Ein perfektes Paar – Kritik

In atmosphärisch dichten Bildern erzählt Nobuhira Suwa die Geschichte von Marie und Nicolas, einem Ehepaar, welches nach Jahren gemeinsamen Zusammenlebens emotional an einem toten Punkt angekommen ist.

Ein perfektes Paar

Ein perfektes Paar fährt nach Paris, das erste Mal seit Jahren. Sie schlafen in getrennten Betten, nachts werden die Türen des Doppelzimmers geschlossen. Am Ende wechselt sie in ein separates Zimmer, er zieht währenddessen durch die nächtlichen Straßen der Stadt. Marie (Valeria Bruni-Tedeschi) und Nicolas (Bruno Todeschini) sind seit fünfzehn Jahren verheiratet, und das Ende ihrer Beziehung scheint ausgerechnet zeitgleich mit der Hochzeit von Freunden beschlossen zu werden. Der Zynismus, welcher in diesen Zeilen mitschwingt, findet sich aber zu keinem Zeitpunkt in Ein perfektes Paar (Un couple parfait) wieder. Regisseur Nobuhiro Suwa scheint stattdessen in seinem vierten Spielfilm keinen Augenblick daran zu zweifeln, dass wir tatsächlich ein solches Paar auf der Leinwand sehen.

Ein perfektes Paar

Ein perfektes Paar umgibt von Beginn an eine Aura des Danachs, nach der großen Liebe, aber auch: nach ständigen Reibereien, Streitigkeiten und endlosen Gesprächen, wie alles wieder ins Lot gebracht werden kann. Die Vergangenheit wird dabei abstrakt und vage belassen, mehr als Andeutungen werden keine geliefert. Was zählt, ist das Jetzt und wie man damit umgeht.

Die Beziehung zwischen Nicolas und Marie lässt sich am ehesten als eine liebevolle, zarte Resignation umschreiben – weit entfernt von einem Rosenkrieg. Als sie mit Freunden essen gehen, nimmt die Ankündigung ihrer baldigen Scheidung das befreundete Paar weit mehr mit als die eigentlich Betroffenen. Später, im Hotelzimmer, er auf der einen Seite des Raumes, sie auf der anderen, bezeichnet Marie ihren Mann als oberflächlich, langweilig und äußert schließlich: „Ich liebe dich nicht.“ Doch auch in diesen Momenten kommt es zu keinen großen Gefühlsausbrüchen.

Ein perfektes Paar

Nobuhiro Suwa erzählt diese Geschichte mit einer ungeheuren Präzision, kein Satz, keine Geste und keine Bewegung sind dabei überflüssig. Zusammen mit den Schauspielern erarbeitete Suwa, der kein Französisch spricht und auf die Hilfe einer Übersetzerin angewiesen war, in Proben und auf dem Set die Dialoge, einen Drehbuch-Credit gibt es nicht.

Nicht nur der fehlende Autoren-Hinweis fällt im Abspann auf. Auch die gleichzeitige Nennung der Kamerafrau und künstlerischen Leiterin Caroline Champetier mit Regisseur Suwa unterstreicht mit Nachdruck Champetiers Arbeit.

„Ich bin müde“, sagt Marie im Film. Doch anstatt dies aus der Handlung heraus zu entwicklen, vermitteln die Bilder dieses Gefühl. In stoischen, meist bewegungslosen Einstellungen beobachtet die Kamera die Protagonisten, und abgesehen von wenigen Ausnahmen wird eine räumliche Distanz zu den Schauspielern eingehalten. Das Resultat ist eine Atmosphäre, unter deren Schwere Marie und Nicolas Gefahr laufen, erdrückt zu werden.

Ein perfektes Paar

Ein perfektes Paar stellt in doppelter Hinsicht eine Fortführung von Suwas vorhergehenden Werken dar. Wie schon in Mutter auf Zeit (M/Other, 1999) ist sein neuester Film äußerst stringent umgesetzt und in visuell bestechenden Bildern erzählt. Bereits mit H Story (2001) drehte Suwa zudem quasi ein Remake von Alain Resnais´ Klassiker Hiroshima mon amour (1959). In Ein perfektes Paar greift er erneut auf einen Meilenstein des europäischen Nachkriegsfilms und einen weiteren Begründer des modernen Films zurück. Roberto Rossellini zeigte in Liebe ist stärker (Viaggio in Italia, 1954), dass es möglich war, den einfachsten Film der Welt zu machen, indem er ohne Set eine Liebesgeschichte in einem natürlichen Umfeld drehte. Suwa folgt diesem Prinzip: Wieder steht ein Paar im Mittelpunkt, welches in den Urlaub fährt, an dessen Ende eine Trennung wartet. Doch genau wie bei Rossellini – jedoch ohne die religiöse Komponente – endet auch Ein perfektes Paar mit einem kleinen Wunder.

Trotz dieser bewusst gesuchten Nähe zum Vorbild gelingt Suwa das Kunststück, einen gänzlich eigenständigen Film zu machen, dessen ganze Dramatik aus einer ungeheuerlichen Schauspieler-Präsenz und einer betörenden Atmosphäre resultiert. Und am Ende ist es nun da, das perfekte Paar – so perfekt, dass man sich Valeria Bruni-Tedeschi und Bruno Todeschini gar nicht mehr getrennt vorstellen kann.

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Kommentare


Danie

Einfach perfekt langweilig. Der wiederholte Satz "Ich bin müde" mach den Zuschauer sehr bald müde. Die Dialogue sind schwach und leise gesprochen, wenn man nicht alles mitbekommt, hat man nichts versäumt. Ich habe mich seit langem nicht so im Kino gelangweilt. Schade um die Zeit und das Kinogeld.






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