Nouvelle Vague

Der Wandel des Filmwesens von der klassischen Ära zur Kinomoderne

Außer Atem

Vor genau 50 Jahren ließ Jean-Luc Godard für seinen ersten Langfilm Außer Atem Jean Seberg und Jean-Paul Belmondo über die Champs-Elysées spazieren und filmte sie dabei von einem Briefträgerwagen aus. Wenige Monate zuvor hatten Claude Chabrols Filme Die Enttäuschten und Die Cousins Furore gemacht und François Truffaut mit Sie küssten und sie schlugen ihn den Regiepreis in Cannes gewonnen. 1959 war das große Jahr der französischen Nouvelle Vague. Almut Steinlein wirft für critic.de einen Blick zurück auf die einflussreiche Bewegung und ihre Verdienste für die Kinomoderne, die sich im Konzept des Filmautors kristallisieren. Zudem wird sie in den kommenden Wochen wichtige und weniger bekannte Filme der Nouvelle Vague vorstellen.

Einführung: Ein halbes Jahrhundert Kino - zum 50. Geburtstag der Nouvelle Vague
Mit der bedeutendsten Revolution der Kinogeschichte vollzog sich ein grundlegender Wandel des Filmwesens von der klassischen Ära zur Kinomoderne.

Jacques Rivette: Wir sind nicht mehr unschuldig
Der erste Text Jacques Rivettes fordert die permanente Improvisation und künstlerisches Abenteurertum.

Unser Special beginnen wir mit den Texten zu einem der bekanntesten Vertreter der Nouvelle Vague, Außer Atem, und einem der charakteristischsten, Adieu Philippine.

[Update 18.11.2009] Neu online sind Kritiken zu zwei Filmen der Cahiers-Gruppe: Die Enttäuschten von Chabrol (der erste Film, der unter dem Label "Nouvelle Vague" in die französischen Kinos kam) und ein ungewöhnlicher Rohmer: Im Zeichen des Löwen.

[Update 26.11.2009] Wir stellen zwei sehr gegensätzliche Filme der ehemaligen Ehepartner Agnès Varda und Jacques Demy vor: Cléo - Mittwoch zwischen 5 und 7 von Varda als Beispiel für den Übergang vom Bewegungs-Bild zum Zeit-Bild und Die blonde Sünderin, ein Zockerfilm, nüchtern erzählt in Schwarzweiß-Bildern, mit fast existentialistischer Noir-Atmosphäre. Von letzterem verlosen wir zwei DVDs; Agnès Varda trafen wir zum Interview.

[Update 2.12.2009] In dieser Woche stehen zwei Debütfilme der Cahiers-Gruppe im Zentrum: der bahnbrechende Sie küssten und sie schlugen ihn von Francois Truffaut und der mysteriöse Paris gehört uns vom großen Geheimnisvollen der Nouvelle Vague: Jaques Rivette.

[Update 10.12.2009] Zwei Mal Jean Rouch: Von der Euphorie des Dokumentarfilmers und Ethnologen gegenüber seinem Medium zeugen Ich, ein Neger und Chronik eines Sommers. Ersterer bot Godard die Inspiration für den Off-Kommentar von Außer Atem.

[Update 16.12.2009] Manifeste zweiten Grades: die zweiten Langspielfilme von Claude Chabrol, Schrei, wenn du kannst, und Eric Rohmer, Die Sammlerin.

[Update 23.12.2009] Zwei Randentdeckungen: Ein dezidierter Frauenblick in Paula Delsols Treibgut und die sarkastisch-humorvolle Bestandsaufnahme der Ehe als Lüge und Kompromiss in Ehe französisch von Jean-Pierre Mocky.

[Update 29.12.2009] Die große Herausforderung vieler Regiekarrieren: der zweite Film. Wir stellen diese Woche zweite Filme der Cahiers-Gruppe vor: François Truffauts überraschender Genremix Schießen Sie auf den Pianisten und Jean-Luc Godards ehrgeiziges Werk in vermintem Terrain Der kleine Soldat.

