The New World
Und immer wieder Transzendentalität. Aber diesmal hat es Altmeister Terrence Malick übertrieben. Endgültig.

In den Filmen Terrence Malicks taucht immer wieder die Figur des Rebellen auf. In Badlands (1973) ist es der von Martin Sheen verkörperte Outlaw Kit Carruthers, in In der Glut des Südens (Days of Heaven, 1978) spielt Richard Gere den Landarbeiter Bill. Bereits in Der schmale Grat (The Thin Red Line, 1998) dividierte der Regisseur diesen Charakter in zwei Figuren: Jim Caviezel impersonierte mit Anleihen an die christliche Mythologie einen Märtyrer und Sean Penn, Hollywoods Vorzeigerebell, gab seinen Widerpart und doch einzigen Verbündeten, der die Regeln des Krieges befolgt, sich bei allem Zynismus im Angesicht des Grauens jedoch die Humanität erhält.
Auch bei The New World gibt es zwei männliche Protagonisten. John Smith (Colin Farrell) sitzt ebenso als Soldat gefangen im Bug eines Schiffes wie Penns Edward Welsh in The Thin Red Line. Auch er findet als einziger seiner Kompanie einen Zugang zu den Ureinwohnern. Smith landet 1607 unter dem Regiment des Kapitäns Christopher Newport (Christopher Plummer) im späteren Virginia. Er ist, gerade wegen seiner Führungsqualitäten, ein gefürchteter Meuterer im Stile eines Fletcher Christian. Und auch ihm hat es eine Eingeborene angetan.

Der Einfall dieser mehr oder minder zivilisierten Briten in die Naturwelt ähnelt in der Inszenierung zum Teil einstellungsgenau dem ersten Drittel von The Thin Red Line. Wenn John Savage wieder in einem Cameo-Auftritt als Wahnsinniger wenige Zeilen aufsagt, wirkt diese Selbstreferenzialität schon beinahe komisch.
Die Naturmotive und Kamerabewegungen sind bekannt. Schon in seinem Kriegsfilm operierte Malick mit verschiedenen Voice-Overn. Dort war es ein kunstvoll gewebter Sprachteppich, der die Innenwelten vieler Charaktere, zum Teil ohne Zuordnungsmöglichkeiten, ans phosphorisierende Licht brachte. In The New World ist das Konstrukt einfach, nur die drei Protagonisten kommen zu Wort, neben Smith auch der Ehrenmann Rolfe (Christian Bale) und eine an Pocahontas angelehnte Indianerprinzessin (Q’Orianka Kilcher), in die sich beide verlieben. Die in The Thin Red Line noch simplen, religiös und mythisch gefärbten philosophischen Aussprüche kippen hier ins Banale und entwickeln eine Penetranz, die leider mit der Zeit auch von den großartig gefilmten Bildern ausgeht. Zu einfach sind die Oppositionen, die Malick immer wieder aufmacht, etwa zwischen lebendig-glücklichem Zusammenleben in Freiheit und Einklang mit der Natur beim Indianerstamm und dem kanibalistischen Gegeneinander im schlampig errichteten schlammigen Fort der Siedler.

