Wächter der Nacht
Das russische Kino ist in Deutschland weitgehend unbekannt; mit Wächter der Nacht ist auch in deutschen Kinos ein Erfolgsfilm aus Russland zu sehen, der einen mythisch verbrämten Kampf zwischen Gut und Böse in die Gegenwart des heutigen Moskau verlegt.

Es gibt eine Szene in Wächter der Nacht, die die Stärken und Möglichkeiten dieses Films wie in einem Brennglas einfängt. Von einem Flugzeug, das über Moskau in einen Sturm geraten ist, löst sich eine Niete. Die Kamera begleitet das Stück Metall auf seinem Fall durch die Wolken, fällt mit ihm und flattert leicht um es herum, ohne es je aus dem Blick zu verlieren. Die Niete stürzt schließlich auf ein Gebäude zu, klappert durch einen Lüftungsschacht und platscht zuletzt in einer typisch russischen Küche in die Kaffeetasse einer der Protagonistinnen.
All das Fantastische, das Zusammenprallen von Natur und Technik, die wirkungsvolle Anwendung von Spezialeffekten mit fast poetischem Ergebnis, der Hauch von Magie, der in der Unwahrscheinlichkeit der gezeigten Momente liegt – all diese Elemente machen Wächter der Nacht stark. Leider kann der Film nicht ganz halten, was seine Möglichkeiten versprechen.

Zwischen den Mächten des Lichtes und der Finsternis, so erfahren wir in der Einleitung des Films, besteht ein seit Jahrhunderten gehaltenes Gleichgewicht, dessen Bewahrung von den „Wächtern der Nacht“ und ihrem Pendant, den „Wächtern des Tages“, kontrolliert und durchgesetzt wird. Anton (Konstantin Chabenski), der eher zufällig und widerwillig in die Reihen der „Wächter der Nacht“ geraten war und ein eigentlich freundschaftliches Verhältnis zu dem nebenan wohnenden Vampir Kostja (Aleksei Tschadow) unterhält, findet sich auf einmal im Zentrum einer Auseinandersetzung wieder, die – natürlich – den Mächten der Finsternis zur Vorherrschaft verhelfen soll, und die auf seltsame Art und Weise mit seiner eigenen Geschichte verbunden ist.
Wächter der Nacht wimmelt von den Wesen und Versatzstücken, die man aus Fantasy- und Horrorfilmen kennt: Vampire und Hexen, Schwertkämpfe, Menschen, die sich plötzlich in Tiere verwandeln können; selbst die Krähen, die am Himmel kreisend den Ort nahenden Unheils anzeigen, dürfen nicht fehlen. Ein wenig ungewöhnlich ist immerhin, dass die Szenerie in das Moskau der Gegenwart verlegt wurde.
In einer der wenigen russischen Mainstreamproduktionen, die jemals einen deutschen Verleih gefunden haben, – Wächter der Nacht war in Russland außerordentlich erfolgreich – bekommen so Zuschauer, die Moskau schon einmal besucht haben, ein paar Orte zu sehen, die sie vielleicht kennen, während andere erahnen mögen, wie kleine russische Wohnungen aussehen.

Das als Trilogie angelegte Projekt, das auf Romanen von Sergei Lukjanenko beruht, positioniert sich damit ein wenig als ein Pendant zu Der Herr der Ringe (The Lord of the Rings, Trilogie 2001-2003) im schmutzigen Alltag einer russischen Großstadt. Das mythologische Gewebe, das die Handlung des Films unterfüttern soll, wird aber ob der vielen und an Zahl stetig zunehmenden Akteure schnell unübersichtlich und erscheint oft hanebüchen.
Hinzu kommt, dass die Spezialeffekte zuweilen eher peinlich wirken; so sollen beschleunigte Kamerabilder und aus den Auspuffen hervorstoßende Flammen den Eindruck erwecken, ein eher behäbiger Lieferwagen habe sich soeben in eine Art Superheldenmobil für die „Wächter der Nacht“ verwandelt; in pixeliger Computerspielgrafik gezeigte Träume bekommen den Status von Visionen.
