Silent Hill
Mal wird die Leinwand gänzlich in Schneeweiß gehüllt, mal verdunkelt sie sich für mehrere Sekunden komplett. Dazu schrillen dann die Sirenen von Silent Hill. Simpel und minimalistisch. Doch Regie und Effektspezialisten können auch ganz anders.

Mit seinen eigen- und stilwilligen Martial-Arts-Filmen Crying Freeman (1995) und Der Pakt der Wölfe (Le Pacte des loups, 2001) hat sich der französische Regisseur Christophe Gans für Hollywood empfohlen. Dort durfte er nun mit Silent Hill ein erfolgreiches Computerspiel auf die Leinwand bringen – eine Freikarte für kommerziellen Erfolg.
Doch statt sich nun im luxuriösen Freiraum des sicheren Triumphes auszutoben kettet sich der Filmemacher wie noch keiner vor ihm an die medialen Bedingungen der Vorlage. Anstelle einer filmischen Exposition gibt Silent Hill von Beginn an Vollgas. Nach nur wenigen Minuten sind die Spielvoraussetzungen geklärt: Mutter reist mir somnambuler Tochter in das stillgelegte Titeldorf. In dem ehemaligen Kohlminengebiet laufen allerhand verschiedene missgestaltete Kreaturen rum, Feinde und Gefahren in der Computerlogik, die hier allerdings nur unmotivierte Gastauftritte erleben. Auch das musikalische Hauptmotiv des Spiels stellt sich schnell ein. Nachdem Rose ihre Adoptivtochter Sharon aus den Augen verloren hat, muss sie das Kind suchen. Von nun an ist sie die Spielerin, mit der wir uns identifizieren, sie wird zum Egoshooter. Was sich als durchaus nicht einziges, aber frappantes Problem des Films erweist: Wie baut man Spannung auf, wenn eine Figur über abendfüllende Länge von einem computeranimierten Ort zum nächsten taumelt, gänzlich ohne Narration, mit weitestgehendem Verzicht auf Dialog und Interaktion? Um diese Eindimensionalität nicht zu augenscheinlich werden zu lassen, wird noch ein Nebenhandlungsstrang eingeführt, in dem der Vater ebenfalls nach seiner Familie sucht.

Gegen Ende bemüht sich Silent Hill, dann alles nachzuholen und liefert für die schaurigen Ereignisse genauso groteske wie grausame, stereotype und vorhersehbare Erklärungen. Plötzlich wird sehr viel gesprochen und es fallen Sätze wie „For a child, mother is God“. Schnell schwant einem Böses bei soviel bedeutungsschwangerem Unsinn und natürlich findet dieser Signalsatz im Finale nochmals Verwendung.
Als wäre all dies nicht genug, heißt es nicht einfach Game Over. Neben allem pseudomystischen Brimborium gibt es am Ende noch chronologische Parallelwelten. Da wird das Abfallprodukt des Spiels dann doch etwas überambitioniert. Schließlich lassen wir uns immer noch lieber von einem Computerspiel für blöd verkaufen als von einem Film.
Kritik von Sascha Keilholz
Fotos: © Concorde
Veröffentlicht am 04.05.2006
Film-Angaben:
Titel: Silent Hill (Silent Hill)
USA 2006
Laufzeit: 126 Minuten
Regie: Christophe Gans
Drehbuch: Roger Avary
Produktion: Samuel Hadida, Don Carmody
Darsteller: Radha Mitchell, Sean Bean, Laurie Holden, Deborah Kara Unger, Kim Coates, Alice Krige, Tanya Allen
Kinostart: 11.05.2006
DVD-Angaben:
Titel: Silent Hill
Vertrieb: Concorde Home Entertainment
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Englisch (DD 5.1), Deutsch (DD 5.1, DTS 6.1 ES)
Untertitel: Deutsch
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Spieldauer: 121 Minuten
Extras: kein Bonusmaterial
Die Leih-DVD wird von Eurovideo vertrieben. Es liegen uns keine Informationen zu deren Bildformat, Tonspuren, Untertitel und Extras vor. Zeigleich zum Verkaufsstart erscheint eine 2-Disc Special Edition mit folgenden Extras: Trailer; Making-of; Special Effects Featurette; Stars & Stunts Featurette; Cast & Crew Infos; Produktionsnotizen
Verleih ab: 28.09.2006
Verkauf ab: 08.11.2006
Kommentare
manuel
Samstag, 31-10-09 18:26
Headstrong
Samstag, 15-11-08 03:32
Nun, bei diesem Film kann es ja nur zwei Meinungen geben. Diejenige derer, die absolute Fans des Videospiels sind, und diejenige derer, die sich für so ein Spiel herzlich wenig interessieren, oder auch nicht damit vertraut sind. Der Film selbst tut das, was er soll, nämlich einen Leckerbissen für Silent Hill Fans zu bieten. Sowohl die Perspektiven als auch die Ästhetik sind genau dem Film nachempfunden, mehr ...
