Das Vaterspiel

Ein Nazi, ein Minister, eine Femme Fatale, ein Computerspiel, ein Versteck, Wien, New York, Inzest. Michael Glawoggers Romanverfilmung nimmt sich viel vor – und triumphiert.

Das Vaterspiel

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Mimi, ganz geheimnisvolle und laszive Femme Fatale, ruft von New York aus ihren früheren Kommilitonen Ratz in Wien an. Der ist seit Jahren hauptsächlich damit beschäftigt, ein Computerspiel zu programmieren, in dem nicht nur er, sondern dann auch ein zahlendes Publikum, seinen, ergo den eigenen Vater, vielfach und bestialisch umbringen kann. Vielleicht genau der richtige Mann für den Bau eines Verstecks flüchtiger NS-Helfer!?

Michael Glawogger, mit dem eindringlichen Dokumentarfilm Workingman’s Death (2004) nachhaltig in Erscheinung getreten, entspinnt eine mehrdimensionale genreübergreifende Geschichte, die niemals an ihrer enormen Komplexität scheitert.  

Das Vaterspiel

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Gerade die vermeintlichen Seitenpfade bieten immer wieder in sich geschlossene, perfekt abgestimmte Passagen. Glawogger beherrscht sein mehrstimmiges Arrangement deshalb so virtuos, weil er einen Blick für Details bewahrt, egal an welchem Ort und auf welcher Zeitebene sich seine Geschichte gerade befindet. Sei es Kostüm, Design oder Architektur – alles ist unaufdringlich stimmig und kann zum Teil dennoch in einzelnen Bereichen als dezent satirische Überzeichnung verstanden werden, etwa im Falle der ministerialen Villa.

Wenn Ratz seine Mutter vor einem schmucklosen, kargen und bis auf eine Flasche Klaren leeren Tisch antrifft, ist die gesamte Familiengeschichte in einem Bild fixiert. Aber Glawogger hütet sich, ein Alkoholdrama oder eine sentimentale Verlassenengeschichte zu erzählen. Wenn die Mutter ihr Ziel, einen alkoholfreien Tag die Woche, ausruft, ist die ironische Brechung parat und wenn sie ihrem Sohn verspricht, beim Verkauf des Videospiels sogar auf zwei Tage aufzustocken, ist das titelgebende Hauptmotiv elegant eingewoben. Die zentralen Probleme des Protagonisten und seiner gestörten Familie bleiben immer präsent. Logisch, ja beinahe zwangsläufig wirkt es da, dass sich Ratz eine nicht minder gestörte Ersatzfamilie sucht. Der Ersatzvater ist diesmal Nazi und doch irgendwie angenehmer als das Original.

Das Vaterspiel

zoomiconRegisseur Michael Glawogger

Glawogger weiß dem Ideenreichtum der Vorlage Josef Haslingers mit einer korrespondierenden inszenatorischen Vielfalt zu begegnen. Sein eleganter visueller Stil offenbart sich beispielsweise in der intensivsten Autofahrt seit Helden der Nacht (We own the Night, 2007).
Am Wegesrand wartet die nächste Femme Fatale.

Filmkritik von Sascha Keilholz

Veröffentlicht am 03.03.2009

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DVD von Das Vaterspiel

 
 

Film-Angaben

Titel: Das Vaterspiel

Englischer Titel: Kill Daddy Good Night

Deutschland, Österreich, Frankreich 2009

Laufzeit: 117 Minuten

 

Regie: Michael Glawogger

Drehbuch: Michael Glawogger

Basierend auf dem Roman Das Vaterspiel (2000) von: Josef Haslinger

Produktion: Christine Ruppert

Bildgestaltung: Attila Boa

Montage: Vessela Martschewski

Musik: Olga Neuwirth

Darsteller: Helmut Köpping, Sabine Timoteo, Ulrich Tukur, Christian Tramitz, Itzhak Finzi, Samuel Finzi, Franziska Weisz

 

Kinostart: 26.11.2009

 

DVD-Angaben

Titel: Das Vaterspiel

Vertrieb: Al!ve AG

Bild: 1,85:1, 16:9

Sprache(n): Deutsch (DD 5.1, DD 2.0/Stereo)

Untertitel: Deutsch

Altersfreigabe: ab 16 Jahren

Spieldauer: 113 Minuten

 

Extras: deutscher und österreichischer Trailer; Deleted Scenes; Audiokommentar von Regisseur Michael Glawogger; Teamfilm

 

Verleih ab: k.A.

Verkauf ab: 23.04.2010

 

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Links

Das Vaterspiel Pressespiegel film-zeit.de

Das Vaterspiel auf moviepilot

IMDB-Eintrag zu Das Vaterspiel

 

Copyright Das Vaterspiel

Fotos: © Alamode

 

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