Chuck und Larry – Wie Feuer und Flamme

Wenn zwei heterosexuelle Männer als homosexuelles Paar heiraten, dann ließe das reichlich Platz für schwulenfeindliche Fehltritte. Dennis Dugans Komödie trifft allerdings fast immer die richtigen Töne – nur die Homosexuellen bleiben letztlich außen vor.

Chuck und Larry

Chuck (Adam Sandler) und Larry (Kevin James) sind Kollegen als Feuerwehrmänner in New York und beste Freunde. Larry ist seit einem Jahr Witwer, hat aber vergessen, die von ihm erarbeiteten Pensionsansprüche seiner Frau auf ihre zwei Kinder zu übertragen. Um diese zu sichern, sollte er schnellstmöglich eine neue Ehe eingehen. Nachdem er bei einem brenzligen Einsatz Chuck nur knapp dem Tod entrissen hat und dieser ihm verspricht, immer für ihn da zu sein, fasst Larry einen Plan: Da eine homosexuelle Partnerschaft die Versorgung seiner Kinder genauso sichern würde, überredet er seinen Freund, mit ihm eine „domestic partnership“ einzugehen.

Es ist ein hanebüchener Plan, gewiss, der nur dadurch noch absurder wird, dass Chuck ein eingefleischter, gut aussehender Hetero ist, der nicht nur halbnackt für einen Kalender posiert hat, sondern auch jede Frau bekommt, die er will. Dass diese Handlungsprämisse trotzdem durchgeht, liegt an der leicht vertrottelten, aber äußerst sympathischen Figur von Larry, der zwar in seinem Job schnell und mutig handelt, aber weder von der Trauer um seine verstorbene Frau ablassen kann, noch als Hausmann besonders reüssiert – seine Variante von Pasta Bolognese ist ein unter viel Tomatensoße ertränkter Berg Spaghetti, auf den zuletzt noch ein paar Buletten fallen gelassen werden. Hier müht sich jemand vergeblich, aber nach Kräften.

Genauso kräftig, aber deutlich erfolgreicher, bemüht sich das Drehbuch, all die Klippen zu umschiffen, zwischen die sich der Film mit der Wahl seines Themas begibt.

Chuck und Larry

Eine Komödie um zwei heterosexuelle Männer, die sich als homosexuell ausgeben, lebt natürlich zuallererst von der Dynamik, die sich zwischen den zwei Freunden entwickelt. Denn heikel wird es, als ein schmieriger Fahnder (Steve Buscemi) auftaucht, der den Betrug hinter dieser Partnerschaft wittert. Die beiden nehmen sich eine Anwältin, in die sich Chuck sofort und, wie’s scheint, zum ersten Mal auch ernsthaft, verliebt. Man kann das nachvollziehen: Sie wird von Jessica Biel gespielt, die in einer Szene ein stoffarmes Katzenkostüm und in einer anderen nur Unterwäsche trägt. Für diese Männerphantasie aus Fleisch und Blut möchte Chuck natürlich schnellstmöglich raus aus seiner erlogenen Homo-Ehe.

Sandler, der in letzter Zeit in seinen ernsthafteren Filmen (etwa Punch-Drunk Love, 2002, oder Die Liebe in mir, Reign Over Me, 2007) eine bessere Figur abgab als in Komödien (zuletzt Klick, Click, 2006), nimmt man die Verwandlung vom Casanova zum treuherzig Verliebten leider nur bedingt ab. Aber interessanter und überzeugender ist sowieso, wie sehr Chuck und Larry davon lebt, dass die beiden Feuerwehrmänner plötzlich auch öffentlich als homosexuell identifiziert werden – sie müssen jetzt, um nicht aufzufliegen, allzeit das glückliche Paar mimen.

Chuck und Larry

Das ist nicht nur deshalb amüsant, weil die beiden Protagonisten Homosexualität alles andere als entspannt gegenüber stehen – Larry etwa macht sich um die Zukunft seines Sohnes Sorgen, der lieber tanzen will, als „richtigen“ Sport zu treiben. Chuck und Larry karikiert die vermeintlich entspannte Haltung der Gesellschaft zu Homosexualität auch darin, dass sich die beiden Protagonisten als etwas bekennen müssen, was sie gar nicht sind oder sein wollen. Denn die gesellschaftliche Norm verlangt zugleich unterschwellig Offenlegung und setzt insgeheim zweisame Heterosexualität als Norm voraus, heuchelt ihre Toleranz gegenüber allen anderen Lebensformen jedoch nur.

Natürlich sind vor allem die lieben Kollegen mehr als irritiert über die sexuelle Orientierung von Larry und Chuck. Dabei gelingt dem Film das Kunststück, den Zuschauer unwillentlich in eine ähnliche Position zu versetzen. In der allerersten Szene des Films sieht man etwa die Feuerwehrleute beim Sport, da wird körperbetont Basketball gespielt, und wer das Thema des Films da schon kennt, nimmt auf einmal wahr: Dieses Spiel der Körper ist auch ganz anders lesbar, als es eine heterosexuelle Männlichkeitsvorstellung normalerweise wahr haben will.

Chuck und Larry

So ahmt der Film in Dennis Dugans Inszenierung immer wieder diesen mindestens leicht homophoben Mehrheitsblick auf seine Protagonisten nach und führt ihn dabei ad absurdum – dieser Technik verdankt er einige seiner komischsten und zugleich gelungensten Momente.

Chuck und Larry – Wie Feuer und Flamme ist vor allem eine gelungene Komödie, die ihrem Thema und ihren zwei Hauptfiguren treu bleibt. Auch die heterosexuelle Zuneigung zwischen Chuck und seiner Anwältin wird nicht in den Vordergrund gerückt. Allerdings überwindet der Film bis zum Schluss seine durch den Blickwinkel der Protagonisten vorgegebene Außenperspektive auf Homosexuelle nicht: Sie bleiben hier letztlich Staffage, und Lesben kommen kaum vor. Dafür hopsen öfter Schwule durchs Bild, die sich in schrille Klamotten werfen oder zumindest unter der Dusche mit hoher Stimme Popsongs intonieren.

Damit untergräbt Chuck und Larry ein wenig seine eigene Agenda; da er sich dabei aber gewissermaßen fortwährend über seine eigenen Beschränkungen lustig macht, mag man dem Film das verzeihen.

Trailer zu „Chuck und Larry – Wie Feuer und Flamme“


Trailer ansehen (1)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.