Robot & Frank

Der Roboter, dein Freund und Helfer.

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In der Filmgeschichte zeichneten sich Roboter oft dadurch aus, dass ihnen die Vernichtung der Menschheit ins digitale Hirn programmiert wurde. Roboter wie Ro-Man aus dem legendär schlechten Robot Monster (1952) oder die T-800 und T-1000 der Terminator-Reihe (seit 1984) bedienten vor allem technikdeterministische Angstvisionen. Der Regisseur Jake Schreier wirft einen optimistischeren Blick in die nahe Zukunft. In seinem Erstling Robot & Frank wendet er sich den positiven Einflüssen zu, die Roboter für unsere Zukunft bereithalten und an denen bereits mit Hochdruck geforscht wird. Robot & Frank ist aber kein futuristischer Sci-Fi-Knaller, sondern eine Tragikomödie, die sich neben dem Thema Mensch-Maschinen-Beziehung vor allem mit dem Älterwerden und mit Demenz beschäftigt.

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Mit dieser Krankheit hat in Robot & Frank der pensionierte Juwelendieb Frank (Frank Langella) zu kämpfen. Er lebt zurückgezogen in einem New Yorker Vorort und verlässt sein Landhaus nur, um die Bibliothek und vor allem die hübsche Bibliothekarin Jennifer (Susan Sarandon) zu besuchen. Den Weg dahin legt er stur auf der Straßenmitte zurück. Die Elektroautos müssen ihm dabei ebenso ausweichen, wie er der Zukunft ausweicht. Doch die klopft unweigerlich an seine Tür, als ihn sein Sohn Hunter (James Marsden) besucht. Besorgt um den Zustand seines Vaters, stellt er ihm einen Roboter (gesprochen von Peter Sarsgaard) vor die Tür. Der soll Frank den Haushalt erleichtern und seinen Alltag strukturieren. Während die freundliche Maschine dafür Gartenarbeit vorschlägt, hängt Frank der glorreichen Zeit nach, als kein Safe vor ihm sicher war. Als er den Roboter für erneute Raubzüge einspannen will und der wiederum registriert, wie sein Besitzer dadurch aufblüht, gehen die beiden eine Partnerschaft ein. Doch obwohl Frank so versucht, die Kontrolle über sein Leben wiederzuerlangen, erreicht er doch das Gegenteil.

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Mit Frank Langella hat Jake Schreier einen Glücksgriff getan. Der wandelbare Schauspieler wurde mit seiner Darstellung in Dracula (1979) bekannt und überzeugt seitdem immer wieder auch auf der Bühne. Mit facettenreicher Mimik vereint er in der Darstellung des Titelhelden das verschmitzte Lächeln eines nicht mehr großen, aber immer noch stattlichen Mannes und gleichzeitige Schwermut.

Denn Frank hat längst aufgehört, sich mit Gegenwart und Zukunft zu beschäftigen. Deshalb fehlt ihm auch der Bezug zu seinen Kindern, die ihm wiederum seine kriminelle Vergangenheit nachtragen. Seine Zuneigung vermag er nur auszudrücken, indem er ihnen Diebesgut schenkt. Erst zu dem Roboter, dem Franks Vergangenheit egal ist, entwickelt er Gefühle. Dabei weist dieser Frank immer wieder darauf hin, dass er nur eine Maschine ist, die ihrem Algorithmus folgt. Seine Fähigkeit, von Frank zu lernen und so für ihn zu sorgen, offenbart eine zynische Wahrheit: Frank spricht eigentlich doch nur zu einem Abbild seiner selbst und bestätigt das noch, als er sich weigert, die Beweismittel im Roboterhirn, seinem ausgelagerten Gedächtnis, zu löschen.

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Hier liegt die tragikomische Achse, um die sich der Film bewegt. Seine melancholische Seite zeigt sich zunächst nur in Frank Langellas Spiel, drängt später aber in den Kern der Handlung, ohne zu mächtig zu werden. Obwohl Franks Geschichte das Potenzial hat, einige Schwermut loszulösen, gibt sich der Film dem nie so ganz hin, sondern verlegt sich lieber auf augenzwinkernde Szenen um das ungleiche Paar. Vieles daran erinnert an Buddy-Filme wie Das Beste kommt zum Schluss (The Bucket List, 2007) oder zuletzt Ziemlich beste Freunde (Intouchables, 2011). Dennoch ist die Sache hier anders gelagert, da sich nicht zwei Protagonisten gegenseitig helfen, sondern lediglich Frank es ist, der Hilfe braucht. Auch stellt die Maschine keinerlei Gefahr dar. Wenn man sie nicht mehr braucht, schaltet man sie einfach aus.

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Mit der Darstellung des Roboters als Helfer mit sympathischer Stimme und Franks durch ihn wieder erwachender Lebensfreude spricht sich Robot & Frank für ein unverkrampfteres Verhältnis zur Technik aus. Filmisch bleibt der humanoide Roboter das futuristischste Element. Robot & Frank ist ein kleiner Indie-Film, der mit keiner überkandidelten Technologieschau aufwarten kann. Stattdessen ist der Roboter ein erstaunlich gut funktionierendes Vehikel, mit dem der Regisseur seine Themen transportiert und illustriert. Durch die Gegenüberstellung von elektronischem Computerhirn und der fragilen menschlichen Physis gelingt eine spannende neue Annäherung an die kinematografisch bereits durchexerzierten Themen des Films, der am Ende sogar noch zu einer überraschenden Wendung findet.

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