Hostel

Drei vergnügungssüchtige Touristen stranden während einer Europareise in der Slowakei. In einem kleinen Hotel nahe Bratislava glauben sie am Ziel ihrer Wünsche angekommen zu sein.

Hostel

Oh, wunderbares Europas! An jeder Straßenecke finden sich alle Rauschmittel der Welt, die Frauen sind schöner als in der Heimat und vor allem erotischen Abenteuern weit weniger abgeneigt als die prüden Amerikanerinnen. Mit diesem in den USA in den Sechziger Jahren durch freizügige Filme aus Frankreich und Schweden geförderten und immer noch weit verbreiteten Klischeebild eines Europas ohne rigide soziale Zwänge und sexuelle Verklemmtheit spielt der Horrorfilm Hostel. Allerdings geht der Regisseur Eli Roth auch mit der Zeit. Nicht mehr Paris, Stockholm und Kopenhagen sind die Orte des Lasters und der Versuchung, sondern die postkommunistischen Weiten Osteuropas.

Hierhin, genauer gesagt in ein kleines Hotel in der Nähe Bratislavas, verschlägt es die beiden jungen Amerikaner Paxton (Jay Hernandez) und Josh (Derek Richardson) sowie ihre neue Bekanntschaft, den Isländer Oli (Eythor Gudjonsson), während einer ausgedehnten Europareise, deren Ziel zumindest für Paxton und Oli darin besteht, so viele Frauen wie irgend möglich ins Bett zu bekommen.

Der erste Teil des Films funktioniert wie eine recht derbe Teeniekomödie. Der frisch von seiner Freundin getrennte Josh weigert sich, an den Streifzügen seiner Reisegefährten teilzunehmen, welche wiederum versuchen, ihren sensiblen Kumpel mit allen denkbaren Mitteln auf andere Gedanken zu bringen. Auf einen Horrorfilm deutet in der ersten halben Stunde wenig.

Hostel

Dies ändert sich in dem slowakischen Hotel, dessen weibliche Bewohner den Reisenden anfangs paradiesische Zustände zu versprechen scheinen, schlagartig, als Oli urplötzlich verschwindet und den beiden Amerikanern kryptische Botschaften hinterlässt. In der darauf folgenden Nacht verschwindet auch Josh. Paxton macht sich auf die Suche nach seinen Freunden und kommt einer grausigen Geschäftsidee auf die Spur.

Eli Roth ist einer von mehreren jungen Regisseuren, die derzeit das jahrelang fast brachliegende Horrorgenre erneuern. In den letzten Monaten liefen in Deutschland in kurzen Abständen Rob Zombies The Devil’s Rejects – Die Hölle hat sie ausgespuckt (2005), Darren Lynn Bousmans Saw 2 (2005) und Alexandre Ajas Hügel der blutigen Augen (The Hills Have Eyes, 2006) an, die bei allen qualitativen und thematischen Unterschieden einige Gemeinsamkeiten aufwiesen, die sie vom Genredurchschnitt abhoben. Vor allem orientieren sich alle drei Filme deutlich an den harten, ungeschliffenen amerikanischen Splatterfilmen der siebziger Jahre, was nicht nur in einem hohen Blutaufkommen, sondern auch durch den oft erstaunlich nihilistischen und erbarmungslosen Blick auf die Figuren deutlich wird. So gelang es vor allem Rob Zombie, wieder ein wenig Subversion in ein Genre zu tragen, das nach der Scream-Trilogie (1996-2000) durch zahlreiche Teenieslasherfilme und Parodien im Stil der Scary Movie-Reihe (seit 2000) im postmodernen Niemandsland gestrandet zu sein schien. Gleichzeitig entwickelt sich der neue, harte Horrorfilm zum Hoffnungsträger des krisengeschüttelten Hollywoods, da diese Filme verhältnismäßig billig sind und oft mit Leichtigkeit ein Vielfaches ihrer Produktionskosten einspielen.

