Halloween

Rob Zombies Remake von John Carpenters Halloween ist glücklicherweise nicht das achte Sequel, sondern bietet einen durchaus frischen Blick vor allem auf die Kindheit der Figur Michael Myers.

Halloweenzoomicon

Rob Zombie ist ein Familienmensch. So spielt nicht nur – gerne leicht bekleidet – seine Frau Sheri Moon Zombie in vielen seiner Filme mit, in seinem Remake von John Carpenters Halloween (1978) darf das von ihr gegründete Modelabel „Total Skull“ die weibliche Hauptfigur auch einkleiden.

Das Familienthema findet sich auch in Zombies Regiearbeiten: Haus der 1000 Leichen (House of 1000 Corpses, 2003) und TDR – The Devil’s Rejects (The Devil’s Rejects, 2005) behandeln nicht ohne Sympathie die blutigen Streifzüge der Familie Firefly. Und Halloween ist natürlich auch ein Film über Familie: darüber, wie der kleine Junge Michael Myers am Abend von Halloween den Großteil seiner Familie ermordet und siebzehn Jahre später aus seiner Hochsicherheitsverwahrung flieht, um nach seiner von ihm verschonten kleinen Schwester zu suchen.

Diese Halloween-Story war schon in fast identischer Form die Grundlage für Carpenters Original und seine insgesamt sieben Nachfolgefilme (1981-2002), die Myers zu einer der archetypischen Figuren der Kinogeschichte machten: Dem maskierten Mörder mit dem großen Messer, das Schreck- und Urbild eines Slasher-Killers.

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Zombie erweist mit seinem Film dem Großmeister Carpenter gebührend Reverenz – sein Film nimmt große Teile der Handlung nahezu identisch wieder auf und lehnt sich auch stilistisch, etwa in den Kameraeinstellungen, an das Vorbild an. Und natürlich ist immer wieder auch Carpenters berühmte Klaviermelodie zu hören – das allein dürfte meist schon genügen, um den Herzschlag der Zuschauer signifikant zu erhöhen.

Nötig wär’s, denn für großen Schrecken sorgt das Remake nicht. Die zweite Hälfte des Films, in der Myers (Tyler Mane) seine Schwester Laurie (Scout Tayler-Compton in jener Rolle, die Jamie Lee Curtis seinerzeit den Titel „Scream Queen“ und einige Berühmtheit einbrachte) sucht und schließlich jagt, kommt über die Spannung eines eher durchschnittlichen Slashers kaum hinaus, auch wenn einige Freundinnen und Freunde von Laurie höchst blutig ihr Leben lassen müssen. Den größten Eindruck hinterlässt dabei noch die Physiognomie des ehemaligen Wrestlers Tyler Mane, dessen schiere Körpergröße dem als unbesiegbar erscheinenden Michael Myers erstmals eine angemessene äußere Erscheinung gibt.

Der Mörder stand bei Halloween aber eh meist im Mittelpunkt, hier mehr als je zuvor: Der deutlich interessantere Teil des Films ist der Anfang, in dem sich Zombie, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, viel Zeit für den einen Tag lässt, an dem Michael Myers (Daeg Faerch) seine ersten Morde begehen wird. Zombie versucht dabei gewissermaßen eine psychologische Herleitung der Figur Michael Myers.

Der Schrecken wächst – und da sind wir wieder beim Thema – aus den Qualen einer hochgradig dysfunktionalen Familie – gehänselt und geärgert vom arbeitslosen Stiefvater (William Forsythe) und der älteren Schwester (Hanna Hall), aber geliebt von seiner überforderten Mutter Deborah (Sheri Moon Zombie), die als Tänzerin in einer Bar die Familie versorgt.

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Natürlich wird Michael auch von seinen Mitschülern gehänselt, und die Besetzung der Rolle des Kinds Michael mit dem blassen, blonden Daeg Faerch – zunächst scheinbar das genaue Gegenteil dessen, wen man sich unter Myers vorstellt – ist ein großartiger Kunstgriff. Mit seinen schlaksigen, ungelenken Bewegungen ist er von der ersten Szene an Außenseiter, bewegt er sich immerfort wie in einer feindlichen, fremden Welt; das meist völlig leere Gesicht ist hingegen die perfekte Projektionsfläche für all das Böse, das der Film später in die Figur hineinlegen will.

Von diesem ersten Teil hätte man gerne mehr gesehen: Er ist nicht nur visuell dicht und eigenständig, sondern auch äußerst spannend. Stattdessen will Zombie aber alles zugleich: Er will einerseits durch den Rückgriff auf die Kindheit die Figur Michael Myers neu erfinden – was hier, anders als etwa bei Hannibal Rising (2007) auch bemerkenswert gut funktioniert – und doch andererseits mit einem Remake dem Original treu bleiben und den Mythos von Halloween fortschreiben.

Das zerreißt den Film nicht nur in seine zwei distinkten Teile, sondern spielt auch die abstrakte Metafiktion gegen die konkrete Psychologisierung aus. Während das Portrait von Michael Myers als Kind konkreter in seiner Darstellung kaum sein könnte, findet zwischen den beiden Teilen kein echter Zeitsprung statt, wie ihn die Zwischentitel behaupten: Kindheit wie Erwachsenenalter von Michael Myers finden beide in einem vage als Gegenwart gekennzeichneten Irgendwann statt, dass sich – ganz anders als in Carpenters Original – nicht eindeutig auf eine Zeit festlegen lässt.

