Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe

Leander Haußmann träumt in seiner neuen Komödie von der Liebe zu älteren Frauen und versetzt Die Reifeprüfung in das Zeitalter der Videospielindustrie.

Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe

Es ist wie ein Fluch, die Sache mit dem Namen: Dass seine Eltern ihn ausgerechnet Robert nennen mussten – Robert Zimmermann (Tom Schilling) trägt den bürgerlichen Namen von Bob Dylan, eine Parallele, die seinen Altersgenossen nicht unbedingt auffällt. Wohl aber Monika (Maruschka Detmers), doch die ist auch einige Jahre älter als Robert. Sie lernen sich in Monikas  Schnellreinigung kennen und der smarte Mittzwanziger, von Beruf Videospieldesigner, ist auf der Stelle über beide Ohren verliebt. Wie er sich mit Ausdauer ins Herz der 45-jährigen charmiert, erzählt Regisseur Leander Haußmann als knallbunten Liebesreigen, der auch vor Tanzen im Brunnen und Bänkelgesängen im Regen nicht halt macht.

Tom Schilling, der mit seinem jungenhaften Aussehen neben Maruschka Detmers wie ein Teenager wirkt, passt optisch perfekt in die Rolle des viel zu jungen Liebhabers. Als Robert versucht er, zwei gegensätzliche Welten unter einen Hut zu bringen: auf der einen Seite die Ego-Shooter-Welt spätpubertierender PC-Geeks, auf der anderen die mit allerlei 70er-Jahre-Versatzstücken geblümte Welt der endgültig Erwachsenen, die Besseres zu tun haben, als dem nächsten Highscore nachzujagen. Der Clash dieser Welten ist der Motor der Geschichte: Robert wirkt beim Trivial-Pursuit-Abend von Monikas Freunden genauso fehl am Platz, wie sie im blauen Paillettenkleid auf der Release-Party seines neuesten Videospiel-Erfolgs.

Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe

Es wird sehr schnell klar, auf welcher Seite Leander Haußmanns Sympathie liegt, denn nur die Darstellung einer der beiden Welten zeugt von Kenntnis und Wohlwollen. Roberts „natürliches Umfeld“ kommt dabei sehr schlecht weg. Das liegt vor allem an angestrengten Dialogen, die übermäßig vollgestopft sind mit vermeintlichem Gamer-Slang. Da werden Vokabeln wie „dumpen“ oder „connecten“ in die Runden geworfen, Roberts Mitarbeiter überbieten sich mit coolen Sprüchen, und der Boss ist ein peinlich junggebliebener Hippster.

Alles schreit nach Parodie: vom Schweißband des Chefs über Roberts mit Videospielmemorabilia bestückte Designerwohnung bis hin zu Diskussionen über Bugfixes und Bodycounts – hier soll eine nerdige Subkultur vorgeführt werden. Das Problem ist, dass man das Gefühl nicht los wird, Haußmann habe keine Ahnung vom Milieu, das er da durch den Kakao zieht. Zu wenig verlassen Figuren und Kulissen das Reißbrett, zu sehr sind die Dialoge mit Fachchinesisch zugemüllt, das allein durch seine bloße Aneinanderreihung noch kein humoristisches Potential entfaltet.

Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe

Ganz anders, wenn Haußmann sich den „Erwachsenen“ zuwendet und Roberts dysfunktionale Familie seziert. Hier kultiviert der Regisseur einen liebevollen Blick auf die Unzulänglichkeiten der bürgerlichen Patchwork-Familie. Jeder bricht auf seine Weise aus dem engen Korsett der langweiligen Angepasstheit aus: Der Vater (Adam Oest) schafft sich eine neue, sehr junge Freundin an, Roberts Schwester (Annika Kuhl) hat eine lesbische Geliebte, wünscht sich aber heimlich ein Kind, und die Mutter (Marlen Diekhoff) flüchtet nach Japan. Jedes Wochenende trifft man sich beim Sonntagsbraten und handelt große und kleine Probleme aus.

Der Film bebildert souverän und pointiert den staubigen Stillstand der Zimmermanns. So hat etwa Vater Zimmermann Roberts Elternhaus an eine Filmproduktion vermietet, die, während sich das Familiendrama am Sonntagstisch entspinnt, im Nebenzimmer einen Film über die Entstehung der Bundesrepublik dreht. Da stapft Adenauer durch den Vorgarten, ständig muss man leise reden, um die Tonaufnahmen nicht zu stören, und der emotionale Überdruck entlädt sich in wortlosen Apfelmusschlachten. Hier stimmen Dialoge und Timing und wecken in den besten Momenten Erinnerungen an Haußmanns Kinodebüt Sonnenallee (1999). Der Regisseur hatte sich zuletzt schwer getan, an die Qualitäten seines Erstling anzuknüpfen und dümpelte mit Wehrdienstpossen (NVA, 2005) und dümmlich-banalem Geschlechterkampf (Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken, 2007) in zotigen Untiefen des Kinohumors. In Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe steuert er nun gegen und findet – zumindest streckenweise – zu dem verschmitzten Erzählstil und Erfindungsreichtum zurück, der seine DDR-Jugenderinnerungen so amüsant machte.

Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe

„Die Pfade der Liebe sind voll Eiter und Blut“, singt Sven Regener dazu, dessen Band Element of Crime den lakonisch kommentierenden Soundtrack beisteuert. Der bedient sich atmosphärisch sowohl bei Dylan, als auch bei Simon and Garfunkel, die ihrerseits mit „Mrs. Robinson“ einen weiteren Referenzpunkt von Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe vertonten: Mike Nichols Die Reifeprüfung (The Graduate, 1967).

Diese Referenzen sind auch oft das Gesprächsthema von Haußmanns Figuren, was manchmal etwas pädagogisch wirkt. Wenn mehrfach Simon-and-Garfunkel-Platten in die Kamera gehalten werden oder Monika ihrem jungen Verehrer Nachhilfe in Filmgeschichte gibt, dann wirkt das ganz so, als müsse nicht nur Robert, sondern auch dem jüngeren Kinopublikum ständig erklärt werden, wo der Witz liegt. Das ist meist unnötig und hemmt zudem den Fluss der ansonsten sehr charmanten und verspielten Liebesgeschichte, die auch ohne allzusehr ausbuchstabierte Erklärungen funktionieren könnte. Haußmanns Darsteller und sein Gefühl für Situationskomik und Wortwitz geben ausreichend Anlass zum Schmunzeln, auch wenn man nicht weiß, wer „Scarborough Fair“ geschrieben hat oder der Woodstock-Soundtrack in der MP3-Sammlung fehlt.

Trailer zu „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“


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