Star Trek Into Darkness

Die Terrorgefahr lässt Star Trek erwachsen werden.

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Nach Batman in den Nolan-Filmen und Bond in den Filmen mit Daniel Craig wurde 2009 auch die ursprüngliche Star-Trek-Crew rebootet. Anders als beim Dark Knight und bei 007 wurde in Star Trek (2008) aber der Mythos nicht grundsätzlich hinterfragt und durch zeitgemäß gebrochene Figuren ersetzt. Das Ziel schien vielmehr, die Nachgeborenen an das Star Trek-Universum heranzuführen und Aha-Effekte für die Eingeweihten zu erzielen. Auch im jetzt anlaufenden Sequel Star Trek: Into Darkness geht es den Machern erklärtermaßen vor allem darum, den Charme der Sixties-Serie mit moderner Technik und Actionästhetik zu verbinden.

Inhaltlich zeigt sich Star Trek: Into Darkness aber deutlich von Nolans Dark Knight-Reihe und dem letzten Bond beeinflusst. Denn auch hier werden zeitgenössische Terrorismusängste reflektiert. Es stehen sich nicht wie im Kalten Krieg zwei Mächte gegenüber, der Feind kommt aus den eigenen Reihen und ist ein hausgemachtes Problem. In Star Trek ist dies der mysteriöse John Harrison (Benedict Cumberbatch), der der Sternenflotte mit Anschlägen im Alleingang den Krieg erklärt. Harrison war einst ein Mitglied der Sternenflotte, nun befindet er sich auf einem persönlichen Rachefeldzug, denn er fühlt sich von der Politik missbraucht. Hier erinnert J.J. Abrams Film verblüffend an Skyfall (2012), bis hin zu einem Schurken, der sich freiwillig ausliefert und aus seiner Zelle heraus operiert. Und auch Blade Runner lässt grüßen (1982), denn Harrison ist ein genetisch manipulierter und dann von seinen Schöpfern ausgenutzter Supermensch, der sich an seinem Vater rächen will.

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Die Terrorgefahr zwingt die Crew zumindest, erwachsen zu werden. Im ersten Teil des Reboots mussten sich die jungen Wilden erst zusammenfinden, in Star Trek: Into Darkness geht es stärker um die Frage nach Verantwortung für das Gemeinwesen. Denn Harrison führt die Crew immer wieder in politische und moralische Dilemmata. So zwingt er die Helden zur Kooperation und sorgt dafür, dass bei Kirk und Co. die Koordinaten von Gut und Böse durcheinander gewirbelt werden und sie gezwungen sind, die Fronten immer wieder zu wechseln.

Wenn Harrison, wie Terroristen das ja gerne tun, sich mitten im feindlichen Gebiet versteckt – im Star-Trek-Universum also natürlich bei den finsteren Klingonen –, dann wird die Frage tangiert, wie man die Verteidigung des eigenen Landes mit dem diplomatischen Umgang mit einem schwierigen Verhandlungspartner, den man nicht brüskieren will, in Einklang bringt. Doch statt das Potenzial dieser prekären Konstellation auszuspielen, löst sich die Szene in einem gigantischen Geballer auf.

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Überhaupt wird in Star Trek: Into Darkness viel geballert und geprügelt. Und das ist, gerade im Kontext des Terrorismus-Plots, ein durchaus brisanter Neuansatz: Denn in der Ur-Serie des unheilbaren Zukunftsoptimisten Gene Roddenberry galt für die Crew noch die Direktive: zuerst denken und reden statt kämpfen. Im neuen Film wird diese Prämisse auch zunächst von Spock vertreten, aber angesichts der Terrorgefahr müssen solche hehren Ideale offenbar über Bord geworfen werden.

Star Trek: Into Darkness reißt also inhaltlich durchaus eine Menge brisanter politischer Problemstellungen an. Abrams traut sich aber nicht, die Crew so tief in eigene und politische Abgründe zu führen, wie dies die Dark Knight-Filme und Skyfall taten. Im Vordergrund stehen doch Action und die etwas simple Entwicklungsgeschichte der Protagonisten, die sich auf die altbekannten Kabbeleien zwischen Kirk und Spock beschränkt, also Instinkt versus Ratio.

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Optisch überzeugt Star Trek: Into Darkness aber durchweg. Die Anfangssequenz versucht nicht weniger als den totalen visuellen Overkill: Kirk und Pille (Karl Urban) flüchten auf dem vulkanischen Dschungelplaneten Nibiru vor einer Horde Eingeborener durch ein Gewirr roter Lianen, vulkanische Funken sprühen überall herum. Parallel wird Spock in einen spukenden Vulkan abgeseilt. Das Ganze ist in einer Kombination aus Imax-Technik und konvertiertem 3D gedreht, dazu auch noch mit wackelnder Handkamera und einer rasanten Schnittfolge. Die konvertierten 3D-Effekte wirken freilich nicht besonders realistisch, der Planet wirkt eher wie der Fiebertraum eines abstrakten Malers. Und gerade das zeigt, wo das wahre Potenzial der dreidimensionalen Technik vor allem in der Science-Fiction liegen kann. Nämlich nicht darin, eine Welt nachzubilden, sondern eine andere Welt zu erschaffen, wie es auch Avatar (2010) gelang. Nach dem furiosen Anfang tritt die Technik in den Hintergrund und in den Dienst der Handlung. Sie sorgt aber immer wieder für großartige Bilder, die die Raumschiffe in selten gesehener Plastizität präsentieren und den Weltraum im Wortsinn als Raumerlebnis erfahrbar machen und seine Schönheit zeigen, wie man es selten gesehen hat.

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Kommentare


Sebastian

...sehr kurzweiliger und bombastischer Film ... nur im IMAX (Prag oder England) wirklich so zu sehen und hören, wie er gedacht ist. Leider wirkt der Film sehr runtergekürzt. Er verzichtet auf viele Handlungsdetails und lässt kaum Ruhepausen und Raum für Figurenentwicklungen. Einige wichtige Figuren haben sehr wenig Raum im Film und werden regelrecht verheizt. Einige Szenen sind für Star Trek Neulinge nicht in der Bedeutung zu verstehen, die sie haben und wirken dadurch weniger.

...und dennoch, ein hoher Schauwert mit Verbesserungspotential


rausgebeamt

Der einzige Zweck, den dieser Film verfolgt, ist es, Akzeptanz für Drohnen-Kills zu schaffen. Nach 3/4 Stunde ausgemacht (Presse-Preview, knuffknuff). Ein entsetzlicher Mist, dabei sind Effekte und Leinwand-Ballerei eigentlich sehenswert.


ulle

der letzte Akt : Mittelmäßiges Allerlei-Bombastkino mit den immergleichen Computeranimationen und herausgepressten Gefühlen der Schauspielerdarsteller. Die Kritik ist nun wirklich , lieber Sebastian, überdimensioniert


Frédéric

"Allerlei-Bombastkino" trifft es sehr gut, finde ich.






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