Dumm und Dümmehr

20 Jahre und nur ein Gag später: Die Farrelly-Brüder und ihr Blödel-Duo Harry und Lloyd tun es nochmal.

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Die Minimalpaar-Spielerei im deutschen Titel ist nur der Anfang – wie stark Dumm und Dümmehr (Dumb and Dumber to) mit seinem Vorgänger-Film Dumm und Dümmer (Dumb and Dumber, 1994) ineinanderfällt, ist gleich auf mehreren Ebenen symptomatisch ausgestellt. Da ist die deutsche Webpräsenz des Films, die auf ihrer Startseite ein wild durcheinandergewürfeltes Display an Pressebildern beider Filme präsentiert und so erst gar nicht den Versuch unternimmt, einen Unterschied zwischen den Bildlichkeiten der längst zum Kult gewordenen Produktion aus dem Jahre 1994 und ihrer Aktualisierung zu markieren. (Gerade mit der ikonisch gewordenen grell-orangenen Abendgarderobe von Jim Carreys Lloyd-Figur im ersten Film wird viel Werbung betrieben. Sie kommt im zweiten überhaupt nicht vor.) Auf Handlungsebene ist es genau ein Gag, der die zwanzig Jahre zwischen beiden Filmen überbrückt. Ein ganz besonderer natürlich, höchstwahrscheinlich der epischste Gag der Filmgeschichte. Der Eindruck der ersten Minuten, es sei den Farrelly-Brüder doch tatsächlich an einer irgendwie gearteten Transformation ihrer Figuren gelegen, wird so mit Genuss und viel gross-out comedy in die Tonne getreten. Alles wieder auf Anfang, der Begriff Sequel ist hier mehr von der Wiederholung und nicht der Nachfolge her zu denken.

Alles beim Alten

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Ist der übertrieben lange Vollbart Lloyds also erst einmal wieder durch die bekannte Topffrisur ersetzt – die übrigens in Kombination mit dem grauen Golf-Jackett heute zumindest im europäischen Großstadt-Kontext mehr den lässigen Vintage-Maniac als den ultimativen Loser aufruft –, kann die Blödelei ihren Lauf nehmen. Die erzählerische Konstellation ist dabei in Dumm und Dümmehr im Prinzip ebenfalls dieselbe geblieben: ein weibliches Love Interest, dem etwas übergeben werden muss, dieses Mal ein echter MacGuffin (wobei am Schluss der unmittelbar in Reichweite liegende Kalauer des „MacMuffin“ überraschenderweise umschifft wird, was aber auch mit der deutschen Synchronisation zu tun haben könnte). Außerdem ein Road-Trip und ein Gegenspieler-Pärchen, das alles sabotieren will. In seinem narrativen Ausgangspunkt nimmt Dumm und Dümmehr hier die verstrichene Zeit, das Alter seiner Protagonisten doch noch einmal kurz ernst: Harry (Jeff Daniels) erfährt durch Zufall, dass er Vater einer nach der Geburt zur Adoption freigegebenen Tochter ist. Lloyd ist sofort Feuer und Flamme für das junge Ding und nutzt Harrys aufkommende Vatergefühle und die Tatsache, dass dieser ohnehin dringend eine neue Niere benötigt, für den Start einer gemeinsamen Suche aus.

Eine Demokratie humoristischer Mittel

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Dumm und Dümmehr ist wie sein Vorgänger eine durchaus nuancierte Feier des Schwachsinns und der Ungeschicktheit. Wo sich viele aktuelle Produktionen im amerikanischen Komödienfach von Fäkalhumor und Unterschichten-Glorifizierung allzu offensichtlich und in aller eintönigen Konsequenz verführen lassen, setzen die Farrellys auf Vielschichtigkeit, auf eine Demokratie humoristischer Mittel, wenn man so will. Die nicht zündenden Gags (das sind je nach Zuschauer natürlich immer andere, in jedem Fall aber immer noch einige) gehören hier ebenso dazu wie die Auffächerung unterschiedlichster komödiantischer Register. Jim Carreys Gesichtsverrenkungen und der pubertäre Schabernack (Running-Gag ist dabei das Schubsen anderer Leute in eine Hecke: „Buschklub!“) des diesmal mit deutlich weniger homoerotischen Untertönen gezeichneten Paares verflechten sich mit gross-out, Slapstick und einer die Handlungsmacht torpedierenden Zufallskomik (die natürlich trotzdem immer auf den Punkt inszeniert ist). Die vermehrt eingesetzten ironischen Passagen – etwa die von Genre-Aneignungen durchdrungenen imaginierten Rückblenden im konjunktivischen Modus oder die augenzwinkernde Verarbeitung des medialen Spießrutenlaufs Barbara Hersheys in den 1970ern – kommen so deutlich ausgestellter, aber irgendwie lieblos daher. Gerade an jenen Stellen, an denen die komödiantischen Brechungen und Gesten ausladender sind, wirkt Dumm und Dümmehr eben doch wie eine Art Outtake-Video des ersten Films. Versöhnlich stimmt dann wieder das erfrischend absurd konstruierte Ende, in dessen Verlauf sich das Wissen um die eigene Beschränktheit erst Bahn bricht und das ganze Gefüge mit gehörigen Kollateralschäden zu zerstören droht – um dann in letzter Konsequenz aber doch nicht bis in die Großhirnrinde der Hauptfiguren durchzudringen. Glücksempfindung und Zufriedenheit durch Nicht-Verstehen, eine schöne Utopie.

Trailer zu „Dumm und Dümmehr“


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