Morning Glory

Hauptsache, die Quote stimmt: Rachel McAdams soll als TV-Producerin eine Frühstücksfernsehshow vor dem Aus retten. Auch gegen den Willen von Harrison Ford in seiner ersten echten Altersrolle als Grumpy Old Man.

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Mit Mary Pickford verbindet Rachel McAdams nicht nur die kanadische Herkunft. Ähnlich wie der Stummfilm-Star ist sie auf die Rolle des all american girl festgelegt. Ihr Job: niedliche und grundsymphatische Harmlosigkeit ausstrahlen. Das ist zwar eindimensional, kann aber zumindest Charme entwickeln, wenn die Regie ihr dabei Grenzen setzt und darauf achtet, dass McAdams ihrer Figur einige Ecken und Kanten lässt. So geschehen in State of Play (2009), wo sie neben Russell Crowe als forsche Online-Redakteurin zu sehen war. Nicht so geschehen in Morning Glory, ihrem nächsten Film, der im Medien-Milieu spielt.

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Im Gegenteil: Hier darf McAdams hemmungslos mit ihren rehbraunen Augen klimpern, ein erstauntes Kindergesicht machen und eine Zuckerschnute ziehen. Als TV-Producerin Becky muss sie eine im Quotenkeller dahindümpelnde Frühstücks-Show auf Linie bringen. Dabei machen ihr nicht nur das limitierte Budget und ein unterdurchschnittlich talentiertes Team zu schaffen, sondern vor allem die Eitelkeit der beiden von Harrison Ford und Diane Keaton gespielten Moderatoren. Für ein Mädel wie Becky natürlich kein Problem, sondern eine Herausforderung, die es zu meistern gilt. Erschreckenderweise ist es Becky völlig egal, wofür sie da eigentlich Tag und Nacht schuftet oder mit welchen Methoden sie Quote macht. Was zählt, ist der Erfolg. Völlig ironiefrei und unkritisch. Wie eine sentimentale Entschuldigung wirkt eine Episode spät im Film, die journalistische Tugenden feiert.

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Das Gruselige an Morning Glory ist das völlig fehlende Problembewusstsein, mit dem der Film seine Thematik behandelt. Dass in einer gewaltigen Umbruchphase allerorten über die Rolle der Medien in Zeitungen, im Fernsehen und Internet diskutiert wird, davon weiß er nichts. Regisseur Roger Michell (Notting Hill, 1999) imaginiert stattdessen eine abgeschmackte Medien-Traumwelt in rosarot und findet dafür die entsprechenden Bilder: McAdams‘ Haar wallt in Zeitlupe; Menschen schlürfen mit wichtiger Miene Kaffee aus Pappbechern und treffen ihre große Liebe im Fahrstuhl; und Harrison Ford darf als ewig grummelnder Starjournalist mit Sockenfetisch ebenso hemmungslos chargieren wie McAdams. Was ein zweitrangiges Mainstream-Melodram hätte sein können, wird so zum echten Ärgernis.

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Kommentare


Jens

Ein sehr guter Film, wir haben uns bestens unterhalten gefühlt. Wunderschön gespielt im guten Schauspielern und noch plausibler Story, sehr witzig und unterhaltsam.
Der Film ist eine Komödie! D.h. er darf politisch inkorrekt sein. "Fehlendes Problembewusstsein, Traumwelt...", ernst sollte man den Film nicht nehmen.
Trotzdem noch eine Bemerkung zur Ehrenrettung: Das Studioteam im Film wurde durchaus professionell, nicht unterdurchschnittlich talentiert dargestellt, das gilt für (fast) alle Personen im Film. Aus den unterschiedlichen Charakteren zu zeigen wie man ein Team zu schmieden macht einen Teil des Reizes des Filmes aus.
Wie gesagt: Der Film ist eine Komödie, daher mehr Toleranz beim Beurteilen!
Gruß Jens






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