordnet und sich nicht durch die "coolen" Terroristen beeinflussen lässt. Gerade Schülergruppen, die diesen Film besuchen, sollten sich mit ihren Lehrern ausführlichst darüber unterhalten, da dieses Thema erst in der Oberstufe angesprochen wird, und demzufolge Schüler der Real- oder Hauptschule keinerlei Chance haben zu vertstehen was da damals abging. Ich bin selber noch SChüler und habe selten einen Film gesehen, der so bedrohlich wirkt und die Menschen spaltet: Bsp. Kopfschütteln der älteren Generation und immer wieder Schmuntzler und Lacher auf Jugendlicher Seite.

 

Dirk Pages

Mittwoch, 01-10-08 14:18

Schade, mit dem Film wurde eine Chance vertan, ein düsteres Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte sachlich aufzuarbeiten. Die in dem Film angesprochene "Rasterfahndung" hat große Teile einer Generation zu spüren bekommen, teilweise sogar durch Denunzierungen aus der Nachbarschaft. Das war neben den Morden der RAF das andere traurige Kapitel dieser Epoche. Dennoch: wenn die jüngere Generation durch diesen Film angeregt werden sollte, sich mit dieser Zeit zu beschäftigen, hat der Film seine Berechtigung.

 
 

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