The Raid 2 – Kritik

Im Sequel seines Martial-Arts-Hits setzt Gareth Evans auf episches Erzählen statt auf formale Reduktion und auf teure Locations statt auf keimigen Schmutz.

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Mit dem in Indonesien gedrehten Martial-Arts-Klopper The Raid sorgte der walisische Regisseur Gareth Evans vor zwei Jahren für einiges Aufsehen: Die radikale Reduktion von Zeit und Raum – nahezu in Echtzeit schildert der Film, wie eine Polizeieinheit ein von Gangstern besetztes Hochhaus stürmt – sowie Rasanz und an die Knochen gehende Drastik der vor keimig-feuchter Kulisse gedrehten Kampfszenen ließen manchen Mund ziemlich weit offen stehen. Etwas weniger begeisterte Stimmen bemängelten die monotone Redundanz, mit der das Stakkato-Gekloppe irgendwann dann doch zu langweilen begann.

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Mit dem unvermeidlichen Sequel fächert Evans das Szenario nun merklich auf: Besonders im Vergleich zum ersten Teil fällt die erzählte Zeit geradezu episch aus, auch interessiert sich Teil 2 merklich für eine breite Vielfalt von Locations. War The Raid noch ganz reine Kinetik, körperliche Attraktion, entdeckt The Raid 2 nun mit einem Mal das lange – aber auch: langwierige – Erzählen für sich. More of the same ist das, obwohl zwischendrin noch immer gut gedroschen wird, gerade nicht. Oder vielleicht doch, wenn man sich beim ersten Teil mitunter auch schon gelangweilt hat.

Später Refn für Arme

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Der narrative Bogen wird in zweieinhalb Stunden Spielzeit weit gespannt: Nachdem er die Scharmützel aus Teil 1 am Ende doch noch überlebt hat, wird der junge Polizist Rama (Iko Uwais) als Undercover-Cop angeheuert. Um einen mafiösen Familienclan zu infiltrieren, wird ein Manöver von langer Hand geplant: In ein Gefängnis eingeschleust, soll Rama dort das Vertrauen des ebenfalls inhaftierten Uco (Arifin Putra) gewinnen, dessen Vater Bangun (Tio Pakusodewo) weite Teile des halbseidenen Jakartas kontrolliert. Eine läppische Einsatzzeit von gerade einmal zwei Jahren und eine durchgeknallte Massenschlägerei im Schlamm später gelingt es Rama, das Gefängnis nicht nur zu verlassen, sondern bei Bangun anzuheuern. Hier gerät er in einen ausgewachsenen Bandenkrieg, in dem er, mehr und mehr auf sich alleine gestellt, unterzugehen droht.

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Mit einer Vielzahl von Personen und daran geknüpften Interessenlagen orientiert sich The Raid 2 in Motivik und Ästhetik eher am japanischen Triadenfilm, dem Evans noch ein wenig auf Retro gestülpten Pulp Chic der jüngeren Art unterjubelt: Vor allem an Nicolas Windig Refns apathischen Langweiler Only God Forgives (2013) darf man in manchen Tableaus denken, in denen Evans – wie als Gegenthese zum keimigen Schmutz aus Teil 1 – edle, ausgesucht teure, aber doch eigenartig abstrakt, weltfern und ziemlich leer wirkende Locations zu Cinemascope-Tableaus verklärt, in denen er betont langsam erzählt, bis hin zu quälenden Dialogwechseln, die durch den holzigen Charme der deutschen Synchronisation mutmaßlich noch ein kleines bisschen zäher ausfallen als im Original. Auch Evans Neigung, seine Figuren diesmal dem Typus postmoderner Coolness anzunähern – einer der Bösewichte ist ein von allerlei Ticks gestörter Style-Neurotiker, der auch im Post-Tarantino-Kino der 1990er gut aufgehoben wäre –, lässt an eine Art „später Refn für Arme“ denken.

Überkandidelter Budenzauber

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Wobei Evans den postmodernen Charakter seines Settings – ein, zwei Anspielungen auf das Grindhouse-Kino der 1970er finden sich auch noch – schon auch merklich in einen kühlen Modernismus überzuführen versucht. Doch statt die abstrakten Qualitäten aus Teil 1 hier noch zu potenzieren, erzählt er lang und umständlich eine wenig interessante Geschichte, die immer wieder von teils atemberaubenden, teils aber auch ausgestellt performt wirkenden Set Pieces unterbrochen wird: Wirkte The Raid, auf gut Deutsch gesagt, rustikal knüppelig, besteht im zweiten Teil in kaum einer Sequenz mehr ein Zweifel daran, tatsächlich nur einer ausgeklügelten Choreografie beizuwohnen, in der unter viel Bohei allerlei Budenzauber abgefackelt wird. Nicht zuletzt siedeln die hier versammelten Actionszenen in ihrer Lust an der eigenen Überkandideltheit längst schon jenseits der Grenze zur Selbstparodie, weshalb denn auch in der Pressevorführung ansehnliche Teile der anwesenden Filmkritik in schallendes Gelächter ausbrachen, wie man es im Kino sonst nur bei den nerdigsten Splatterkomödien des Fantasy Filmfests zu hören kriegt.

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Gerade im Verhältnis zur betont gedämpften und langsamen Erzählweise ist das ein Wechselbad der Gefühle. Der straighte Kino-Existenzialismus aus Teil 1 wird hier zugunsten einer zusammengeschustert und in ihrem Verlauf auch reichlich langweilig wirkenden Comic-Überdrehtheit geopfert. Ob das nötig war, bleibt fraglich.

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