Zimmer 1408
Braucht das Kino einen weiteren Film über ein Hotelzimmer, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht? Mikael Håfströms Verfilmung einer Kurzgeschichte von Stephen King ist sicherlich kein innovativer, aber dennoch ein erstaunlich effektiver Gruselthriller der alten Schule.
Immer wieder entschließt sich im Horrorgenre ein Protagonist zu einer Handlung, die oftmals haarsträubend und unsinnig ist, und die grundsätzlich wenig später von ihm bereut wird. Was der Zuschauer natürlich schon im Moment der Fehlentscheidung voraussieht. So auch hier. Mike Enslin (John Cusack) erhält eine Postkarte mit dem Bild des Dolphin Hotels in New York, auf der nur ein Satz steht: „Betreten Sie nicht Zimmer 1408“. Und selbstverständlich macht er genau das, was er besser nicht machen sollte - in diesem Fall allerdings zum Nerven kitzelnden Vergnügen des Zuschauers.
Mike Enslin ist ein klassischer Stephen-King-Protagonist: ein Schriftsteller mit zerrüttetem Familienleben, der zuviel trinkt. Enslin schreibt erfolgreiche, aber belanglose Spuk-Reiseführer. Nachdem seine Tochter an Leukämie gestorben ist, und er seine Frau verlassen hat, erforscht er umso mehr das Leben nach dem Tod und übernachtet in Selbstversuchen auf Friedhöfen und in Hotels, wo angeblich Geister ihr Unwesen treiben sollen. Der Zyniker glaubt selbst nicht an paranormale Phänomene, und bis jetzt konnte ihn auch noch keines der untersuchten Objekte vom Gegenteil überzeugen.
Bis jetzt. Denn Zimmer 1408 ist ein „evil fucking room“, wie es der Manager des Dolphin Hotels, Olin (Samuel L. Jackson), ausdrückt. Olin versucht Enslin vom Einchecken abzuhalten: Vor ihm sind aus dem harmlos wirkenden Raum bereits 56 Gäste frühzeitig und endgültig ausgecheckt. Alle unter mysteriösen Umständen, keiner hat länger als eine Stunde überlebt. Einige begannen Selbstmord, andere erlitten Herzinfarkte, ein Mann ist sogar in einer Hühnersuppe ertrunken. Enslin meint dagegen zu wissen, dass in 1408 „das einzig Gruselige die Preise der Minibar“ sind. Bis der Radiowecker plötzlich zu einem sechzigminütigen Countdown ansetzt und den Carpenter-Song „We’ve only just begun“ erklingen lässt.
Und das ist keine leere Drohung. Zimmer 1408 (1408) hält, was sein Soundtrack verspricht. Regisseur Mikael Håfström begeht mit einem gekonnt langsamen Spannungsaufbau nicht wie viele andere Horrorfilme den Fehler, die Aufmerksamkeit des Zuschauers mittels früher drastischer Schockeffekte zu wecken, die im Verlauf der Handlung dann aber irgendwann nicht mehr zu toppen sind und somit über kurz oder lang zu Monotonie und Langeweile führen. Seine Inszenierung baut zunächst nur anhand der Dialoge ein Mysterium um das vermeintlich verfluchte Zimmer auf, lässt dem Zuschauer Raum für persönliche Projektionen und setzt auch später in erster Linie auf psychologischen, weniger auf physischen Horror im Stil eines Saw (2004) oder Hostel (2006).
Der gebürtige Schwede Håfström scheint ein Faible für Stoffe zu haben, in denen Männer existentielle Bewährungsproben bestehen müssen und dabei an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen. In seinem Oscar-nominierten Evil (Ondskan, 2003), in dem sich auch Versatzstücke eines Thrillers finden, behauptet sich ein Heranwachsender gegen die körperlichen und seelischen Gewaltakte von Vater und Mitschüler. In Håfströms erstem englischsprachigen, eher schwachen Thriller Entgleist (Derailed, 2005) setzt sich ein fremdgegangener Familienvater gegen skrupellose Erpresser zur Wehr. Und in Zimmer 1408 trägt Mike Enslin nun Gefechte gegen seine inneren Dämonen aus, die in einer räumlich begrenzten Umgebung und klaustrophischen Atmosphäre an die Oberfläche drängen und zunehmend aggressiver auftreten.
Diese Grundkonstellation von Håfströms neuestem Werk erinnert in groben Zügen an Stanley Kubricks Stephen-King-Adaption Shining (The Shining, 1980), in der anstelle eines einzelnen Zimmers ein ganzes Hotel ebenfalls ein rätselhaftes Eigenleben zu führen scheint und Psycho-Streiche mit einem Ehemann und Vater treibt. Während jedoch bei Jack Nicholsons überdeutlicher Darstellung des Jack Torrance der aufkeimende Wahnsinn seiner Figur bereits in den ersten Szenen durchscheint, lässt dagegen John Cusacks subtileres und vielschichtigeres Spiel des Mike Enslin bis zum Finale verschiedene Interpretationen seines Charakters zu. Cusack kann sowohl mit Enslins wachsender Verzweiflung als auch mit seiner auflockernden Selbstironie überzeugen und trägt den Film über weite Strecken allein auf seinen Schultern.