Hostel

Eli Roth, laut Quentin Tarantino „die Zukunft des Horrors“, ist seit seinem ironischen Debüt Cabin Fever (2002) die vielleicht größte Hoffnung des Genres. Hostel zeigt, warum. Roth orientiert sich nicht nur an den bluttriefenden Klassikern Tobe Hoopers oder George Romeros, sondern ist stark vom modernen asiatischen Horrorkino beeinflusst, was sich unter anderem in einem Cameoauftritt des japanischen Kultregisseurs Takashi Miike niederschlägt. Ganz so radikal wie Miike in seinen besten Filmen (Ichi the Killer, Koroshiya 1, 2001; Gozu, 2003) die Grenzen des Genres und die Belastbarkeit des Publikums testet, kann Roth mit dem amerikanischen Horrorfilm nicht verfahren, doch auch Hostel stößt die Zuschauer immer wieder vor den Kopf, wechselt abrupt und ohne Vorwarnung das Genre, gefällt durch eine Vielzahl origineller Kleinigkeiten, die der Regie oft wichtiger sind als die Gesamtkonstruktion der Handlung. Und auch in Sachen Gewaltdarstellung hat Roth sich das eine oder andere von den Japanern abgeschaut.

Doch Hostel ist nicht nur ein wilder, bluttriefender, anarchistischer Horrorfilm, sondern besitzt auch über seine Form hinaus eine Aussage. Genau wie Miikes Gangsterfantasien stets eine soziale Dimension besitzen, ist Eli Roths Werk mehr als nur eine Ansammlung durchgeknallter Charaktere in irrsinnigen Situationen. Im Grunde ist Hostel ein nicht unintelligenter Film über Ausbeutung. Paxton, Josh und Oli sind nichts anderes als Sextouristen, die bei Bratislava das perfekte Bordell gefunden zu haben glauben. Doch die Osteuropäerinnen kennen andere Methoden der Ausbeutung, die geeignet sind, die herkömmlichen Machtverhältnisse, die sowohl auf geschlechtlicher als auch auf weltpolitischer Ungleichheit beruhen, umzudrehen. Der spielerische Horrorstreifen Hostel will nie eine didaktische Parabel über Prostitution sein und bleibt zu weiten Teilen ein klassischer apolitischer Exploitationfilm, der über genretypische Schlüsselreize funktioniert. Doch was Roth von sexueller Ausbeutung hält, macht zumindest die letzte Szene des Films unmissverständlich deutlich.

Kritik von Lukas Foerster

Fotos: © Sony Pictures

Veröffentlicht am 23.03.2006



Film-Angaben:

Titel: Hostel (Hostel)
USA 2006
Laufzeit: 95 Minuten

Regie: Eli Roth
Drehbuch: Eli Roth
Produktion: Chris Briggs, Mike Fleiss, Eli Roth
Darsteller: Jay Hernandez, Derek Richardson, Eythor Gudjonsson, Barbara Nedeljakova, Jana Kaderabkova, Takashi Miike

Kinostart: 27.04.2006



DVD-Angaben:

Titel: Hostel - Extended Edition
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: keine Angabe
Spieldauer: 89 Minuten

Extras: Filmkommentare: Eli Roth, Quentin Tarantino, Boaz Yakin, Scott Spiegel, George Folsey Jr., Harry Knowles, Chris Briggs, Gabriel Roth, Barbara Nedeljakova, Eythor Gudjonsson; Making of; Kill The Carl (Multi-Angle); Trailer

Verleih ab: 05.10.2006
Verkauf ab: 24.10.2006





 




Kommentare

 

Cheops aus Berlin

Montag, 04-05-09 04:35

Ich war ja immer schon der Meinung, dass die Regisseure von brutalen Horrorfilmen mindestens einen an der Waffel haben müssen, bei dem Zeug, das sie so verfilmen und davon ausgehend, muss Eli Roth, der „Hostel“ verbrochen hat, muss eine besonders schwere Kindheit gehabt haben. Was diese Metzelorgien noch mit cineastischer Kunst zu tun haben sollen, will sich mir nicht erschließen. Wer nur Folter mehr ...

