The Final Girl

Todd Verow versucht in der Stadt der Liebe einen erotischen Kunstthriller zu drehen. 

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Mit The Final Girl nimmt sich Todd Verow einem typischen Motiv des Horrorfilms und Thrillers an: Eine Stripperin bezieht ein WG-Zimmer, aus dem ihre Vormieterin auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Durch ein zurückgelassenes Tagebuch taucht sie langsam in die von Sex- und Gewaltfantasien geprägte Gedankenwelt der Fremden ein. Was folgt, ist eine Identitätskrise. Den Höhepunkt, auf den solche Geschichten in der Regel hinauslaufen (siehe Der Mieter (Le Locataire, 1976) von Roman Polanski), lässt Verow jedoch bewusst aus. Stattdessen kombiniert er die Genremotive mit einem deutlichen Kunstwillen und expliziten lesbischen Sexszenen.

Die Idee, einen schwulen Regisseur lesbischen Sex filmen zu lassen und damit eine ungewohnte Blickweise zu ermöglichen, ist nicht neu. Die Fucking Different-Filme (2005–2010), für deren New Yorker Ausgabe Verow bereits einen Kurzfilm beisteuerte, funktionieren genau nach diesem Prinzip. Dabei hinterlassen The Final Girl und die Filmreihe denselben Eindruck: So wichtig scheint die sexuelle Orientierung für die Inszenierung erotischer Szenen dann doch nicht zu sein.

The Final Girl 02

Ein ausschließlich mit Frauen besetzter Film, der sich mit dem Horror- und dem Pornofilm zweier Genres annimmt, die überwiegend einen repressiven, männlich heterosexuellen Blick einnehmen und mit Frauen meist wenig zimperlich umgehen, ist an sich durchaus interessant. Dabei ist der Filmtitel wohl eher als Anleihe an den Horrorfilm zu verstehen. Immerhin bezeichnet das Final Girl in Slasherfilmen jenes Mädchen, das dem Mörder bis zum Schluss entkommt.

The Final Girl verfügt damit zwar über einen spannenden Ansatz, bleibt filmisch aber belanglos. Das offensichtlich sehr geringe Budget und der Einsatz nicht-professioneller Schauspieler verleihen dem Film eine punkige Do-It-Yourself-Attitüde, jedoch ohne jeglichen Mehrwert. Die Szenen wirken weitgehend lieb- und konzeptlos zusammengeschustert. Während Tagebucheinträge aus dem Off vorgelesen werden, sind minutenlang Schwarzweißaufnahmen der mysteriösen Vormieterin zu sehen, wie sie zu Songs von Heather Nova durch Paris flaniert. Abgesehen von diesen ausgedehnten, nirgendwo hinführenden Spaziergängen werden immer wieder erotische Begegnungen gezeigt, die gleichermaßen uninspiriert wirken. Seinen Kunstwillen trägt The Final Girl dabei durch Lichtreflexionen auf Wasser oder den inflationären Einsatz von Zeitlupe nach außen. Hinter diesen eher billig aussehenden Videoeffekten verbirgt sich ein Film, der sich weder an den von ihm aufgegriffenen Genres wirklich interessiert zeigt noch an sich selbst. 

Trailer zu „The Final Girl“


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