Don 2

Bollywood vs. Hollywood. In der Fortsetzung seines Kassenerfolgs Don 2 nähert sich Farhan Akhtar westlichen Sehgewohnheiten an. 

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„Don zu fassen ist nicht schwer, es ist unmöglich“ Mit diesem Schlüsselsatz ist das Rezept von Farhan Akhtars Remake des indischen Actionabenteuers Don (1978) gut beschrieben. Schließlich geht es darin um einen schmierigen Mafiaboss mit beinahe übersinnlichen Fähigkeiten, der die Frauenwelt in die Knie zwingt und die Hüter des Gesetzes zur Verzweiflung treibt. So ist Don – Das Spiel beginnt (Don, 2006)  dann auch in erster Linie eine dreistündige Demonstration der Überlegenheit seines Protagonisten.

Wenn nun auf den Kinoplakaten des Sequels Don 2 „The King is back“ geschrieben steht, ist nicht ganz klar, ob damit die Figur des großspurigen Obergangsters gemeint ist oder doch Hauptdarsteller Shah Rukh Khan. Der Bollywood-Superstar hat es mittlerweile auch im Westen zu viel Ruhm gebracht, und es erstaunt nicht, dass Akhtar den Film ganz auf seine Person zugeschnitten hat. Interessant dabei ist vor allem, dass es im ansonsten eher züchtig konservativen Bollywood-Kino nicht alltäglich ist, einen Drogendealer, Dieb und Mörder zum Sympathieträger zu machen.

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Wie im ersten Teil muss sich Don auch diesmal mit der Polizei und intriganten Kollegen herumschlagen. Seine Flucht treibt ihn dabei zunächst in ein Hochsicherheitsgefängnis, wo er seinen ehemaligen Erzfeind Vardhaan (Boman Irani) rekrutiert, und später nach Berlin, um an die Druckplatten der deutschen Zentralbank zu kommen. Mit jedem Coup und jeder Verfolgungsjagd markiert der Titelheld aufs Neue sein Revier. Kaum wird er eingekreist, verschwindet er spurlos. Hat man ihn bis auf das Dach des Berliner Park Inn Hotels verfolgt, entkommt Don mit einem Bungeesprung auf den Alexanderplatz.

Bei einem derart überzeichneten Helden passt Khans immer etwas überzogene Spielweise erstaunlich gut. Statt einer differenziert gezeichneten Figur verkörpert er eher eine Karikatur. Man könnte denken, es handle es sich um ein kulturelles Übersetzungsproblem, dass Don, wenn er süffisant grinst, mit den Augenbrauen spielt und seine Mackersprüche auf Englisch zum Besten gibt, eher peinlich als cool wirkt. Doch letztlich verhält es sich bei einem amerikanischen Kollegen wie Tom Cruise nicht viel anders.

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Die Faszination, die in unseren Breiten dem Bollywood-Kino entgegengebracht wird, hängt nicht zuletzt mit seiner Exotik zusammen. Die indische Traumfabrik bietet etwa Zuschauern mit Migrationshintergrund die seltene Möglichkeit, einen Blockbuster mit nicht-weißen Helden zu sehen. Doch auch in anderen Bereichen besteht die Qualität dieser Filme vor allem in ihrer Differenz zu Hollywood. Das betrifft die Songs, die wie eigenständige Musikvideos funktionieren, ebenso wie das epische und genreübergreifende Erzählen. Obwohl Don – Das Spiel beginnt sich ganz offensichtlich an amerikanischem Genrekino orientiert, ergeht es sich dabei doch immer wieder in Bollywood’schen Extravaganzen.

Diese Eigenheit ist der Fortsetzung etwas abhanden gekommen. Das liegt mit Sicherheit an der ständig wachsenden Fangemeinde im Westen, aber auch daran, dass es sich bei Don 2 um eine deutsche Koproduktion handelt. Schon bei My Name is Khan (2010) wurde der Graben zwischen indischen und westlichen Sehgewohnheiten deutlich. Obwohl der Film als Zugeständnis für den amerikanischen und europäischen Markt auf Songs ganz verzichtete, wurde die deutsche Kinofassung immer noch um fast vierzig Minuten gekürzt.

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Diesmal gibt es zwar eine einheitliche Fassung, die mit 144 Minuten aber unüblich kurz ist und auch deutlich weniger Gesangsszenen beinhaltet. So ist Don 2 im Vergleich zu seinem Vorgänger ein äußerst geradliniger Actionfilm, der auf eine Vielzahl von Erzählsträngen und Ausflüge in andere Genres verzichtet. Diese globalisierte Version von Bollywood ähnelt mit ihrem Faible für aufwändige Einbrüche, das Spiel mit verschiedenen Identitäten und die Wirkungskraft exotischer Schauplätze vor allem den Filmen der Mission Impossible-Reihe.

Das heißt allerdings weder, dass sich Farhan Akhtar ganz dem westlichen Markt angebiedert hat, noch, dass sein Film lediglich ein müder Hollywood-Abklatsch ist. Der verschwenderische und spielerische Umgang mit unterschiedlichen Stilmitteln sticht immer noch ins Auge, und der Einbruch in die Zentralbank – das Herzstück des Films – ist dichtes und rasantes Actionkino, wie man es nicht alle Tage bekommt. Und auch wenn Don 2 ein wenig in der Identitätskrise steckt, handwerklich kann er sich durchaus sehen lassen. 

Trailer zu „Don 2“


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