Die weiße Massai
Nicht ohne meinen Samburu-Krieger! Ein fremder Mann, eine fremde Kultur, Irrungen, Wirrungen. Ein Bestsellerstoff, der natürlich den Weg auf die Kinoleinwand findet. Und sich dabei zum Glück ganz auf Nina Hoss verlassen kann.

In Filmen gibt es im Wesentlichen drei verschiedene Klassen von Berufen. Entweder einen interessanten oder zumindest skurrilen Job, der es aus reinem Interesse des Publikums verdient, in den Mittelpunkt gestellt zu werden. Dazu gehören zum Beispiel Detektive, Journalisten, Modeschöpfer, Atomphysiker, Gangster, Testfahrer, Künstler, Ärzte oder Börsenmakler. Oft wird daraus ein realistisches Arbeitsplatzdrama, wie es zum Beispiel Alan J. Pakula mit Die Unbestechlichen (All the President`s Men, 1976) für den Journalismus geschaffen hat, ansonsten vielleicht immer noch ein guter Genre-Film.
Dann gibt es - zweitens - Berufe, die weniger glamourös sind, dafür aber durch ihren spezifischen Ort innerhalb einer Gesellschaft guten Stoff für viele Geschichten abgeben. Dazu zählt die Kellnerin im amerikanischen Diner oder der Butler im englischen Landhaus; ebenso der Chauffeur der reichen Lady, der Zauberkünstler im Varieté, der Taxifahrer in New York, der Bestattungsunternehmer in Pasadena und die Lehrerin in einem Mädcheninternat - nichts, weswegen man gleich die Stellenanzeigen durchblättern will, aber gewiss auch nichts, weswegen man dem Kinosessel fernbleibt. Man sieht ihnen nicht deswegen gerne zu, weil sie spannende Dinge erleben, sondern weil sich ihre Erlebnisse auf unaufdringliche Art und Weise aus ihrer Tätigkeit entwickeln.

Die Bedeutung der weiblichen Hauptrolle ist den Produzenten von Die weiße Massai dabei offensichtlich bewußt gewesen und ihre Entscheidung kann man im Nachhinein als Idealbesetzung bezeichnen. Nina Hoss prägt diesen Film in jeder Szene, neben den vielen Einstellungen ihres emotionalen Parcours wirken die Landschaftsaufnahmen sehr dezent gesetzt, was zum unprätentiösen Gesamteindruck beiträgt.
Obwohl die Geschichte, basierend auf dem gleichnamigen Bestseller – Schweizerin ist von der imposanten Erscheinung eines Ureinwohners beeindruckt, verlässt ihren Freund, verlängert den Urlaub, beginnt ein neues asketisches Leben, die kulturellen Differenzen werden immer unüberwindbarer und als das gemeinsame Kind heranwächst, scheint die Flucht der einzige Ausweg – sehr grob gestrickt ist und viele bekannte emotionale Muster zitiert, wirkt Die weiße Massai recht nuanciert. Das liegt auch an der szenischen Struktur, die Regisseurin Hermine Huntgeburth gewählt hat. Sie sucht keine großen Spannungsbögen, sondern zeichnet die Etappen der weiblichen Hauptfigur in vielen kurzen Szenen nach. So wirken die zahlreichen emotionalen Erlebnisse Carolas oft nur erwähnt und bevor sich starke Reaktionen beim Betrachter regen, geht es schon in die nächste Episode. Insofern funktionieren dann einzelne expressive Szenen weniger über Dialog und Montage, als vor allem über die schier unendlichen Variationen im Minenspiel der physisch enorm präsenten Nina Hoss. Besonders eindringlich vernetzt sich eine der beiden Geburtsszenen des Films im Gedächtnis. Ohnmächtig muß Carola den Tod eines Kindes und die Qualen der Mutter verfolgen.

Dennoch bleibt das Gefühl, die dramaturgischen Zusammenhänge und Pointierungen sind nicht ideal organisiert und es wurde versucht, zu viele Elemente der Vorlage aufzugreifen, anstatt eine eigenständige, auf der Leinwand stringente Handlungslogik zu entwickeln.
Ein gewählter Schwerpunkt, die sexuelle Umerziehung des Kriegers durch die zivilisierte europäische Frau, entpuppt sich als problematisch. Zu stationenhaft und offensichtlich zeichnet Huntgeburth diese Entwicklung vom rücklings Rammeln zur romantischen Hingabe, die auch der Frau ihre Freuden bereitet. Ausgerechnet dieser Part ist fiktional, denn Autorin Corinne Hofmann hatte offensichtlich in dieser Hinsicht keinen pädagogischen Erfolg, wie sie per Bild einem Millionenpublikum verriet: „Im Bett war mein Krieger eine Niete“. Nun denn, selbiges ist über den Film nicht zu sagen, auch wenn ihm manch hölzern-schwülstiger-profaner Dialog der Schweizerin anzuhören ist und sich das Konzept schon vor dem Finale abgenutzt hat. Von da an konzentriere man sich einfach auf eine großartige Schauspielerin.
Kritik von Sascha Keilholz
Fotos: © Constantin
Veröffentlicht am 09.09.2005
Film-Angaben:
Titel: Die weiße Massai (Die weiße Massai)
Deutschland 2005
Laufzeit: 131 Minuten
Regie: Hermine Huntgeburth
Drehbuch: Johannes W. Betz
Produktion: Günter Rohrbach
Darsteller: Nina Hoss, Jacky Ido, Katja Flint, Janek Rieke
Kinostart: 15.09.2005
DVD-Angaben:
Titel: Die weiße Massai
Vertrieb: Highlight Video
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 126 Minuten
Extras: Interviews; Blick hinter die Kulissen; Darsteller und Crew (Textseiten)
Zeitgleich zum Verkaufsstart erscheint eine 2-Disc-Special-Edition. Auf der Bonus-DVD ist enthalten: Beitrag „Aufbau des Dorfes“; Making of; Interviews; Gourmet der Wildnis; Ausschnitte aus Wiedersehen in Barsaloi; Lesung mit Corinne Hofmann; Bericht der Szenenbildnerin Susann Bieling und Uwe Szielasko; Bei den Dreharbeiten mit Kommentar von Herstellungsleiter Jürgen Tröster; Final Casting mit Nina Hoss und Jacky Ido; Die Maskenbildnerin; Ein Samburu erzählt; Erzählung von Corinne Hofmann, Darsteller und Crew (Textseiten)
Verleih ab: 16.03.2006
Verkauf ab: 23.03.2006
Kommentare
Nancy
Dienstag, 19-06-07 21:02
Elke Matthes
Mittwoch, 20-09-06 16:47
Ich habe mir den Fim "Die weiße Massai" angesehen, und ich bin echt begeistert von diesem Film. Super Schauspieler, eine tolle Besetzung, die besser nicht hätte sein Können. Meine Gratulation an Nina Hoss und Jacky Ido. Gruß Elke Matthes
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Ich finde den Film einfach klasse, musste sogar weinen. Also er hat mich wirklich berührt.Die Schauspieler sind einfach spitze und Jacky Ido ist ein ausgesprochen schöner Mann. Alles in allem ein einfühlsamer und mitreißender Film, der auf jeden Fall sehenswert ist.