Natürlich hat Zombie für die Fans auch ein paar Mätzchen, Insider Jokes, eingebaut hat, mit denen er sich unmittelbar auf Carpenter bezieht. Das betrifft insbesondere die Maske des erwachsenen Michael Myers. In Zombies Fassung taucht diese schon ganz zu Beginn auf – der Freund von Michaels Schwester, der den Abend natürlich nicht überleben wird, möchte sie gerne beim Sex tragen. Später nimmt dann Michael die Maske, die eigentlich erst durch den Film über ihn berühmt und möglich geworden ist, an sich und wird sie Jahre später selbst tragen.

So wird Michael Myers in Rob Zombies Halloween eigentlich schon aus seinem eigenen Mythos geboren – dieses Wesen bräuchte keine Kindheit, keine weitere Vorgeschichte. Und doch will man eigentlich mehr von diesem neuen, jungen Michael Myers, und weniger vom alt bekannten.

Kritik von Rochus Wolff

Fotos: © Senator

Veröffentlicht am 13.10.2007



Film-Angaben:

Titel: Halloween (Halloween)
USA 2007
Laufzeit: 109 Minuten

Regie: Rob Zombie
Drehbuch: Rob Zombie
Produktion: Rob Zombie, Malek Akkad, Andy Gould, Andy La Marca
Darsteller: Scout Tayler-Compton, Malcolm McDowell, Tyler Mane, Daeg Faerch, Sheri Moon Zombie, Brad Dourif

Kinostart: 25.10.2007



DVD-Angaben:

Titel: Halloween
Vertrieb: Universum Home Entertainment
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Englisch (DD 5.1), Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1)
Untertitel: Deutsch
Altersfreigabe: keine Jugendfreigabe
Spieldauer: 105 Minuten

Extras: Kinotrailer

Kauf- und Leih-DVD erscheinen im Steelbook. Gleichzeitig erscheint ein Director’s Cut in der Limited Collectors Edition, die in einer Sonderverpackung 3 DVDs umfasst. Darauf hat der Film eine Länge von 116 Minuten. Folgende zusätzliche Extras sind enthalten: Audiokommentar von Rob Zombie; Alternatives Ende; 11 Deleted Scenes mit Kommentar; Bloopers; „Die vielen Masken des Michael Myers“; „Halloween: Die Dokumentation“; Triff die Darsteller; Casting-Tapes

Verleih ab: 05.03.2008
Verkauf ab: 07.04.2008





 




Kommentare

 

Bruce Lee

Donnerstag, 03-09-09 21:02

Hab noch was vergessen, wer meint hier wird wenigstens die Kindheit vom Michael etwas gezeigt und klärt auf warum er so ist wie es ist. Der täuscht. Michael spricht nie als Kind. Und bastelt in der Psychiatrie auch keine 100 Masken. Und er hat auch keine Lagen Haare. Und er ist auch nicht der Sohn einer Erotic Tänzerin und eines vaters der aussieht wie ein Penner vom der Trinkahlle der seine Tochetr mehr ...

Bruce Lee

Donnerstag, 03-09-09 20:51

Dieser Halloween Film ist der schlechteste der jeh gemacht wurde. Den Namen Halloween verdient dieser Film nicht. Einen Klassiker wie den von Carpender so zu zerstören. Die Person Michael in diesen Film nicht der ruhige Psychopatsche Killer der seine familie sucht und sie Abschlachtet. Nein hier ist es ein 2 meter Grosser Wrestler der einfach Sinnlos alles Niedermätzeld was sich vor ihn stellt. michael mehr ...

filmundfernsehkritik.de

Montag, 19-05-08 18:45

Der Film ist unglaublich schlecht – kein Vergleich mit der Qualität des Originals.

malte

Sonntag, 16-12-07 12:21

Das war einer der schlechtesten Filme, die ich je gesehen hab! Die Handlung ist so sinnlos und kein bisschen nachvollziehbar. Traurig.

Marilyn

Sonntag, 18-11-07 21:18

Meiner Meinung nach hat Rob Zombie mal wieder einen sehr guten Halloween Streifen geschaffen,dennoch am Original kommt das Remake niemals ran,denn die ständige ordinäre Sprache,und die übertriebenen Schreie von Laurie Strode haben mit der Zeit endlos genervt,aber sonst ist der Film wirklich super spannend in Szene gesetzt,das einzige Problem ist nur das man mit den Opfern so gut wie gar nicht mitfiebern mehr ...

Shitface

Donnerstag, 01-11-07 15:26

Ich hatte den Film gestern(31.10.07)im Kino gesehen und wahr zum Großteil schlichtweg enttäuscht,bin sogar in der Mitte des Filmes für kurze Zeit eingeschlafen,(hätte gerne weiter geschlafen doch meine Freundin hat mich mit ihrem Geschreie immer wieder aufgeweckt).Habe vergebens nach Paralehlen zum ersten Teil gesucht,bin aber nur auf grobe und billige Abweichungen des ersten Teiles gestoßen.Im mehr ...

Doc Matyl

Mittwoch, 17-10-07 13:57

Hallöchen Ihrs, gut das ich diese Kritik gelesen habe,danke Hr.Wolff!Ich wollte mir diesen Film eigentlich nicht anschauen,da andere Berichte auch meinten es wäre ein Remake von 1978!Schade finde ich nur das man mit sollchen Sachen Erfolg hat(bezogen auf einen Remake,ausser man hatte die damaligen Realisierungen noch nicht perfekt,wie bei King Kong),ich finde es gut,wenn neue Aspekte drin sind oder mehr ...

 

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