Ab durch die Hecke
Kauzige Tiere gehören inzwischen zur Standardausstattung von Computeranimationsfilmen, so auch in Ab durch die Hecke. Doch können Waschbär und Co. die „Kleinen“ und die „Großen“ gleichermaßen entzücken?

Eine Gruppe von sympathischen Außenseitern muss sich zusammenraufen, um an ein schier unerreichbares Ziel zu gelangen. Auf dem Weg dahin gibt es Rivalenkämpfe, Enttäuschungen und Momente der gegenseitigen Anteilnahme. Die Aufgabe schweißt zusammen und lässt Freundschaften, gar einen familiären Zusammenhalt entstehen. Übertragen auf eine Filmhandlung erwies sich diese Konzeption von Gemeinschaft als Goldgrube, die so universell anwendbar zu sein scheint, wie sie zeitlos ist. Seien es Waisenkinder, die sich mit Hilfe eines Geistlichen ein eigenes Zuhause schaffen möchten (Die Teufelskerle, Boys Town, 1938), Militärsträflinge, die ein Himmelfahrtskommando antreten, um eine absolutistische Mission zu erfüllen (Das dreckige Dutzend, The Dirty Dozen, 1967) oder minder qualifizierte Sportler, die eine Meisterschaft gewinnen wollen (Die Bären sind los, The Bad News Bears, 1976; Cool Runnings, 1993). In Ab durch die Hecke (Over the Hedge) ist es nun eine Gruppe von Waldtieren, die sich einen Nahrungsmittelvorrat für den Winter anlegen muss, deren natürlicher Lebensraum jedoch durch eine neu entstandene Wohnsieldung arg geschrumpft ist.

Jedes Team braucht einen Anführer, sei es ein katholischer Priester, ein abgebrühter Army Major, ein alkoholkranker Baseball-Coach oder ein übergewichtiger Bob-Trainer. Das Eichhörnchen Hammy, das Stinktier Stella, das Opossum Ozzie und eine fünfköpfige Igelfamilie akzeptieren Verne, eine gewissenhafte Schildkröte, als Oberhaupt ihres gemeinsam bewohnten Baumstumpfes, bis die Vernichtung ihres Habitats die Gemeinschaft zur Umstrukturierung zwingt. Tut sich der behäbige Verne noch schwer, sich der veränderten Situation anzupassen, profiliert sich der neu hinzu gestoßene Waschbär RJ fortan als Anführer, indem er die Waldbewohner in die geheimnisvolle Welt, die sich hinter einer Hecke befindet, einführt. Dort lässt sich Nahrung im Überfluss beschaffen, doch verfolgt der pfiffige Waschbär mit „Menschenkenntnis“ seine eigenen Ziele.
Unterhaltung für „Groß und Klein“ zu schaffen ist ein Drahtseilakt, den insbesondere Animationsfilme zu bewältigen haben. Ab durch die Hecke, die jüngste Trickfilmproduktion des krisengeschüttelten DreamWorks-Studios, ist ein Paradebeispiel für die Kniffligkeit dieses Anspruchs. Gaben in der gleichnamigen Comicvorlage von Michael Fry und T. Lewis lediglich Schildkröte und Waschbär lakonische Kommentare zum merkwürdigen Verhalten der Menschen ab, schlägt Ab durch die Hecke in der Gestaltung des Außenseiterkampfes einen Weg ein, den Das große Krabbeln (A Bugs Life, 1998) und Findet Nemo (Finding Nemo, 2003) von der Konkurrenz Pixar für Computeranimationsfilme bereits geebnet haben.