Wächter der Nacht ist eben kein glattgespültes Hollywoodprodukt; reichlich Blut, die grobkörnigen Bilder und das fahle Licht geben dem Film eine düstere Atmosphäre, die der Handlungsverlauf mit überraschenden Richtungswechseln oft genug bestätigt. Anton ist ein wenig glamouröser, gebrochener und zuweilen fast unsympathischer Held, der nach und nach begreift, wie sehr er selbst zum Spielball anderer geworden ist. Dennoch bleibt man am Schluss ein wenig ratlos zurück, macht doch die Wendung, die der Film ganz zuletzt nimmt, deutlich, dass alles nur Ouvertüre war. Ob das, was folgt, über zwei weitere Filme tragfähig bleibt, das läßt sich bislang kaum erahnen.
Kritik von Rochus Wolff
Fotos: © Foxfilm
Veröffentlicht am 18.08.2005
Film-Angaben:
Titel: Wächter der Nacht (Notschnoi dosor)
Russland 2004
Laufzeit: 115 Minuten
Regie: Timur Bekmambetow
Drehbuch: Sergei Lukjanenko, Timur Bekmambetow
Produktion: Anatoli Maksimow, Konstantin Ernst
Darsteller: Konstantin Chabenski, Wladimir Menschow, Marija Poroschina, Valeri Solotuchin, Galina Tjunina, Viktor Wershbizki, Aleksei Tschadow
Kinostart: 29.09.2005
Verwandte Filme:
- Wanted - Deutschland, USA 2008; Regie: Timur Bekmambetov
- Wächter des Tages - Russland 2006; Regie: Timur Bekmambetow
DVD-Angaben:
Titel: Wächter der Nacht
Vertrieb: 20th Century Fox
Bild: 1,85:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Russisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Spieldauer: 109 Minuten
Extras: Audio-Kommentar des Regisseurs Timur Bek-mambetov ; Night Watch 2 Preview; Trailer: Broken Saints „Prophecy“
Die Angaben beziehen sich auf die Leih-DVD. Die Kauf-DVD enthält zusätzlich eine englische Tonspur (DD 5.1.). Zeitgleich zum Kauf-DVD-Start erscheint eine Special Edition im Verkauf mit folgenden zusätzlichen Extras: Audio-Kommentar des Autoren Sergej Lukyanen-ko; Kontra: Broken Saints; Die Offenbarung: „Broken Saints“; 7 unveröffentlichte Szenen; Charaktere, Geschichte und Untertitel; Charaktere und Themen; Night Watch Preview; Trilogie „Night Watch“; Comic-Buch; Poster Galerie
Verleih ab: 23.03.2006
Verkauf ab: 04.05.2006
Kommentare
Alamar aus Aglasterhausen
Dienstag, 25-08-09 02:42
jack aus weiz
Samstag, 28-02-09 08:45
der film war gut gemacht aber wenn man alle personen und aspekte einbringen will sieht sich den film niemand mehr da müsste man einen 5 bis 6 stunden film drehen nur für einen teil das man alle zusammenhänge versteht . aber das man es versteht kann man sich ja die bücher kaufen mfg
Olli
Samstag, 26-05-07 15:38
Man kann den Film gut verstehen und genießen, allerdings nur wenn man vorher das Buch gelesen hat. Das Problem ist, dass der innere Monolog Antons, der im Buch die wichtigste Erzählform ist, im Film völlig aussen vor gelassen wird, daher fehlen einem oft die Zusammenhänge. Sehr Schade, aber dennoch ein akzeptabler Film!
