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Ein Quantum Trost

James Bond auf Rachefeldzug. This time it’s personal.

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Was auch das Töten verändert. Davon weiß der Spitzenspion dem bolivianischen Racheengel Camille zu berichten. Training sei das eine, aber den Adrenalinschub zu kontrollieren, wenn es persönlich wird, das andere.

Von „Another Way to die“ singen auch Jack White und Alicia Keys in ihrem direkt auf Casino Royale Bezug nehmenden Titelsong, dem musikalisch anspruchsvollsten und effektivsten seit „Goldeneye“. Als akustische Dimension der Titelsequenz funktioniert das Musikstück hervorragend, in deren Reminiszenzen an die bondsche Tradition und die Kultivierung der neuen 007-Interpretation es eine adäquate Illustration findet.

Ursprünglich galt Amy Winehouse als prädestiniert für den prestigeträchtigen Agententrack. Eine Britin mit Soulwurzeln hätte die Traditionslinie betont.

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Nun, um Tradition schert sich Ein Quantum Trost und mit ihm seine Macher, rein gar nicht. Alicia Keys stach nicht nur Winehouse, sondern auch deren Spin-Off Duffy aus. Spekulationen nach fürchtete man Negativ-Publicity der Londonerin, die als mindestens so trinkfest gilt wie Bond. Entscheidend dürften andere Faktoren gewesen sein, denn „Another Way to die“ steht lupenrein für die offensichtlichen Verschiebungen der Franchise. Zwar mag man auch Keys ein souliges Potential attestieren, im Vordergrund des neuen Hits steht allerdings ihr R&B-Einschlag. Keys, deren Alben durchweg die Spitze der Billboard-Charts erklommen, ist Mainstream par Excellence – um Längen erfolgreicher und massenkompatibler als Winehouse. Die Tendenz zur Amerikanisierung findet weiteren Ausdruck in der Wahl Jack Whites als Duettpartner. Der deckt zusätzlich noch den Indy-Markt ab und feiert mit The White Stripes ausgerechnet in Europa, vor allem auf der Insel, die größten Erfolge. „Seven Nation Army“ hat sich längst als Fußballhymne etabliert.

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In diesem Fahrwasser setzt Ein Quantum Trost zur endgültigen Transformation der Serie an. Wenn die Connery-Klassiker, von Dr. No (1962) bis Feuerball (Thunderball, 1965), zunächst raues, dann immer runderes und voluminöseres swingendes Carnegie-Hall-Soulkino mit Klassik-Einschlag verkörperten (und Im Geheimdienst ihrer Majestät, On her Majesty’s Secret Service, 1969, die Free-Jazz-Improvisation), dann will Ein Quantum Trost ganz klar clubtauglicher R&B mit Elektro-Einschlag sein. Und einem kaum spürbaren Hauch Redneck-Country.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: David Arnold, verantwortlich für den Score, ist sich Bonds Tradition und der sich daran anschließenden Verpflichtung bewusst wie kein Zweiter. Es macht Spaß, seinen Bond-Variationen nachzuspüren, die er immer sparsam und pointiert einsetzt. Schon in Casino Royale hatte er die mythische Dimension der Serie und seiner Hauptfigur betont. Unter der Oberfläche besitzt Ian Flemings Spion schließlich eine Substanz, die ihn unverwechselbar macht.

In seinem neuesten Abenteuer muss er eine Rekordzahl von Schauplätzen bereisen, die allesamt austauschbar bleiben. Bonds unmotivierte und übergangslose Ortswechsel stehen stellvertretend für die technischen und konzeptionellen Mängel von Ein Quantum Trost.

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Verheißungsvoll fährt die Kamera einen See entlang. Die Eingangssequenz verspricht Dynamik, vermittelt ikonografischen Anschluss an Casino Royale. Der wird auch inhaltlich betont: Bond hat Mr. White, mitverantwortlich für den Tod Vesper Lynds, zur Vernehmung entführt. Doch der Effekt verpufft. Im Wasser landet Bond noch früh genug, aber die Fluten spielen bei seiner ersten von unzähligen Verfolgungsjagden genauso wenig eine Rolle, wie die fließende Kamera. Es dominiert der das Geschehen zur Unkenntlichkeit verstümmelnde Schnitt. Ehe der Nachbar im Kinosessel seine Popcorntüte geleert hat, ist der Aston Martin zu Schrott gefahren. Wer diese und eine andere beteiligte Automarke aufgrund des Schnittmassakers im Bild nicht identifizieren konnte, erhält Unterstützung – die Sponsoren werden auf der Tonebene namentlich genannt.   

