The Kids Are All Right

„I love lesbians!“

The Kids Are All Right

Joni wird 18, den großen Wunsch äußert allerdings nicht sie, sondern ihr jüngerer Bruder Laser. Er möchte endlich erfahren, wer sein Samenspender war. Der heißt Paul, ist eine ziemlich coole Sau und zeigt sich gar nicht irritiert, dass Joni und Laser zwei Moms haben. Ganz im Gegenteil: „I love lesbians.“ Wie wahr …

Julianne Moore und Annette Bening spielen eines der überzeugendsten Filmpaare seit Langem. Was vielleicht mehr überrascht: Sie brillieren nicht nur in den dramatischen, sondern besonders in den überwiegenden komischen Situationen. Bening variiert dabei ihre Paraderolle aus American Beauty (1999). Ein wenig humaner, deutlich lesbischer.

The Kids Are All Right

Lisa Cholodenkos Drehbuch und Inszenierung ist dies zu verdanken, denn sie verzichtet gänzlich auf den Holzhammer. So kommt The Kids Are All Right äußerst schlicht, zum Teil sogar vorhersehbar daher. Kein Problem, bei dem Timing.

In dieser Revitalisierung der Stärken des klassischen amerikanischen Erzählkinos – den fein gezeichneten Figuren und dem pointierten Drehbuch – erinnert The Kids Are All Right an Little Miss Sunshine (2006). Doch Cholodenkos Film ist näher am Leben. Ihr Humor ist Alltagsszenarien entlehnt, und ihre Figuren befinden sich nicht in Extremsituationen. Sie versuchen nur alle, ihren Platz zu finden. Was einige von ihnen zwischenzeitlich beispielweise mit einem Beruf verwechseln. Viele der Protagonisten stehen an einer Schwelle. Joni (Mia Wasikowska, bekannt als Sophie aus der TV-Serie In Treatment) etwa, die zwar gerade volljährig geworden ist, den Erwachsenencode im Sexualbetrieb jedoch noch nicht beherrscht. Der Wechsel ans College steht zudem bevor.

The Kids Are All Right

Cholodenkos Film widmet sich sehr typischen Familien- und Lebensproblemen, zeichnet ein eigenes Bild des viel zitierten „Patchwork“. Anders als in weiten Teilen des Queer Cinema ist die gelebte Sexualität hier nicht Auslöser und Aufhänger aller Probleme. Beim Ehebruch steht nicht die Frage im Vordergrund, ob er mit einem Mann oder einer Frau vollzogen wurde. Dabei ist sich The Kids Are All Right geschlechtsspezifischer und ethnischer Differenzen sehr bewusst. Er porträtiert nicht ohne wohltuende Ironie eine offene, multikulturelle, umweltbewusste Gruppe von Menschen – der Komposter darf nicht fehlen.

Vielleicht steckt hier wirklich so etwas wie Liberalismus in dem Film. Wenn man bedenkt, wie gerne amerikanische Autoren das Kino in Legislaturperioden einteilen, wäre es nicht verwunderlich, irgendwann von The Kids Are All Right als erstem Film der Obama-Präsidentschaft zu lesen.

Trailer zu „The Kids Are All Right“


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Kommentare


Zeus

Ich kann meinem Vorschreiber eigentlich zustimmen, sehr einfache Probleme die erzählt werden. Ich freu mich allerdings für den Samenspender das er mit diesen leider sehr verletzten und teilweise kaputten Familie nichts mehr zu tun hat. Und ich hab gedacht meine Familie wäre kompliziert.;)


Gerry

Ich fand den Film nicht wirklich gut trotz guter Schauspieler und auch recht witzigem Humor. Es stellte sich mir jedoch den ganzen Film hindurch die Frage: Gibt es so komplizierte Familienverhältnisse (ob nun hetero oder homosexuelle Partnerschaften) in der Realität wirklich? Warum schauen sich zwei Lesben "gaypornos" an während dem Geschlechtsverkehr? Auch bei den beiden Kindern hat man durchweg das Gefühl das sie nen absoluten Knacks weg haben. Mark Ruffalo spielt seine Rolle durchweg genial und diese kauft man ihm auch ab, bei Julianne Moore bin ich mir da leider nicht so sicher. Anyway...man kann diesen Streifen ohne Bedauern anschauen und dann ins Archiv stellen oder auch weiterverschenken.


Martin Zopick

Regisseurin Lisa Cholodenko, die hier ihre eigene Geschichte zum Film gemacht hat, will uns zeigen, dass es in einer eheähnlichen Lesbenbeziehung zugeht wie bei den Heteros. Zwei Mädels, die zusammen leben, haben sich ihre Babys aus der Samenbank geholt und jetzt bei Volljährigkeit wollen die Kids Paul (Mark Ruffalo), ihren biologischen Vater kennenlernen. Das ‘Familienleben’ ist klischeehaft geordnet: Nic (Annette Bening) ist Ärztin und schmeißt den Laden, Jules (Julianne Moore) ist Gärtnerin und macht auf Heimchen am Herd. Bis Paul auftaucht. Den vernascht sie volles Rohr hinter Nics Rücken. Selten hat Julianne Moore so auf der Matratze getobt. Es folgen die üblichen Streitereien wie man sie vom Ehealltag bei ertappten Seitensprüngen her kennt. Auf Lüge folgt Verharmlosung mit viel Geheul. Hier nur mit mehr Gefühl und Tränen. Ob Paul auch die Tochter beglückt hat, wird nur angedeutet, bevor sie das traute Heim verlässt und dahin geht, wo alle Amis hin flüchten aufs College.
Danach kann man nur noch Fußballtrainer Stepanovic zitieren: ‘Lebe geht weiter.‘
Musste das mal gesagt sein, dass Lesben ein ganz normales Eheleben mit Kindern führen können? Abgesehen von der Message ist das nichts Besonderes. Darsteller und Plot sind US-Massenware vom Fließband. K.V.






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