Henri 4

Star-Aufgebot, ein enormes Budget und Heinrich Mann als Inspiration. Das könnte was werden - glaubt man zumindest.

Henri 4

Der Regisseur und Drehbuchautor Jo Baier wagt sich mit Henri 4 an die Verfilmung von Heinrich Manns Zweiteiler über den Regenten (1935 bis 1938). Buch und Film erzählen die Geschichte von Henri, König von Navarra, der sich im Frankreich des 16. Jahrhunderts als Anführer der protestantischen Hugenotten an die Spitze des Wiederstandes gegen das katholische Paris stellt. Der Kampf um Religion und Macht ist geprägt durch Intrigen, politisches Taktieren und blutige Schlachten, an deren Ende sich Henri zwischen dem Glauben, seinem eigenen Wohl und dem des ganzen Landes entscheiden muss.

Henri 4

Für seinen Historienfilm in Überlänge versammelt Jo Baier ein hochkarätiges Schauspielerensemble um sich und arbeitet mit der renommierten Produzentin Regina Ziegler zusammen. Was viel versprechend klingt, scheitert leider grandios.
Selten lagen Potenzial und Realität eines Films so weit auseinander wie bei Henri 4. Hier gelingt das Kunststück, irritierend konsequent nahezu alle Rollen falsch zu besetzen. Die schauspielerischen Leistungen variieren dabei zwischen peinlich-übertrieben (Hannelore Hoger als stereotype böse Schwiegermutter Katharina De Medici) und uninspiriert-statisch (Sven Pippig als Lehrer des jungen Henri). Einzig Devid Striesow weiß als D’Anjou mit sichtbarer Spielfreude einige Akzente zu setzen.

Henri 4

Baier legt seinen Figuren vermeintlich bedeutungsschwangere Sätze in den Mund, die sich in ihrer Banalität gegenseitig zu überbieten suchen. Unweigerlich kommt der Gedanke auf, dass man die hölzernen Dialoge so oder so ähnlich bereits zigmal gehört hat. Die Inhaltsleere verdoppelt sich durch eine zusammenhanglose Erzählweise, die den Zuschauer mit willkürlichen Zeitsprüngen konfrontiert. Damit nicht genug, degradiert das Drehbuch besonders die Auftritte von Gabrielle (Chloé Stefani) und Margot (Armelle Deutsch) zur reinen Fleischbeschau.

Die mangelnde Aufmerksamkeit für das Drehbuch ist tragisch genug. Vergegenwärtigt man sich aber die Produktionskosten von annähernd 20 Millionen Euro, die in aufwändigen Schlachtenszenen wortwörtlich verpulvert wurden, wird einmal mehr die verfehlte Filmförderungspolitik der letzten Jahre deutlich. 

Henri 4

Als Sönke Wortmanns Die Päpstin 2009 im großen Umfang öffentliche Gelder zugesprochen bekam, die weitestgehend für Ausstattung und Requisite verpufften, zeichnete sich eine Entwicklung ab, die in Henri 4 noch konsequenter auf 155 Minuten ausgebreitet wird. Die Bestseller und Klassiker scheinen als Vorlage ein so unwiderstehliches Erfolgsversprechen auszustrahlen, angesichts dessen sich öffentliche Kassen weit öffnen und gleichzeitig die Sorgfalt für den Film gänzlich in den Hintergrund tritt.

Für den Zuschauer kann das auf die Dauer nur frustrierend sein, was bei der Premiere von den Besuchern der Berlinale Special Gala im Friedrichstadtpalast eindeutig und lautstark quittiert wurde.

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Kommentare


nicoly

Der Film hat versucht, die Atmosphäre der damaligen Zeit wiederzugeben : ein bißchen zuviel Sex war dabei, aber Margot hatte so einen Ruf und der Henri auch.
Die Schlachten hätten kürzer sein können, soviele Tote und Grausamkeit muß man nicht solange anschauen. Dagegen war die Bartholomäus-Nacht kurz gezeigt, es war genug.
Katherina von Medicis kennt man nicht anders als bösartige machtgierige Mutter und ihre 3 Söhne als kranke Könige, unfähig sich durchzusetzen. Historisch stimmt alles.
Die Schauspieler haben ihre Rolle gut übernommen. Vielleicht sind manche Zuschauer überrascht, wie am Königshof in der Renaissancezeit zugegangen ist. Es ging mehr um die politische Seite als um die künstlerische und wie schwer Frieden mit Religion im Land einzubringen war.


Markus Steinmeyer

Ich war auch in der Premiere und kann mich Tom Geyer nur anschließen. Der Film ist so schlecht umgesetzt, daß man manchmal in den ernstesten Szenen loslachen möchte. Das zentrale Ziel des Films, der von der Produzentin bei der Premiere eilig genannt wurde, nämlich die Friedensgedanken Henri 4 hervorzuheben, scheitert auf ganzer Linie, Thema verfehlt! Es handelt sich lediglich um einen banal dahergesagten Satz Henris, der neben dem ganzen Gemetzel und den vielen Bettszenen untergeht. Der Film war für mich wirklich furchtbar und ärgerlich!


Ariane Seeger

Es war gelinde gesagt, eine Schande!
Der Trailer konnte nicht über die unmengen an Defiziten des Films hinwegtäuschen.
Dieser Film war so sinnlos und hat bei mir lediglich eine Emotion hervorgerufen - nämlich die Wut darüber, wie ein Budget von 20 Mill. Euro so verschwenderisch und verantwortungslos verpulvert wurde.
Hier wurde keine anspurchsvolle Romanvorlage verfilmt, das war eine Posse!
Von Regie kann nicht die Rede sein, ein roter Faden war nicht ersichtlich, die Dialoge so dilletantisch, der Cast so dermaßen fehlbesetzt und hoffnungslos von der Regie im Stich gelassen.
Der größte Ärger darüber hinaus ist, dass dieser historische Film das Maß für Fördergelder ist und leider andere wirklich erfolgsversprechende Projekte keinen Zuschlag bekommen mit dem Kommentar: "Wer will denn sowas sehen?"
Danke, Herr Baier!


Harald

Wer wie ich die beiden phantastischen Romane von Heinrich Mann gelesen hat, fragt sich, wie schmerzfrei jemand sein muss, diesen spannenden, reichen und historisch wichtigen Stoff auf dieses Mindestmaß zu reduzieren und zu verzerren.

Egal welches Genre, es wird nur noch ein Film gedreht.
Maß aller Dinge ist einzig das unterirdische Auffassungsvermögen von Menschen, deren kulturelle und geistige Kapazität mit einer fettgedruckten Überschrift erschöpft ist.

Fremdschämen muss ich mich gegenüber den Franzosen, deren vor der nationalen und europäischen Geschichte geniale Integrationsfigur Henri IV, zum smarten Rammelaugust degradiert wird.






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