[Update 6.1.2010] Die Nouvelle Vague und ihre inneren Gegensätze: Alain Resnais wortgetreue Adaption Hiroshima mon amour, die das Undarstellbare darzustellen versucht, und die Dekonstruktion des Realismus durch den Schriftsteller Alain Robbe-Grillet in seinem dritten Spielfilm L’homme qui ment.

[Update 12.1.2010] Alain Resnais Letztes Jahr in Marienbad erhielt 1961 den Goldenen Löwen in Venedig und avancierte schnell zum Kultfilm der intellektuellen Szene Frankreichs.

[Update 21.1.2010] Zum Abschluss unseres Nouvelle-Vague-Specials beleuchten wir drei Filme an den Rändern der Nouvelle Vague: Louis Malles Fahrstuhl zum Schafott, der Hitchcock und Bresson zitiert, Jean Eustaches Die Mama und die Hure, Provokation und Herausforderung zugleich, und schließlich Les amants réguliers von Philippe Garrel, der noch in 2005 als Erbe der Nouvelle Vague begriffen werden kann.

 

Filme:
Bereits veröffentlichte Kritiken sind verlinkt

Im Auge des Zyklon: die Cahiers-Gruppe

Claude Chabrol, Die Enttäuschten (Le beau Serge, 1958)
Claude Chabrol, Schrei, wenn du kannst (Les cousins, 1959)
Jean-Luc Godard, Außer Atem (À bout de souffle, 1959)
Jean-Luc Godard, Der kleine Soldat (Le petit soldat, 1963)
Jacques Rivette, Paris gehört uns (Paris nous appartient, 1960)
François Truffaut, Sie küssten und sie schlugen ihn (Les quatre cents coups, 1959)
François Truffaut, Schießen Sie auf den Pianisten (Tirez sur le pianiste, 1960)
Eric Rohmer, Im Zeichen des Löwen (Le signe du lion, 1959)
Eric Rohmer, Die Sammlerin (La collectionneuse, 1967)

Rive gauche und Nouveau Roman

Alain Resnais, Hiroshima mon amour (1959)
Alain Resnais, Letztes Jahr in Marienbad (L’année dernière à Marienbad, 1961)
Alain Robbe-Grillet, L’homme qui ment (1968)

Die Varda-Konstellation

Jacques Demy, Die blonde Sünderin (La baie des anges, 1963)
Agnès Varda, Cléo - Mittwoch zwischen 5 und 7 (Cléo de cinq à sept, 1962)

Die Randentdeckungen

Paula Delsol, Treibgut (La dérive, 1964)
Jean-Pierre Mocky, Ehe französisch (Un couple, 1960)
Louis Malle, Fahrstuhl zum Schafott (L’ascenseur pour l’échafaud, 1958)

Cinéma vérité und Dokumentarfilm

Jean Rouch, Ich, ein Neger (Moi un noir, 1958)
Jean Rouch und Edgar Morin, Chronik eines Sommers (Chronique d’un été, 1961)
Jacques Rozier, Adieu Philippine (1962)

Die Nouvelle Vague-Erben

Jean Eustache, Die Mama und die Hure (La maman et la putain, 1973)
Philippe Garrel, Les amants réguliers (2005)

 

Kommentare zu „Nouvelle Vague“


hitch

„Ältere“ (Filme der 70’er – die Schneider, Piccoli, Noiret u.v.a.) und „alte“ (Nouvelle Vague) französische Filme haben den Charme, die Poesie, die Melancholie und die leichte Fröhlichkeit, die fast allen anderen Filmen dieser Jahre abgeht. Sie versumpfen nicht in Schwulst und Bombast. Sie zeigen das sie Franzosen sind.
Mit einigen dieser Filmen ist es leider wie mit vielen sehr guten anderen Filmen in Deutschland - Inhaltsangaben machen nicht satt.






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