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Du bist nicht allein

Du bist nicht allein

12.06.2007

Mit hervorragenden Schauspielern und leisen Zwischentönen erzählt Bernd Böhlichs sommerliche Tragikomödie von kleinen Gesten, größeren Sehnsüchten und einer stürmischen Midlife-Liebe in Zeiten der Arbeitslosigkeit. >> weiter...




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Claus Guenther

Sonntag, 29-07-07 15:12

Du bist nicht allein
„Im Westen angekommen“ und sympathisch ist er schon, der Kinofilm von Bernd Böhlich, in der die kammerspielartig angeordneten Unterschicht-Protagonisten aus der Platte im tiefsten Ostberlin zuallererst auf Artikel 1 des Grundgesetzes beharren: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ So sorgt sich die vergessene Schauspielerin Sylvia Wellinek (Karoline Eichhorn) als synchronsprechende Tagelöhnerin nach der Aufnahme eines Werbeclips für Telefonsex darum, dass jemand an der von ihr gesprochenen Telefonnummer ihre Stimme erkennen könne, und die nach Langzeitarbeitslosigkeit als Wachfrau angestellte Frau Moll (Katharina Thalbach) sieht ihre Würde gefährdet als sie erfährt, dass sie nur eine leere aufblasbare Halle beaufsichtigt.
Die Plattenbausiedlungen Ostberlins und der DDR, einst stolz präsentiertes Kernstück von Honeckers Sozial- und Wohnungsbauprogramm, gerieten schnell nach der Wende zum Sündenfall verfehlter Stadtentwicklung und bieten nunmehr die authentische Kulisse für ostdeutsche Unterschicht-Dramen wie „Goodbye Lenin“, „Halbe Treppe“ oder eben „Du bist nicht allein“. Dabei wird in letzterem Film sensibel eingeflochten, wie naht- und gesichtslos die überlegene städteplanerische Politik des vereinten Großberlins mit ihren Billigpassagen und Ramschmärkten die DDR-Verfehlungen fortführt.
„Du bist nicht allein“ ist Titel und Motiv, das für jeden Protagonisten abgewandelt wird bis hin zum immer etwas verloren wirkenden minderjährigen Sohn der Molls. Und auch wenn vielleicht Tausende in ähnlicher Situation ähnlichen Sehnsüchten und Träumen nachhängen, summen Unerfülltheit und Unerfüllbarkeit mit der Säuselstimme Roy Blacks eher das Gegenteil: „Du bist ganz allein.“ Dies gilt besonders für die tatfernen Männer, den alkoholgefährdeten ehemaligen Physiker Dr. Kurt Wellinek (Herbert Knaup) und den arbeitslosen Maler Hans Moll (Axel Prahl). Während die Couchpotatoe Moll sonst gerade den Weg auf den Balkon schafft, um dort die Wände mit naiver Kindergartenmalerei zu verschönen, leistet er sich nach dem Einzug der russischen Nachbarin Jewgenia (Katerina Medvedeva) plötzlich eine brennende Verliebtheit, die – da nicht recht erwidert - nun ganz jenseits des Grundgesetzes seine Würde auf die Probe stellt.
Woraus sich der Luxus dieser Liebeshoffnung in der allfälligen Tristesse nährt, wird das Geheimnis des Regisseurs und Autors bleiben, aber immerhin widerfährt Herrn Moll nicht das schlimme Schicksal des eigentlich doch ganz anders situierten, aber dennoch wieder ähnlich sehnsuchtsvollen Professors Reich (Edgar Selge) in Eoin Moores mehr westberlinisch geprägter Milieustudie „Im Schwitzkasten“: Der Professor fand, nachdem er bei der Physiotherapeutin Nadine Molinski (Christiane Paul) sanft, aber vergeblich um Liebe oder Liebesdienste angesucht hatte, in einem Saunaraum sein Ende, von wo aus er aus versicherungstechnischen Überlegungen in sein Auto bugsiert wurde und wo ihm – oh Ironie – posthum eine tödlich heiße Affäre mit einer jungen Frau angedichtet wurde.

Claus

 
 

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