Frost/Nixon

In seiner Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks von Peter Morgan widmet sich Ron Howard einem legendären Fernsehduell.

Frost/Nixon

Es war im April 1977, als Richard Nixon, aufgrund der Watergate-Affäre bereits drei Jahre seines Amtes als Präsident enthoben, dem britischen Fernsehmoderator David Frost ein mehrstündiges Exklusiv-Interview gab. Nachdem sich Nixon in diesem Duell lange Zeit überlegen fühlte, gelang es Frost schließlich doch noch, den Ex-Präsidenten verbal in die Ecke zu drängen. Neben Äußerungen wie „when the president does it, that means that it is not illegal“ entlockte Frost seinem Gegner sogar eine Entschuldigung beim amerikanischen Volk für seine politischen Fehltritte.

Der britische Dramatiker und Drehbuchautor Peter Morgan bewies bereits mit The Deal (2003) und The Queen (2006) sein Faible für die Dramatisierung historischer Ereignisse. In seinem Theaterstück Frost/Nixon (2006) nahm er sich der folgenreichen Begegnung an und konzentrierte sich dabei nicht ausschließlich auf das Gespräch selbst, sondern auch auf den beschwerlichen Weg dorthin: Wie sich Frost verschuldet, um Nixons horrende Gage bezahlen zu können, wie er erfolglos versucht, einen Fernsehsender dafür zu begeistern, und das Gespräch mit seinen Verbündeten vorbereitet. Hierbei stützt sich Morgan nicht nur auf Fakten, sondern erweitert sein Stück auch um einige fiktive Passagen.

Frost/Nixon

In der Leinwandadaption von Frost/Nixon baut Regisseur Ron Howard vor allem auf der erfolgreichen Broadway-Inszenierung auf. Sowohl Michael Sheen als David Frost wie auch Frank Langella als Richard Nixon wurden aus der Originalbesetzung übernommen, während Nebenrollen wie Nixons rechte Hand und der TV-Reporter Bob Zelnik von prominenten Schauspielern wie Kevin Bacon und Oliver Platt verkörpert werden. Ganz im Sinne der Bühnenfassung ist Frost/Nixon auch ein Film geworden, dessen Augenmerk vor allem auf der Leistung seiner beiden Hauptdarsteller liegt.

In dekorativer Retro-Kulisse zeigt Howard zwei erbitterte Gegenspieler, die sich zwar durch ihren Lebensstil und die politische Gesinnung stark unterscheiden, ansonsten aber viel gemeinsam haben. Sowohl Nixon wie auch Frost befinden sich auf dem Tiefpunkt ihrer Karriere und sehen das Interview als letzte Chance, etwas an diesem Zustand zu ändern. Die gemeinsame Herkunft aus der Arbeiterklasse und der dadurch umso mühsamere soziale Aufstieg werden zum Konsens zwischen den beiden Kontrahenten und zum Inhalt eines fiktiven Telefongesprächs, dass der stark alkoholisierte Nixon eines Nachts mit Frost führt.

Bei der Darstellung Nixons, der immerhin zu den unbeliebtesten Präsidenten der USA zählt, bleibt Howard etwa im Gegensatz zu Oliver Stone (Nixon, 1995) ausgesprochen milde. Zwar macht der Film keinen Hehl aus dessen rechtskonservativer Einstellung, – Nixon ist etwa sichtlich angewidert, als er erfährt, dass Frost mit einer Schwarzen verheiratet war, und mokiert sich über die femininen Schuhe seines Gegners –; trotzdem inszeniert ihn Howard so menschlich wie nur möglich. So brilliert der Ex-Präsident nicht nur durch sein rhetorisches Talent beim Schlagabtausch mit Frost, er wird auch als ebenso geistreiche wie verletzliche Figur gezeichnet.

Frost/Nixon

Um mit seinem Film auch ein nicht-amerikanisches oder politisch weniger gebildetes Publikum zu erreichen, nutzt Howard die ersten Minuten dazu, seine Zuschauer durch Nachrichtenbilder und Tondokumente mit jenem Ereignis vertraut zu machen, das Nixon zu Fall brachte. Inhaltlich spielt die Watergate-Affäre nach dem Einsetzen der Handlung jedoch keine weiterreichende Rolle. Vielmehr dient der Anfang ebenso wie die immer wieder die Handlung unterbrechenden, inszenierten Interviewpassagen, in denen die Figuren die Ereignisse reflektieren, als Verweis auf die Authentizität des Gezeigten. Für die Handlung sind diese Passagen überflüssig. Sie betonen lediglich zusätzlich die Bedeutung der Ereignisse und blasen den Mythos um die Begegnung zwischen Frost und Nixon weiter auf.

Letztlich erzählt Howard eine klassische David-gegen-Goliath-Geschichte und propagiert die typisch amerikanische Arbeitsmoral, nach der man selbst den aussichtslosesten Kampf gewinnt, wenn man es nur beharrlich versucht. Frost/Nixon ist demnach auch weder Geschichtsstunde noch gar politischer Film, sondern in erster Linie solide inszeniertes Schauspielkino ohne besondere Ecken und Kanten.

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Kommentare


Thomas Schönrock

Absolut treffend! Endlich habe ich die Watergate-Affäre verstanden. Nehme mir Ihre Kritik zum Vorbild.Für mein Studium gibt es einige Anregungen enthalten.Ich würde gern mehr erfahren.(Autor) Danke.






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