Zimmer 1408, das bedeutet überwiegend ein Mann in einem Raum. Dennoch ist Håfströms Inszenierung nicht eintönig oder statisch, da es der Regisseur versteht, die Gegebenheiten des Settings auszuschöpfen: von der Minibar, in der Enslin ein Miniatur-Manager Olin als Vision erscheint, bis hin zu den Bildern an den Wänden, die sich in Bewegung setzen und ihre Rahmen sprengen. Zimmer 1408 ist eine altmodische und amüsante Geisterbahnfahrt für Fans des verhaltenen Grusels, die es lieber unheimlich statt unappetitlich mögen, und gibt an keiner Stelle vor, mehr als dies sein zu wollen. Mikael Håfströms Film erspart dem Zuschauer tiefschürfende oder fadenscheinige Erklärungen für das Unerklärliche und beantwortet auch nicht jede Frage, die er in den Raum stellt. Stattdessen setzt er die Fantasie seines Publikums in Gang und nutzt geschickt die individuellen Horrorvorstellungen jedes Einzelnen.
Kritik von Birte Lüdeking
Fotos: © Senator
Veröffentlicht am 12.09.2007
Film-Angaben:
Titel: Zimmer 1408 (1408)
USA 2007
Laufzeit: 94 Minuten
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Regie: Mikael Håfström
Drehbuch: Matt Greenberg, Scott Alexander, Larry Karazewksi
Produktion: Lorenzo Di Bonaventura
Darsteller: John Cusack, Samuel L. Jackson, Mary McCormack, Jasmine Jessica Anthony, Tony Shalhoub
Kamera: Benoît Delhomme
Musik: Gabriel Yared
Schnitt: Peter Boyle
Kinostart: 13.09.2007
DVD-Angaben:
Titel: Zimmer 1408
Vertrieb: Universum Film
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Englisch (DD 5.1), Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1)
Untertitel: Deutsch
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Spieldauer: 100 Minuten
Extras: Kinotrailer
Zeitgleich mit der Kauf-DVD erscheint im Verkauf eine Deluxe Edition mit der Kinofassung sowie dem Director's Cut mit alternativem Ende. Darauf enthalten sind folgende Extras: Kinotrailer; Audiokommentar des Regisseurs und des Drehbuch-Autors; entfallene Szenen mit Audiokommentar; Featurette: Die Geheimnisse von Zimmer 1408; Interview mit John Cusack; Featurette: Im Zimmer 1408
Angabe über Kauf-DVD: Die Kauf-DVD erscheint im Steelbook.
Verleih ab: 23.01.2008
Verkauf ab: 25.02.2008
Kommentare
Konne aus Bad Waldsee
Donnerstag, 09-10-08 09:06
Erdem
Dienstag, 19-02-08 16:15
Wir haben den Film uns gestern geliehen und angeschaut. Vorher hatte ich mir eure kritiken hier durchegelsen und dachte das es schon ein guter film ist. Als wir ihn uns angeschaut haben, habe ich mir gedacht wer hat diese doffe storry erfunden! Ich fands überhaupt nicht schön und auch total sinnlos. Naja 1408 bekommt von mir 3 punkte von 10
Jessy
Montag, 18-02-08 11:32
Habe den Film letzten Samstag gesehen fand es mal klasse endlich wieder einen Gruselfilm zu sehen der ohne zerstückeln und quälen lebender Körper handelt! Sowas kann man sich doch echt nicht mehr antun, Horrorfilme haben glaub ich die Grenze erreicht die perferse Darstellung wie Menschen gequält werden ist das letzte! Und sollte noch nicht mal ab 18 freigegeben werden, kein wunder das wir hier mehr ...
Sina
Dienstag, 12-02-08 20:21
Dieser Film hat nicht das recht sich Horrorfilm zu nennen. Die Handlung ist ja in Ordnung, aber es ist keinerlei Spannung vorhanden. Außerdem sind keine4 Szenen vorhanden in denen man sich erschreckt oder wo man denken könnte, dass gleich etwas passieren wird. Die "Geister" sind in keiner Weise erschreckend oder sehen furchtbar aus. Die Effekte sind sehr langweilig gemacht. Nach der 3/4 std. hofft mehr ...
Roland
Sonntag, 06-01-08 21:59
Ich gebe dem Film 12 totenköpfe ;-)
Carlo
Mittwoch, 07-11-07 04:30
Geschmackvoller Horrorfilm mit Physischen einblicken auf wahre Gefühle, sehr empfehlenswert. Gruselfaktor lässt etwas zu wünschen, dennoch sehr geschmackvoller film, mit einem herauragendem john Cusack als verschollene Seele. Angucken !
Piet
Sonntag, 21-10-07 13:33
Wer immer schon einmal mit Freddy Krueger ein Mitternachtskränzchen halten wollte, mit Puppe Chucky verstecken spielen würde und Horrorthriller wie Saw und Hostel als Schlaftablettenersatz nutzt, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen. Der Protagonist Mike Enslin vertieft sich nach dem Verlust seiner Tochter in die Autorenarbeit. Er besucht und beschreibt schaurige Orte, dementiert aber mehr ...
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Also ich habe den Film gestern gesehen und finde den Filn nicht gut. Echte Langeweile kam auf und meine Freundin ist dabei eingeschlafen. Von 10 Punkten gebe ich lediglich 2. Schade um die aufgewendete Zeit. Next Door ist auch so schlecht.