Frauen jedenfalls, die fahren im neuesten Ableger noch Kleinwagen. So auch Camille, das konturloseste Bond-Girl seit der Dalton-Phase. Selbst 007 hat kein Interesse an ihr. Dafür streichelt er seine bald den Goldfinger-Tribut-Tod sterbende Kollegin Fields. Die ist kaum im Bild, Erotik existiert in Ein Quantum Trost nicht, so jugendfrei wie seit Roger Moores beschämender Spätphase, mit Ausnahme von Im Angesicht des Todes (A View to a kill, 1985), war kein Bond mehr.

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Neben seiner Vorliebe fürs andere Geschlecht ist auch Bonds kulturelles Interesse auf der Strecke geblieben. Er spielt nicht und trinkt nicht, vielmehr säuft er, und zwar wahllos. Daniel Craig muss wieder den Proleten in Bond rauskehren, den Vesper Lynd ihm eigentlich schon ausgetrieben hatte. Was bleibt, ist sein Beharren auf Luxussuiten. Doch auch den Hotels und ihren Zimmern kommt nicht annähernd mehr dieselbe Relevanz wie in der klassischen Reihe zu. Bei Connery war es noch entscheidend, wie und wohin man sich bewegte. Production Designer Ken Adam verlieh der Serie nicht nur einen unvergesslichen Look, er schrieb den einzelnen Figuren vor allem prägnante, sowohl für ihren Charakter als auch für den Plot relevante Orte zu. Heute trifft M, schon bei Brosnans Amtsübernahme und erst recht seit Craigs Dienstantritt aufgewertet, ständig und überall auf ihren Schützling. Sie ist so ortlos und ungebunden wie er und sein Widersacher Dominic Greene. Der wird zwar aufopferungsvoll von Mathieu Amalric als psychisch gestörter abgründiger Megakapitalist gespielt, doch ihm fehlt ein Zentrum. Wie dem gesamten Film.

Regisseur Marc Forster orientiert sich vor allem an zwei Komponenten: Der ersten Hälfte von Casino Royale und der Serie um Jason Bourne. Schon deren zweiten Teil hatte Cutter Richard Pearson ruiniert, ehe der eigenverantwortliche Christopher Rouse die Vision des Regisseurs Paul Greengrass kongenial in Das Bourne Ultimatum (2007) umsetzen konnte. 

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Auch bei Bond 22 saßen gleich zwei Männer am Schneidetisch, Marc Forster wollte auf die Mitglieder seiner eingespielten Crew nicht verzichten. Die konnte, in völliger Harmonie mit dem Schweizer, der Serie und dem Thrillergenre offensichtlich überhaupt nichts abgewinnen. Den Mythos und seine Implikationen lassen Forster und seine Kollaborateure gänzlich unangetastet. In ihren Händen ist Bond zu einem verwechselbaren Action-Mainstream-Film von der Hollywood-Stange geworden. Je angestrengter Ein Quantum Trost sich als Fortsetzung deklariert und den Schulterschluss mit seinem Vorgänger sucht, so augenscheinlicher wird doch, wie geradezu stumpfsinnig die Entwicklung dessen zweiter Hälfte ignoriert wird.

Vesper Lynd würde sich im Grabe umdrehen.

Kritik von Sascha Keilholz

Fotos: © Sony Pictures

Veröffentlicht am 28.10.2008



Film-Angaben:

Titel: Ein Quantum Trost (Quantum of Solace)
USA, Großbritannien 2008
Laufzeit: 103 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Regie: Marc Forster
Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade
Produktion: Michael G. Wilson, Barbara Broccoli
Darsteller: Daniel Craig, Olga Kurylenko, Mathieu Amalric, Judi Dench, Giancarlo Giannini, Gemma Arterton, Jeffrey Wright, Jesper Christensen
Kamera: Roberto Schaefer
Musik: David Arnold
Schnitt: Matt Chessé, Richard Pearson

Kinostart: 06.11.2008

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Kommentare

 

alv_8

Montag, 06-04-09 03:39

Das einzigst tolle am Fil waren die 7Minuten in Österreich... Und sonst echt ein Schuss in den Ofen.

