Spider-Man 3

Sam Raimi nimmt sich in der dritten Folge des erfolgreichen Spider-Man-Franchise wieder viel Zeit für die Entwicklung seines Helden. Trotz 139 Minuten Länge kommt in dem Film jedoch nicht nur die Hauptfigur zu kurz.

Spider-Man 3

Die Welt sieht ausnahmsweise einmal rosig aus für Peter Parker (Tobey Maguire) – mit seiner großen Liebe Mary Jane „M.J.“ Watson (Kirsten Dunst) steht alles so sehr zum Besten, dass er ihr einen Heiratsantrag machen möchte, die Menschen von New York lieben sein Alter Ego, den Superhelden Spider-Man, und nach einem Unfall verliert Harry Osborn (James Franco), der davon überzeugt war, dass Peter seinen Vater getötet habe, auch noch sein Gedächtnis und will wieder Peters bester Freund sein.

Natürlich kann das nicht so bleiben: Das Leben eines Superhelden verlangt nach immer neuen Herausforderungen, und diese warten auf Peter nicht nur in Gestalt eines Fotografen (Topher Grace), der ihm seinen Job bei der Zeitung Daily Bugle streitig machen will, sondern auch in Form einer geheimnisvollen schwarzen Substanz, die seine negativen Charakterzüge und vor allem Aggressionen verstärkt und sich in seinem Spider-Man-Kostüm einnistet.

Spider-Man 3

Viele der klassischen Comic-Superhelden sind in den letzten Jahren einer Frischzellenkur unterzogen worden – und nicht nur diese: auch Casino Royale (2006) stellt den Versuch dar, die Figur James Bond auf zeitgemäße Füße zu stellen. Immer wieder haben diese Filme dabei das Thema aufgegriffen, wie sich die Figuren auch mit den schwierigen Seiten ihrer Charaktere, mit Selbstzweifeln und Versuchungen, auseinandersetzen – das gilt für Superman Returns (2006) ebenso wie für Batman Begins (2005), beides Filme, die eine Neuerfindung ihrer Hauptfigur sogar schon im Titel ankündigen.

Spider-Man, der es erst vor wenigen Jahren in einer Großproduktion in die Kinos schaffte, hatte diese Neuerfindung nicht nötig. Peter Parker ist schon im ersten Film (2002) eine zweifelnde Figur, ein unsicherer Teenager, der sich selbst und seine Fähigkeiten erst finden und erkennen muss. Regisseur Sam Raimi hat sich von Anfang an auf diese Unvollkommenheit, diese Menschlichkeit der Figur Peter Parker/Spider-Man konzentriert, die auch in den Comics immer eine große Rolle spielte und ein wichtiger Grund dafür ist, warum Spider-Man stets sympathischer, menschlicher, nahbarer wirkte als seine Kollegen.

Spider-Man 3

Dass dabei Peters Selbstwertgefühl (und seine Fähigkeiten als Spider-Man) immer in enger Verbindung zu seiner emotionalen Entwicklung stehen, wird in den Filmen besonders an seiner Beziehung zu Mary Jane thematisiert und zum Teil sehr explizit auch in sexuelle Metaphorik verpackt, etwa in Form von Potenzproblemen der Netzdrüse, ohne dass Sexualität hier wirklich je Thema wäre. Wir haben es schließlich mit sauberer Familienunterhaltung zu tun.

So ist es auch in Spider-Man 3: Peters gesteigerte Aggressivität richtet sich zwar auch gegen den Ausbrecher Flint Marko alias Sandman (Thomas Haden Church), der seinen Körper nach einem Unfall in einer Forschungsanlage wie Sand umformen und auflösen kann. Sie zeigt sich jedoch insbesondere in seinem Verhalten gegenüber M.J., die sich von ihm vernachlässigt fühlt.

Spider-Man 3

Die Mitte des Films wird so von Passagen geprägt, die für das Publikum zu einer langen Übung im Fremdschämen geraten. Raimi versäumt es diesmal, Peter nachvollziehbar als sympathische, unvollkommene Figur zu zeichnen – stattdessen wird die beschwingte, aber egoistische Coolness, mit der Peter sowohl als Privatperson als auch als Spider-Man auftritt und mit der er vor allem sein persönliches Unglück immer weiter verstärkt, als Amüsement inszeniert, als lange, stellenweise peinliche Lachnummer. Das tut einerseits der Dramaturgie nicht gut, ist aber andererseits auch deshalb ärgerlich, weil gerade die Persönlichkeit Peter Parkers, und nicht die Kämpfe und Actionszenen, die bisherigen Spider-Man-Filme so sehenswert machten.

