Männer wie wir

In Männer wie wir versucht ein schwuler Torwart, seine Fußballerehre zu retten. Das ist stellenweise sehr amüsant anzusehen, verzichtet aber leider nicht auf die üblichen Klischees über homosexuelle Männer.

Männer wie wir

Als vor zehn Jahren Sönke Wortmann den Bewegten Mann von Ralf König auf die Leinwand hob, war die Welt noch in Ordnung: Schwule und Fußball, das ging damals einfach noch gar nicht zusammen. Inzwischen ist dieses Vorurteil glücklicherweise in Bewegung geraten, und so darf jetzt in Männer wie wir eine schwule Fußballmannschaft den Heteros zeigen, wie man das Runde ins Eckige befördert.

Torwart Ecki fliegt aus seiner Mannschaft im etwas spießigen münsterländischen Dörfchen Boldrup, nachdem er nicht nur den Aufstieg in die Regionalliga vermasselt, sondern sich auch noch als Schwuler geoutet hat. Von seinen ehemaligen Spielkameraden herausgefordert, lässt er sich zu dem Versprechen hinreißen, in vier Wochen mit einer Fußballmannschaft von Schwulen gegen seinen alten Verein anzutreten. Um sein Versprechen einzulösen, fährt er zu seiner Schwester nach Dortmund, denn dort, in der „Fußballstadt“, muss es doch wohl fußballbegeisterte Schwule geben.

Männer wie wir

Natürlich gelingt es dem Lockenschopf Ecki nicht nur, trotz seiner Unschuld, wenn nicht Unbedarftheit, eine Mannschaft zusammenzutrommeln; er findet auch seine erste Liebe: die Handlung entwickelt sich also oft entlang recht vorhersehbarer Bahnen. Der Film zieht einen nicht unbeträchtlichen Teil seiner Komik zudem daraus, dass er auf den ganzen Katalog der Schwulenstereotype zurückgreift: vom verklemmten Fußballfan, der seinen Freunden nichts von seiner Homosexualität verraten will, über den tuntigen Türken, der David Beckham verehrt, bis hin zu den Lederschwulen, die unter ihren Piercings ganz sanfte Menschen sind – vom Namen der Fußballmannschaft („Lattenknaller“! Musste das sein?) ganz abgesehen.

Obwohl Männer wie wir so vermeintlich schwule Eigenheiten zur Belustigung ausstellt, sympathisiert er doch spürbar mit seinen Protagonisten und macht nicht zuletzt die Schwulenfeindlichkeit, die der Bevölkerung von Boldrup in die Dialoge gelegt wurde, lächerlich. Nur konnte sich Regisseurin Sherry Hormann anscheinend nicht ganz entscheiden, ob sie die Schwulen nun ganz ernst nehmen oder doch als Witzfiguren ausstellen soll.

Männer wie wir

Als Coming-Out-Geschichte jedenfalls kann der Film nicht überzeugen, dafür sind – sieht man einmal von Dietmar Bär als Eckis Vater ab – die damit verbundenen Zweifel und Probleme immer nur zu sehr behauptet, nicht gezeigt. Auch überzeugen die verhältnismäßig wenigen Szenen, in denen die Schwulenmannschaft beim Spiel zu sehen ist, nicht, dass das Team schlussendlich gegen die verhinderten Regionalligisten bestehen könnte. Das entscheidende Match ist dann recht konventionell – der Handlung durchaus angemessen eher Kreisliga – und ohne besondere Einfälle inszeniert.

Aber wir haben es mit einer Komödie zu tun, und als solche ist Männer wie wir ein durchaus unterhaltsamer Film. Wenn ausgerechnet Dortmund mit einem aus einem Helikopter aufgenommenen Blick auf Hochhäuser als große, große Großstadt eingeführt wird, ist doch ein sonst oft vermisster Sinn für feinen Humor zu spüren, und das abschließende Drama auf dem Ascheplatz wird selbstironisch wie ein Western-Duell inszeniert, staubig und in Zeitlupe. So kann der letzte Schuss auf Eckis Tor doch noch ein wenig für stellenweise etwas zu langatmige 106 Minuten entschädigen.

 

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