Donnerdaumen aus Kissing

Sonntag, 01-02-09 14:31

Ich hörte, dieser Film solle ein anderer, ein besserer Bond-Film sein, als die, die man bis hierhin kannte. Also, schaute ich diesen Bond (obwohl ich kein Bond-Fan bin) diesen Film. Und ich muß sagen, jetzt bin ich noch weniger Bond-Fan und werde auch in Zukunft keinen Bond mehr gucken wollen... Das was dieser Film alles beinhaltete war so grottenschlecht...grottenschlecht bei allem. Hauptschauspieler, mehr ...

Peter

Mittwoch, 17-12-08 13:22

Der Film hätte richtig gut sein können, aber was sich einige Leute beim Schnitt und der Kameraführung gedacht haben wird mir ein Rätsel bleiben. Die Anfangssequenz bis zum Beginn des Vorspanns ist mit Abstand die schlechteste von allen Bondfilmen. Warum die Schnitte so schnell sein müssen, ich weiß es nicht. Warum die Bilder so wackelig sein müssen, ich weiß es nicht. Mich beschlich streckenweise mehr ...

reter

Freitag, 12-12-08 00:20

ach, was ist nur mit der (bond)welt los. vorbei scheint die zeit, als bond noch als garant für spannende unterhaltung mit stimmiger story und einem augenzwinkern galt. wo ist die eleganz, der stil, der charme des 007 geblieben? "ich kann das briefpapier nicht finden. helfen sie mir suchen?" und schwupp ist das offenbar aktuelle bond girl in der kiste. diese platitüte ist wohl bezeichnend für die mehr ...

Thomas

Montag, 08-12-08 03:06

Ich habe nun endlich auch Zeit gefunden, mir den neuen James-Bond-Film anzusehen - das hatte ich zumindest vor. Die Eintrittskarte mit meinem Aufenthaltsort vergleichend bestätigte sich: Ich musste richtig sein! Was ich aber sah, war nicht der schlechteste Bond aller Zeiten, wie andere Besucher glaubten - es war schlicht und einfach KEIN Bond! Britische Eleganz? Fehlanzeige. Humor - egal welcher Art? mehr ...

Chris

Sonntag, 07-12-08 12:10

EInfach nur schrecklich! Kameraführung: Zwischendurch dachte ich was in den 3 Bieren drin war dass ich mit dne Bildern nicht hinterherkomme, dann berichteten mit aber andere, dass sie das selbe Problem hatten. Storylinie für mich nicht erkennbar und wo ist der alte Moore/Brosnan-Bond Charme? Also ich behaupte mal noch 2 oder 3 Filme von der Sorte dann war es das mit der Bondreihe.

Martin

Sonntag, 07-12-08 08:21

Hallo, auch ich muss sagen, dass der Film keineswegs an die anderen Bond Filme herankommt. Solch eine Film will man eigentlich nicht unter einem "Bond" sehen. Die Aktion Szenen werden größtenteils versaut durch die Kameraführung und auch die Handlung erinnert irgendwie an ein Tourist, der durch die Welt reist, nur halt mit ner Knarre in der Hand. Bitte den nächsten Film dringend wieder ändern, mehr ...

Hingucker

Mittwoch, 26-11-08 13:56

Am 26. November 2008 um 13:57 hat hingucker folgendes geschrieben: In der Warteschleife. Unser Heinz kümmert sich drum! Moin, hab den Film gestern gesehen und muss gestehen dass ich etwas enttäuscht wurde… Nachdem ich mir am Wochenende nochmals “Casino Royal” zur Auffrischung zu Gemüte geführt hatte startete ich voller Vorfreude ins Kino. Schon in der ersten Szene ist die verwirrende, mehr ...

Julia Skrakozi

Montag, 24-11-08 17:37

Tja was kann man zu ,,Ein Quantum Trost''anderes sagen, als Enttäuschung pur!? Der Film hat zwar aktionreich begonnen, jedoch war die Handlung sprichwörtlich an den Haaren herbeigezogen. Für mich hat dieser Film keinen Stil mehr. Ein weitere Aktionstreifen aus den USA, mehr aber auch nicht. Das Einzige was an diesem Film lobenswert ist, ist der Sountrack und der Vorspann. ,,Casiono Royal'' war mehr ...

Ralph

Montag, 24-11-08 11:10

Also mit Bond hat das nichts mehr zu tun. Das wird wohl leider mein letzter gewesen sein.

 

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