Der Symbiose aus liebenswerten, kindlich natürlichen Tierfiguren, die dank ihres trockenen Humors auch für ein erwachsenes Publikum unterhaltend sind, und turbulenten Verfolgungsszenen mit Slapstickhumor kann Ab durch die Hecke jedoch nur selten ein eigenes Profil abgewinnen. Im Verlauf der Handlung legt das Wiederkäuen bekannter Erzählmuster allzu deutlich das Baukastenprinzip dieser Familienunterhaltung offen. Nette Ideen in der Figurenkonzeption, an denen ein vorwiegend älteres Publikum Gefallen finden dürfte, stehen einer Überzahl von Lachern und Emotionsmomenten gegenüber, die wie auf Knopfdruck abgerufen werden sollen. So stellen, im Gegensatz zum Ideenfeuerwerk der Pixarfilme, geistreiche Einfälle lediglich die Ausnahme dar. Zu ihnen gehört die Charakterzeichnung des Opossums Ozzie, das mit Vorliebe theatralische Sterbeszenen vorspielt, in Anlehnung an das Verhalten der Gattung, die sich bei drohender Gefahr tot stellt. Originellerweise leiht in der Originalversion der ehemalige Captain Kirk-Darsteller William Shatner, der für seinen ausgeprägt pathetischen Schauspielstil bekannt ist, der Figur die Stimme. Die Melange aus Unterhaltung für „Groß“ und „Klein“ bleibt letztlich unausgegoren, was den schizophrenen Charakter dieses Unterhaltungskonzepts gerade in diesem Film deutlich werden lässt.

Ab durch die Hecke stellt auch den Abschluss einer 180°-Drehung in der Entwicklung der DreamWorks-Animationsfilme dar. So adressierten die ersten beiden Trickfilme des in den 90ern gegründeten Filmstudios Antz (1998) und Der Prinz von Ägypten (The Prince of Egypt, 1998) noch in erster Linie ein reiferes Publikum. Ein bewusst gewähltes Profil, das um die Abhebung von den marktdominierenden Disney- und Pixarproduktionen bemüht war. Der löbliche Anspruch, der sich als Kassengift herausstellte, wich bald der konventionelleren Rezeptur eines Unterhaltungscocktails, der alle Altersstufen zufrieden stellen sollte. Brachte also eine neurotische Ameise mit der Stimme von Woody Allen nicht den gewünschten Erfolg, änderte sich dies mit den kauzigen Tier- und Sagenfiguren von Shrek (2001), die die Kleinen verzauberten, und deren Zoten, mit freudscher Dimension, die Großen im Publikum köstlich zu amüsieren vermochten. Ab durch die Hecke befriedigt nun deutlicher als alle anderen Animationsfilme des Studios die Lust an simpel gestrickter Kurzweil. So ist der Film durchaus kindergeburtstagstauglich, doch um nicht nur die ganz Kleinen zu amüsieren, muss den Machern der „Traumschmiede“ deutlich mehr einfallen.
Kritik von David Gaertner
Fotos: © UIP
Veröffentlicht am 28.06.2006
Film-Angaben:
Titel: Ab durch die Hecke (Over the Hedge)
USA 2006
Laufzeit: 83 Minuten
Regie: Karey Kirkpatrick, Tim Johnson
Drehbuch: Len Blum, Karey Kirkpatrick, David Hoselton, Lorne Cameron
Produktion: Bonnie Arnold
Kinostart: 06.07.2006
Verwandte Filme:
- Zuhause ist der Zauber los - Deutschland, USA 2008; Regie: Karey Kirkpatrick
- Per Anhalter durch die Galaxis - USA, Großbritannien 2005; Regie: Garth Jennings
DVD-Angaben:
Titel: Ab durch die Hecke
Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Bild: 1,85:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Türkisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Spieldauer: 89 Minuten
Extras: verrückte Spiele; exklusiver Blick hinter die Hecke; Werbespot; Triff die Schauspieler
Zeitgleich zur Kauf-DVD erscheint im Verkauf und im Verleih eine 2-Disc-Special Edition mit folgenden zusätzlichen Extras: Verrückte Hammy-Extras; Hammys coolste Moves; Desktopbilder; Grüße von hinter der Hecke zum Ausdrucken.