Wombo

Dienstag, 07-10-08 23:26

Ich finde diesen Film widerlich, abscheulich, abstoßen, pervers... Auch nur mit dem Gedanken zu spielen, einen solchen Film zu drehen ist meiner Meinung nach krank! Ich weiß nicht, was manche Leute an diesem Film finden...

Laura

Samstag, 28-06-08 14:58

also, jez muss ich ma was dazu sagen: dieser film ist eine schande für die menschheit! welcher normale mensch kommt auf die idee, einen film zu drehen, in dem unschuldige menschen einfach auf eine widerliche, ekelige, absurde, unmenschliche art und weise umgebracht werden?? ich könnte mich so derbe aufregen!das ist total psycho!oh jee... da schau ich mir lieber filme mit hintergrund an. (wie the mehr ...

werbezwerg aus Hessen

Sonntag, 01-06-08 22:33

Wann hören solche Pseudo-Filmemacher endlich auf, Lehrfilme für geisteskranke zu produzieren? Brutalo-Schwachsinn wie Saw, Texas Chainsaw, etc. genügen doch auch schon. Es ist nunal auch zu beobachten, daß die Hemmschwelle für Gewaltbereitschaft in gleichem Maße sinkt, wie die in den Medien gezeigte Gewaltanwendung steigt. Leider haben solche Gewaltwerke ja auch noch Erfolg ... was allen mehr ...

druckagentur aus Hessen

Sonntag, 01-06-08 22:24

Welch ein Film ... oder ... darf man sowas überhaupt noch Film nennen? Da stellt sich auch die Frage: Wie sieht es um die Phantasien und das Seelenleben von Menschen aus, die sowas schreiben und verfilmen? Wieviele Menschen haben die bereits gefoltert, gequält und getötet? Hat sich damit schonmal irgendein Staatsanwalt befasst und recherchen anstellen lassen? Wie kommt man denn als normaldenkender mehr ...

nase

Dienstag, 12-02-08 02:52

hat der film irgendeinn sinn?? ich finde keinen. einfach nur wiederlich. das ist kein horror das ist eifnach nur wiederlich da kann ich nem schlachter bei zusehen wie er ein schwein auseinander nimmt(kam mal bei galileo)kommt aufs gleiche raus. wer dabei sagt er hätte sich mehr erhofft...der ist geistig nicht ganz auf der höhe. wenn das einer mit euch machen würde da würdest du auch nicht sagen mehr ...

last_daylight

Montag, 31-12-07 12:41

Hostel soll schlimm gewesen sein? Krank und pervers? Also bitte.... Ich hatte mir echt mehr von dem Film erhofft. Auf der Hülle der DVD stand etwas von "schockt auch die größten Horrorfans" usw. aber das traf überhaupt nicht zu. Auch die Szene mit der Bohrmaschine kam nicht im Film vor. Da haben QuentinTerentino und die Anderen nen Griff ins Klo gemacht. Ich werd mir jetzt mal Hostel 2 anschauen mehr ...

matze

Mittwoch, 05-09-07 01:07

absolut krank dieser film. Terantino und Co gehoeren in eine geschlossene Abteilung.

Jonas

Mittwoch, 29-08-07 02:12

Völlig überflüssig, pervers, sinnlos. Saw hatte ja noch Spannung und man interessierte sich für den durchgedrehten Killer- aber hier. Ich hab den Film durchgeguckt. Hätte ich mal lieber nicht tun sollen. Einfach nur bescheuert.

Zensur

Mittwoch, 25-04-07 17:59

blablablalba, das nennt man mal eine vernüftige kritik.

 

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