Sven Dietz
Freitag, 10-08-07 10:39
Ich habe das Spiel nie gespielt. Auch hatte ich von dem Film und seinem "Inhalt",falls dieser Begriff hier überhaupt angemessen ist, noch nie etwas gehört. Umso gespannter war ich auf diese Computerspiel-Umsetzung. Ja. 2 Stunden meines Lebens habe ich vergeudet. Wie die Kritik schon sagt: die gesamte Zeit über eiert die schlecht besetzte Hauptdarstellerin von Pontius nach Pilatus, sowas wie eine mehr ...
Frank
Donnerstag, 14-06-07 23:58
Was für eine ignorante Einstellung gegnüber Computerspielen in diesen Kommentaren und der Kritik rüberkommt, wirklich schlimm. Die Hauptdarstellerin mit einem "Egoshooter" zu vergleichen ist nicht nur dumm, sondern auch sachlich falsch (siehe wiki -.-).Ich finde der Film ist ziehmlich einzigartig und sollte nicht so pauschal verurteilt werden. Vor allem für eine Spieleverfilmung ist der Film sehr mehr ...
Katharina
Freitag, 08-06-07 15:13
Das letzte Kommentar von Andre hat mich mit dem Film wieder ins Reine gebracht. Ich habe mir eben den Film angeschaut und das Ende irgendwie nicht gepeilt. Davon abgesehen habe ich auch noch kein SH-Spiel gespielt. Ich habe für mich schon festgelegt, dass das Ende wohl totaler Mist ist, aber Andre hat recht, man kann sich mit seiner eigenen Phantasie einlassen und Theorien entwickeln, warum gerade mehr ...
oliver
Mittwoch, 30-05-07 22:44
so soll ein horror film sein: verstörende orte, zunächst nicht erklärbare abläufe, spannung ohne zuviel blut gekrönt mit klasse musik und schöner farbgestaltung. he sascha, das ist doch nur ein film der unterhalten möchte! aber ein guter.punkt.
Olaf
Sonntag, 22-04-07 02:45
Ich finde Saschas Kritik vollkommen auf den Punkt getroffen. Der Film ist auf gar keinen Fall für den Anspruchsvollen Konsumenten gedacht, sondern eher für Computer-Kiddies, oder Pseudo-Esotheriker!
boxi
Freitag, 13-04-07 00:37
also silent hill ist wohl einer der wenigen filme, die es schaffen, durch ihren unsinn auf sich aufmerksam zu machen. das einzige, was ich dem schinken positiv anrechne ist das dvd-cover. pseudo spannende momente, nichtssagende charaktere, künstliche unheimlichkeit und dabei das wesentliche voll aus den augen verloren: den erwartungsvollen zuschauer.
GreyFox
Montag, 09-04-07 18:03
Also das war jetzt die letzte Kritik die ich mir von Sascha reingezogen hab. Nicht nur, dass er nicht objektiv bleibt sondern auch all die Filmelemente bis zur erbrochenen Realität herunter analysiert. Eine Kritik sollte eine Objektive Betrachtung darstellen und den anderen Leuten ein Leitfaden sein. Also ich empfehle Silent Hill auf jedenfall weiter. Was ich nicht empfehle sind weitere Kritiken mehr ...
Andre
Dienstag, 09-01-07 22:43
Ich habe den Film auch gesehen, obwohl ich keins der spiele gespielt habe und trozdem bin ich der Meinung das der Film echt hammer ist. Ich finde ihn auch sehr Versändlich und habe auch keine Logiklücke gefunden. Zudem finde ich es auch gut das der Film am Schluss noch viele Fragen offen lässt, sodass man noch lange drüber nachdenken oder mit freunden drüber reden kann.
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Der Film hat insofern ein Problem, weil er sich zu stark auf die Kernhandlung der Spiele bezieht und diese im Film nirgendwo erklärt werden. Wenn man dann aber auch garkein Faible für Video- und Computerspiele hat, kann ich mir gut vorstellen, dass dieser Film sicher alles andere als interessant ist. Dennoch: Im Kontext der Spiele ist "Silent Hill" eine gute Umsetzung - Videospielverfilmungen mehr ...