Awaydays

Hooligan-Filme liegen im Trend, und auch, wenn mit 66/67 – Fairplay war gestern der beste aus Deutschland kommt, hat das Mutterland der Hooligans nach wie vor einiges in dem Bereich zu bieten.

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Hassverzerrte Gesichter in Zeitlupe. Eine nicht unproblematische Ästhetik der Gewalt, und dennoch funktioniert sie im Sinne von: den Rausch fühlen. Tatsächlich konzentriert sich Awaydays auf seine Gesichter, und im Gegensatz zu anderen Beispielen des Subgenres sind hier mit Ausnahme von Stephen Graham einnehmend schöne Gesichter zu sehen. Der naheliegende Diskurs: Homoerotik.

Man läuft Gefahr, Awaydays nicht gerecht zu werden, wenn man ihn als Themenfilm bespricht. Regisseur Pat Holden bewegt sich – und da ist er den deutschen Kollegen Glaser und Ludwig sehr nahe – zunehmend weg vom vermeintlichen Fußballsujet. Hier rollt der Ball nie, aber auch die Szene wird nicht seziert, wie in This is England (2006). Zwar spielt Zeitkolorit eine Rolle, aber nicht in Form einer so deutlichen historisch-politisch-gesellschaftlichen Analyse wie bei Shane Meadows.

Awaydays, basierend auf Kevin Sampsons Roman aus dem Jahr 1998, ist die sehr persönliche Geschichte einer Freundschaft, die nie über eine einseitige Liebesbeziehung hinausging. Holden lässt seine beiden Protagonisten nie aus dem Blick, was einem durch die perfekt besetzten übrigen Rollen fast entgehen kann. Er verfolgt sie in ihrem Aufeinander-zu-  und Voneinader-weg-Driften. Zwischendurch Musik, Gewalt und so etwas wie Selbstfindungsprozesse. All dies ist schlicht betörend. Der eigenwillige Rhythmus mitsamt seinen Ab- und Ausschweifungen zieht den Zuschauer, der sich treiben lassen kann, in seinen Bann.

Neben diversen Interviews bietet die DVD eine Featurette der besonderen Art: In The Birth of the Casuals wird dem im Liverpool der späten 1970er entstehenden Sportschuhkult nachgespürt.

Awaydays (Großbritannien 2009)
Kinowelt
DVD-Verkauf ab: 20.05.2010

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