Die fehlende Aufmerksamkeit gegenüber der Hauptfigur spiegelt sich auch im Umgang mit den durchaus komplexen Figuren sowohl seiner beiden Hauptgegner, Sandman und Venom, als auch den Nebenrollen wieder: Peters Tante May (Rosemary Harris) wird hier gänzlich von der wichtigen Bezugsperson der ersten beiden Filme zur Stichwortgeberin reduziert, und seine Kommilitonin Gwen (Bryce Dallas Howard) geht irgendwann mitten im Film verloren, obwohl sie vorher mit nicht geringem Aufwand eingeführt wird.

Schlussendlich kommt noch hinzu, dass mit der von einem Meteoriten stammenden, offenbar intelligenten schwarzen Substanz, die Peters Persönlichkeit so stark verändert, eine neue phantastische Dimension in den bisher so irdischen Kosmos der Spider-Man-Filme eingeführt wird, ohne dass diesem Umstand irgendwie angemessen Bedeutung eingeräumt würde. Es ist schließlich doch ein gewaltiger Unterschied, ob eine zerrissene Persönlichkeit durch Unfälle und wissenschaftliche Experimente zu einem Bösewicht und angemessenen Gegner für Spider-Man wird, wie dies bei „Doc Ock“ in Spider-Man 2 (2004) der Fall war oder jetzt bei Sandman, oder ob eine obskure Macht aus dem All in die Handlung eingreift.

Trotzdem macht Spider-Man 3 natürlich eine ganze Menge Spaß und bietet einige witzige Einfälle neben stellenweise brillanten Spezialeffekten. All die Motive, die der Film anreißt, seine Figuren und ihre Beziehungen zueinander – die oft genug nur behauptet, nicht gezeigt werden – würden jedoch genug Stoff für zwei gute Filme liefern. Zusammengedrängt auf immer noch zu lange 139 Minuten hat Spider-Man 3 nicht genug Zeit, sich ihnen allen mit der gebotenen Aufmerksamkeit zu widmen.

 

Kritik von Rochus Wolff

Fotos: © Sony

Veröffentlicht am 27.04.2007



Film-Angaben:

Titel: Spider-Man 3 (Spider-Man 3)
USA 2007
Laufzeit: 139 Minuten

Regie: Sam Raimi
Drehbuch: Sam Raimi, Ivan Raimi, Alvin Sargent
Produktion: Laura Ziskin, Avi Arad, Grant Curtis
Darsteller: Tobey Maguire, Kirsten Dunst, Thomas Haden Church, Topher Grace, Bryce Dallas Howard, Rosemary Harris

Kinostart: 01.05.2007



DVD-Angaben:

Titel: Spider-Man 3
Vertrieb: Sony Pictures
Bild: 2,40:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Deutsch (DD 2.0/DS), Englisch (DD 2.0/DS)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 133 Minuten

Extras: Audiokommentare: Regisseur, Besetzung & Filmemacher; Verschiedene Trailer

Verleih ab: 02.10.2007
Verkauf ab: 02.10.2007





 




Kommentare

 

Venus

Dienstag, 23-10-07 16:08

Endlich sind die Bösewichte nicht bloss böse und die Guten nicht einfach gut. Ich fand den Film super. Die Actionszenen haben Spass gemacht. Bessere Animationen als in den Vorgängern und Charaktere mit mehr Tiefe. Super!

Kratos

Montag, 15-10-07 00:41

Da einige der Kommentare auf dieser Seite von Menschen deren Tellerrand nur bis zu der darauf liegenden Nudel reicht verfasst worden zu sein scheinen, freue ich mich darauf auch mal einen Positiven und (so hoffe ich doch) etwas tiefgründigeren Kommentar schreiben zu dürfen. Als Fan der Comics kann ich sagen dass der Drehbuchautor die Adaption recht passabel hinbekommen hat. Zwar hat die Story einige mehr ...

Thargor

Mittwoch, 15-08-07 18:04

Also ich habe während des Films meine Inneneinrichtung zerlegt um ein wenig Action zu bekommen und die ermüdenden Botschaftsszenen zu überbrücken. Seit wann steht ein Superheld mit nem Blumenstrauß weinend auf einer Brücke. Für die nächsten Teile vote ich für Chuck Norris in der Hautrolle. Die Dialoge sind platt und die schnulzige Handlung ist schlichtweg nervig!!!

Eric Cartman

Donnerstag, 10-05-07 11:43

Folgende Kritik bringt es auf den Punkt: http://www.sfgate.com/cgi-bin/article.cg[..]

Steffen

Montag, 07-05-07 16:20

Auf diesen Film gehört ein Warnhinweis. Wer sich nicht das sonnige Gemüt eines Zwölfjährigen bewahrt hat und nicht explizit auf moralisierende Plattheiten steht, wird sich in diesem Film schwer langweilen. ca. 30 Minuten Action in einem 146 Minuten-Film,. Der REst des Films besteht leider aus furchtbar schlechten, weitgehend humorfreien Dialogen um dann noch mit unterschwelligen Moralboschaften mehr ...

 

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