Marie Antoinette
Der zweite Spielfilm ist für einen Regisseur immer der schwerste, weil er den Erwartungen von Kritik und Publikum nach einem großen Erstlingserfolg nie gerecht werden kann.

Bei Sofia Coppola war es der dritte Spielfilm, der nach The Virgin Suicides (1999) und Lost in Translation (2003) von der Kritik zerrissen wurde: Der Öffentlichkeit goutierte ganz offensichtlich den Kunstgriff nicht, den Coppola in Marie Antoinette (2006) anwendet. Indem sie an prunkvollen Originalschauplätzen und in aufwändigen Kostümen das Leben der schillerndsten französischen Königin im Frankreich des 18. Jahrhunderts erzählt, entzieht sich Coppola jedoch völlig den Konventionen des Historienfilms und bietet eine überraschende Punk-Interpretation, die die Repräsentationskultur der französischen Klassik mit der heutigen medialen Öffentlichkeit verquickt. Coppolas Marie Antoinette (Kirsten Dunst) wirkt wie eine Paris Hilton des 18. Jahrhunderts, die unter den Augen der höfischen Öffentlichkeit ein vollkommen sinnentleertes und zunehmend überdrehtes Dasein führt und ihre blasierte Langeweile mit hemmungslosem Konsum zu töten versucht. Der Zuschauer darf sich über einen wunderbaren New-Wave-Soundtrack freuen und den ganzen Kitsch eines Prinzessinnenfilms genießen, den er ohne jegliche Sissi-Sentimentalität serviert bekommt. ()
Seite druckenFotos: © Sony Pictures
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