La Zona

Zweiklassengesellschaft als Triebfeder zur Menschenjagd.

La Zonazoomicon

Gated Communities gewinnen sowohl im nord- als auch im südamerikanischen Raum an Popularität. Überall dort, wo die soziale Schere immer weiter auseinander geht, die sehr Armen aber noch in unmittelbarer Nähe der sehr Reichen leben.
La Zona nennen sie eine solche Gated Community in Mexiko. Was passiert, wenn ein Loch in die Mauer gerissen wird?
Rodrigo Plá nähert sich dieser Frage, basierend auf einem Roman seiner Frau, wie einer Versuchsanordnung. La Zona riecht aus allen Poren nach Sozialexperiment und moralischer Fabel.

La Zonazoomicon

Drei jugendliche Räuber nutzen die Lücke im System, den Riss in der Mauer. Sie überfallen die nächstbeste Wohnanlage, unweigerlich kommt es zur Katastrophe. Nach wenigen Momenten gibt es vier Tote, nur der junge Miguel (Alan Chávez) überlebt das Horrorszenario und versteckt sich von nun an in La Zona. Seine Angst gilt weniger der Polizei, denn die hat in diesem Reichenviertel ohnehin kaum Autorität und Befugnis. Es sind die Bewohner selbst, die sich nicht nur zum zivilen Wachpersonal aufschwingen, sondern gleich zum Lynchmob. Selbst die Jugendlichen packt das Jagdfieber, anfänglich auch Alejandro (Daniel Tovar), Sohn des einflussreichen Architekten Daniel (Daniel Giménez Cacho). Doch als er Miguel bei sich im Keller entdeckt, packt ihn die Vernunft. Mit diesem Anfall nicht nur der Ratio, sondern auch des Humanismus, soll er allein bleiben in La Zona.

La Zonazoomicon

Rodrigo Plás negative Utopie leidet an der stereotypen Figurenkonstellation. Innerhalb der Community gibt es einen Warnenden, der sich an der Menschenjagd nicht beteiligt, ihr jedoch gleichermaßen hilflos gegenübersteht. Alejandros Mutter (Maribel Verdú) nimmt eine ähnliche, nur noch passivere Rolle ein. Ihr Mann ist der Intellektuelle, mit eigentlich guten Absichten, dem die Dinge jedoch außer Kontrolle geraten. Ihm werden immer wieder Phrasen in den Mund gelegt, die so gar nicht zu seinem vorgeblichen Charakter passen wollen. „So lange du unter meinem Dach lebst, machst du, was ich sage“ weist er seinen Sohn klischeehaft in die Grenzen. Daneben gib es natürlich noch wutschnaubende, schäumende Rädelsführer.

Ausgenommen von dieser Schablonenzeichnung ist der Polizist Rigoberto (Mario Zaragoza). Zwar sind ihm die Methoden der korrupten Kollegen und Vorgesetzten verhasst, er lehnt sich jedoch im Endeffekt nicht auf, seine Motivationen scheinen ebenfalls alles andere als edel und seine angestaute Frustration entlädt er an den Schwächsten.
In solchen Momenten ist La Zona ein beachtenswertes Kinodebüt, andernorts verschenkt er allerdings das Potenzial seiner spannenden Ausgangskonstellation zugunsten einer überdeutlichen Botschaft.

Kritik von Sascha Keilholz

Fotos: © Cine Global

Veröffentlicht am 04.12.2008



Film-Angaben:

Titel: La Zona (La Zona)
Mexiko 2007
Laufzeit: 95 Minuten

Regie: Rodrigo Plá
Drehbuch: Rodrigo Plá, Laura Santullo
Produktion: Alvàro Longoria
Darsteller: Daniel Giménez Cacho, Maribel Verdú, Carlos Bardem, Daniel Tovar, Alan Chávez
Kamera: Emiliano Villanueva
Musik: Fernando Velázquez
Schnitt: Ana García, Nacho Ruiz Capillas, Bernat Vilaplana

Kinostart: 11.12.2008





 




Kommentare


Keine Einträge

Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen Sie unseren Regeln zu.



empfehlen Filmkritik empfehlen