Verleih ab: 09.11.2006
Verkauf ab: 09.11.2006
Kommentare
Manuel
Freitag, 20-10-06 16:26
Eidottrio
Freitag, 29-09-06 17:43
I like the film for its political messages but in the end the film misses to solve a crucial point - to give us a new account of the human-nature relationship. Here is my argument: (1) I very much appreciate the authors ironic ways to remind us of the overconsumption and wasteful lifestyle humans - especially people from the US and Europe - are leading (shown e.g. in racoon RJ`s description of humans mehr ...
nitro-M
Samstag, 09-09-06 23:54
Es gab ja in letzter zeit unglaublich viele animationsfilme, alle paar monate kommt eine neuer raus und ich muss sagen (entgegen alle kritik), dass "ab durch die hecke" durchaus erfrischend und sehenswert ist. Sicherlich kommt er vom originalitäts und spaßfaktor lange nicht an "findet nemo" oder "ice age 2" ran, da man die meisten szenen aus der vorschau kennt, er teilweise schon recht kitschig rüberkam mehr ...
filmkucker
Freitag, 18-08-06 11:12
16 jähriger schreibt für mich war der film reizend, was ich nicht erwartet habe schliesslich werden solche animationsfilme wie am laufband hergestellt (madagaskar=tierisch wild). naja die witzte waren uralt und es war etwas kitschig, aber der waschbär hat ein dickes plus für den film kassiert. und ich versteh nicht die leute die ihre kritik so hammerhart abgeben "der film ist scheisse" und fertig, mehr ...
Tioz
Samstag, 05-08-06 22:17
Also ich habe schon viele Filme gesehn. Natürlich können diese nicht alle der Hammer gewesen sein. Es waren auch viel schlechte dabei. Das ist ja nicht so schlimm jeder Filmemacher verhaut hin und wieder eines seiner Projekte. Aber "Ab durch die Hecke" ist wohl der schlechteste animationsfilm seit langem! Die (schlechten) Witze die dort vorkamen sind uralt und überhaupt nicht komisch, die Synchronisation mehr ...
CinemaJunky
Sonntag, 30-07-06 19:34
Also ich fand den Film "Ab durch die Hecke" einfach lustig. Wer bei einer Produktion, die sich auch an 6 jährige richtet, philosophioschen Tiuefgang erwartet, kann von mir kein Mitleid bekommen. Dieser mit Witz gepackte Film schafft es locker den Zuschauer zum Lachen zu animieren und die Zeit vergessen zu lassen. Wer darüber hinaus geistreiche Kost sehen möchte sollte einen Film mit FSK-16 wählen, mehr ...
kosinos
Dienstag, 25-07-06 17:15
scheiss film
El_Loco
Sonntag, 23-07-06 22:37
Der Film ist Hammer, habe mich köstlich amüsiert. Die Kritik halte ich für absolut verfehlt.
Zimbo
Montag, 17-07-06 12:32
ich fand den film auch klasse. sicher hat man mal das ein oder andere in ähnlicher weise vielleicht schon mal gesehn, aber das ist ja nicht nur bei animationsfilmen so, sondern findet man ja auch in vielen anderen genre vor. eine der genialsten szenen war eindeutig der trip von hammy, nachdem er sich die überzuckerte aufputschbrause einverleibt hatte. a propos, im kinosaal sass genau ein kind, der mehr ...
Bumer
Samstag, 15-07-06 12:00
Geiler Film.Hätte ich nicht gedacht.also zieht ihn euch rein.der ist sein geld wert.
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Ich war im Kino in dem Film , aber ich fand es ein bißchen langweilig , der Film ist irgendwie immer ein hin und her durch die Hecke wieder zurück, durch die Hecke und wieder zurück... Aber die Schildkröte Verne, und das Eichhörnchen Hammy , haben mir gefallen !