Die Päpstin

Seit Jahren dümpelt die Produktion von Die Päpstin mit wechselnder Darsteller- und Regiebesetzung vor sich hin. Sönke Wortmann durfte die Adaption des Bestsellerromans schließlich als aufgeblasenen Ausstattungsfilm inszenieren.

Die Päpstinzoomicon

Die Figur der Päpstin Johanna Anglicus ist historisch äußerst umstritten. Nach heutigem Standpunkt wird die Geschichte der ehrgeizigen Priestertochter, die sich in den damaligen Männerdomänen Bildung und Religion behauptete und es als Mann verkleidet bis auf den Papstthron schaffte, als Legende eingestuft. Mit dem Historienroman Die Päpstin (1996) popularisierte die amerikanische Autorin Donna Woolfolk Cross diesen Stoff. Dabei war Cross weniger an einer Reflexion des Mythos interessiert als an einer starken Frauenfigur inmitten einer repressiven Männerwelt.

Die Verfilmung des Romans war eine schwere Geburt. Nach mehreren Jahren Vorbereitungszeit wurde der eigentlich als Regisseur vorgesehene Volker Schlöndorff wegen einer kritischen Äußerung zur Zweitverwertbarkeit von Kinofilmen – wie die letzten Constantin-Produktionen soll auch Die Päpstin in einer längeren Version im Fernsehen laufen –, gefeuert und durch Sönke Wortmann ersetzt. Wortmann ist noch weniger als sein Vorgänger ein Filmemacher, den man mit einer unverwechselbaren Autorenhandschrift verbindet. Eine Eigenschaft, die bei einer internationalen Großproduktion wie Die Päpstin aber ohnehin nicht gefragt ist. Somit überrascht es auch nicht, dass der Film keinen individuellen Zugang wagt, sondern vor allem versucht, es den Lesern des Bestellers recht zu machen, indem brav die einzelnen Stationen des Romans nacherzählt werden.

Begleitet von einer märchenonkelhaften Erzählerstimme folgt Wortmann seiner unangepassten Protagonistin von der Geburt bis zu ihrem pathetisch inszenierten Tod. Ihr Aufbegehren gegen die patriarchale Ordnung geistlicher Institutionen drückt sich bereits im schwierigen Verhältnis zwischen Johanna und ihrem Vater (Iain Glen) aus, einem bis zur Karikatur verzerrten Frauenhasser, der aus Ehefrau und Tochter jeglichen revolutionären Geist prügelt.

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Wenn Johanna einige Jahre später von zu Hause wegläuft, um als erstes Mädchen die Dornstädter Scola zu besuchen, gibt sich der Film nicht mehr mit einer bloßen Emanzipationsgeschichte zufrieden. Stattdessen peppt Cross die Handlung mit einer melodramatischen Liebesgeschichte auf, die sich auch für eine seichte Vorabendserie eignen würde: Eine Frau zwischen Glaube und Gefühl. Johannas Liebe gilt dem Grafen Gerold (David Wenham), der einem dem Vater entgegengesetzten Typus Mann entspricht und genau deshalb nicht so recht ins Mittelalter passen will.

Wortmann inszeniert das Mittelalter so, wie man sich es gemeinhin vorstellt: Als Zeit rauer Sitten, in der brutale Kriege gefochten und ordinäre Fressgelage veranstaltet werden, bei denen ein angezündeter Furz die Hauptattraktion des Abends ist. Schon dem Roman wurde mehrfach vorgeworfen, dass die Figuren viel zu modern für die porträtierte Zeit seien. Im Film wird dieser Umstand überdeutlich an der Figur des Grafen, eines emanzipierten Schönlings und Softies, der direkt aus einem schwülstigen Groschenroman zu stammen scheint.

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Nun wäre es müßig, einem dem Kitsch nicht abgeneigten Ausstattungsfilm wie Die Päpstin mangelnden Realismus vorzuwerfen. Viele Handlungsmotive sind aber nicht nur unplausibel, sondern geradezu absurd. So scheint es trotz Johannas angefeindeter Position in der Kirche und der repressiven Zeiten nie ein Problem darzustellen, dass sie nach ihrer Ernennung zum Papst gemeinsam mit Gerold im Petersdom lebt und dort auch noch ein Kind zeugt. Vielleicht sind solche Momente im Roman etwas differenzierter dargestellt, schließlich leidet Die Päpstin ohnehin an einer für epische Romanverfilmungen typischen Krankheit.