Wie in Malicks letztem Film beendet auch hier der brutale Einbruch der modernen Welt das unschuldige Leben des Urvolks, das genauso seine Unschuld verliert, wie die Natur. Die Naturaufnahmen schwärmen von Schönheit, genauso die Aufnahmen des Indianermädchens, das somit als Naturwesen erscheint. Die Gesichter der Engländer kommen dagegen größtenteils als Fratzen daher.
Solange der Regisseur sich an seinen Rebellen Smith hält, gelingt ihm trotz der klischeehaften Figurenzeichnung und dem aufdringlichen Transzendentalismus noch die Vermittlung einer Narration. Als dieser Getriebene seine Indianerliebe jedoch zurücklässt und der Regisseur die Verlassene, Liebeskranke als neue Erzählperspektive entdeckt, kippt das Projekt endgültig.
Das Mädchen vegetiert zunächst vor sich hin, passt sich jedoch dem neuen Leben an und erblüht im Angesicht neuer Zuneigung. Sie heiratet den Verehrer John Rolfe und reist mit ihm nach England, wo sie schließlich nach Jahren der Trennung ihrer großen Liebe wieder gegenübersteht.
Dieses England ist mit einer historischen Besessenheit und einem Stilisierungswillen in Szene gesetzt, der an Stanley Kubrick erinnert. Die finale Sequenz im englischen Lustgarten wirkt wie eine grandios komponierte, allerdings leider völlig deplazierte Kreuzung von The Shining (1980) und Barry Lyndon (1975). Aber auch diese Bilder verankern sich nicht im Gedächtnis, bleiben sie doch überkleistert von einem tönenden musikalischen und philosophischen Tiefflug.
Kritik von Sascha Keilholz
Fotos: Warner Bros.
Veröffentlicht am 19.02.2006
Film-Angaben:
Titel: The New World (The New World)
USA 2005
Laufzeit: 135 Minuten
Regie: Terrence Malick
Drehbuch: Terrence Malick
Produktion: Sarah Green
Darsteller: Colin Farrell, Q’Orianka Kilcher, Christian Bale, Christopher Plummer, David Thewlis, John Savage
Kinostart: 02.03.2006
DVD-Angaben:
Titel: The New World
Vertrieb: Warner Home Video
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 130 Minuten
Extras: Making Of: Making The New World; Trailer
Verleih ab: 07.07.2006
Verkauf ab: 07.07.2006
Kommentare
Indy
Samstag, 15-07-06 00:17
Schinkenhoernchen
Freitag, 07-07-06 05:47
Vorweg mal : Insbesondere im Bezug darauf wie der Film beworben wird ist er mehr als eine Mogelpackung. Im Trailer werden quasi sämtliche Action-Anteile bereits gezeigt, und auch das eher aggresive Cover stellt den Film ganz anders dar als er ist. Der Film ist von vorn bis hinten eigentlich nur langweilig und schlecht. Die musikalische Untermahlung erinnert ständig an Kuhglocken und Alphörne, mehr ...
john_d
Montag, 01-05-06 02:46
der film ist einfach nur genial und wer unbedingt underworld 2 oder 3 sehen will soll das ruhig tun, ist allerdings mit so einem werk leicht überfordert. das gleiche gilt für den menschen, der die oben stehende filmfritik verzapft hat. wirklich peinlich! - ich kann nur jedem halbwegs filminteressierten raten, sich den streifen anzuschauen und sich eine eigene meinung zu bilden.
David
Mittwoch, 15-03-06 13:56
Weniger Polemik beim Schreiben der Kritik und dafür mehr Tiefgang wären angebracht. Nervig die seriellen Aufzählungen von Filmtiteln, welche nur das Ego des Schreibers bespiegeln, zur Erhellung des Films aber wenig beitragen.
scarface
Montag, 13-03-06 21:42
der film ist absolute scheisse, habe 5€ aus dem fenster raus geworfen. der film hat mich überhaupt nicht unterhalten. langweilig. es gibt da besseres zur zeit im kino, wie SYRIANA, LORD OF WAR und MÜNCHEN. im nachhinein wäre sogar Underworld2 besser. so habe ich 5€ sinnlos verballert.
Ben
Montag, 13-03-06 12:48
Lächerliche Kritik, völlig unzutreffend. Hat da jemand den Film nicht verstanden?
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Der letzte Kommentar trifft den Nagel auf den Kopf. Die Filmkritik ist vollkommen berechtigt: Der Film ist belanglo, selbstverliebt und im Endeffekt eine Zumutung für jeden intelligenten Zuschauer. Was in "The Thin Red Line" noch funktioniert hat (ein grandioser Film!) gerät hier vollkommen aus den Fugen und wirkt teilweise nur noch bizarr!