Ajnat
Mittwoch, 20-09-06 15:30
Ich habe die Wächter mit Spannung erwartet. Im Kino hab ich ihn verpasst, also auf die DVD gewartet. Mir gefiehl der Film sehr gut,spannend, nicht immer durchsichtig oder vorhersehbar wie bei vielen Hollywoodfilmen. Ich warte mit Spannung auf Teil 2. Egal was viele sagen, ich finde die Wächter klasse!
Gregor
Dienstag, 08-08-06 16:34
Nun ich muss agen dass, der Film eine sauschlechte Umsetzung des Buches ist. Den Grund seh ich darin das man die einzelnen zusammenhaäge zwischen den Characteren endweder verändert oder garnicht zu erkennen sind. Dennoch muss ich sagen das der Film ansich von der atmosphäre viel zu bieten hat und wenn man Das Buch als Vorlage nimmt als sehr gelungen bezeichnen kann.
beeth
Montag, 10-07-06 16:07
Mich hat der Film auch enttäuscht.Nach der Vorschau hatte ich eine interressantere Geschichte erwartet.Dramaturgisch überhaupt keine Spannungsbogen drinn.Mehr Flickwerk.Die Menschen werden überhaupt nicht beleuchtet, so auch nicht wie sie genau zu einander stehen.Man merkt aber, dass eine bessere Geschichte dahinter steckt als sie durch den Film gezeigt wird.Werde mir dann auch mal das Buch kaufen. mehr ...
JL
Sonntag, 04-06-06 10:34
Mir geht es wie Fritte. Ich hatte den Trailer gesehen, habe darauf hin das Buch gekauft, es in 4 Tagen verschlungen und auf den Start der Kauf DVD gewartet. Ich fand den Film ebenfalls enttäuschend. Es fehlte mir die Ausgestaltung der Nebenrollen und die Verkürzung auf die erste der Episoden des Buches läßt genau die gleichen Fragen offen, wie die des Buches. Auch nach der ersten Geschichte des mehr ...
Fritte
Samstag, 13-05-06 15:26
ich weiss garnicht was ich zu wächter der nacht sagen soll...ich hab das buch gelesen und bin immernoch davon begeistert. als ich mir dann vor kurzem den film auf dvd gekauft hab konnte ichs garnicht erwarten den film zu gucken. ich hab dann meine freunde zum dvd abend eingeladen. meine freunde, die das buch nicht gelesen hatten, kapierten einen großteil überhaupt net. außerdem fehlt ein großteil mehr ...
Marnecco Brandon
Dienstag, 09-05-06 00:02
Also ich muss sagen, dass ich den Film ebenfalls voll ok fand. Ich war vor Kinostart sehr gespannt wie russische Produktionsstätten das so hinbekommen werden und muss sagen ich bin überrascht. Hatte anderes erwartet. Wer übrigens Lust hat im Stil von "Der Wächter der Nacht" zu "RPG’n" (Rollenspiel) der schaut mal bei nwny.quarinox.de vorbei. Sehr interessant!
isabella
Montag, 01-05-06 22:25
noch nie habe ich einen solch schlechten film wie diesen gesehen.....darsteller :bis auf den Jungen nichtssagend und langweilig, spezialeffects : ganz ok, die story....wenn man das überhaupt als story bezeichnen kann....da hat nix überhaupt nur irgend einen sinn ergeben und nach 1 Stunde habe ich nur noch hysterisch gelacht,wenn schon wieder ein ganz abstruses detail wie "och jo, da hab ich mich mehr ...
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Ich habe das Buch nicht gelesen. Nur von vielen schongehört das es recht gut sein soll. Und nachdem ich den Film gesehen habe werde ich mir wohl das Buch kaufen, weil ich rein GARNICHTS verstanden habe. Es ist in meinen Augen ein sehr schlechter Film was die Handlung angeht. Völlig zusammenhangslose Szenen. Des öfteren immer wieder was zusammengestückeltes. Klar ein paar ganz witzige Effekte aber mehr ...