Da jede zusätzliche Minute an Überlange abschreckend auf den potenziellen Zuschauer wirken könnte, werden in möglichst kurzer Zeit sämtliche wichtigen Stationen des Romans abgehakt. Die Folge davon ist, dass der Film derart dicht mit Handlung vollgestopft ist, dass keine Zeit mehr für die Schaffung von Atmosphäre, die Vertiefung von Konflikten oder eine komplexe Figurenzeichnung bleibt. Allerdings zieht Die Päpstin den Vorteil daraus, dass bei einem derart schnellen Fortgang der Handlung mitunter sehr an den Haaren herbeigezogene Wendungen weniger ins Gewicht fallen.

Wie seinerzeit Der Untergang (2004) – übrigens einer der Filme, die Schlöndorff als Negativ-Beispiel für die Doppelauswertung von Kinofilmen genannt hat –, wird auch Die Päpstin bei seiner Fernsehausstrahlung noch einmal ein gutes Stück länger sein. Vielleicht bleibt dann auch etwas mehr Platz für Feinheiten. Ob der Film davon aber wirklich besser wird, lässt sich bezweifeln.

Kritik von Michael Kienzl

Fotos: © 2009 Constantin Film

Veröffentlicht am 20.10.2009



Film-Angaben:

Titel: Die Päpstin (Pope Joan)
Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien 2009
Laufzeit: 148 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Regie: Sönke Wortmann
Drehbuch: Heinrich Hadding, Sönke Wortmann
Produktion: Martin Moszkowicz, Oliver Berben
Darsteller: Johanna Wokalek, David Wenham, John Goodman, Iain Glen, Edward Petherbridge, Anatole Taubman
Kamera: Markus Eckert
Musik: Marcel Barsotti
Schnitt: Hans Funck

Kinostart: 22.10.2009





 




Kommentare

 

Angelica

Mittwoch, 25-11-09 11:43

Hallo Zusammen, ich habe mir gestern Abend den Film auch angesehen und muss sagen, dass ich positiv überrascht war, wie gut das Buch in den Film umgesetzt wurde. Was mich allerdings sehr gestört hat, die absolute Fehlbesetztung des Papstes mit John Goodman, wie kann man einem Schauspieler der fast ausschließlich als Komiker bekannt ist, solch eine Rolle übertragen.

Bertel aus Siegen

Dienstag, 17-11-09 21:03

komme gerade mit meiner Arbeitskollegin aus dem Kino, Ich habe das Buch letztes Jahr gelesen war super, wir fanden den Film auch super und meine Kollegin will jetzt auch das Buch lesen

Norbert

Montag, 16-11-09 09:04

Ich kann mich der Meinung des Kritikers nicht anschließen. Schöne Ausstattung, manch tolle Bilder, leider manchmal mit dem Erzähler zu belehrend und "Faramir" war nicht glaubwürdig. Goodman war ein echtes Highlight, ebenso die römischen Intriganten und Richild. Gute Unterhaltung war's, nicht mehr, nicht weniger.

Alfons Wilhelm aus Bielefeld

Donnerstag, 12-11-09 23:08

Ich war gerade im Kino und habe die Päpstin gesehen. Entsetzliche Schmonzette kann ich nur sagen. Die Hauptdarstellerin möchte man sich in mancher Rolle vorstellen, aber als jemand, der man abkaufen soll, dass Sie ein Mann ist, ging sie gar nicht. Nun muss man ja beim deutschen Film immer befürchten, dass solche Knallchargen wie Till Schweiger, Katja Riemann und Heiner Lauterbach besetzt werden, mehr ...

Prepaid Vergleich aus Neckarsulm

Montag, 09-11-09 20:02

Ich fand den Film super. Ich komme gerade aus dem Kino. Ich verstehe nicht, warum die Deutschen so gerne ihre eigenen Filme verreißen und sich lieber Schund aus Hollywood reinziehen.

chris

Sonntag, 08-11-09 00:38

Trotz schlechter Kritiken habe ich mich in den Film getraut und hatte etwas Angst davor enttäuscht zu werden, aber nichts der gleichen geschah und ich war voll und ganz zufrieden, auch ich werde den Roman gleich nocheinmal lesen!

Schramm

Donnerstag, 05-11-09 20:09

Ich habe das Buch gelesen und war jetzt gespannt auf den Film. Bin total begeistert. Er hat meine Vorstellung voll erfüllt. PS: Lese das Buch gleich nochmal

 

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