Die Reise des jungen Che

Die Reise des jungen Che (Diarios de motocicleta) erzählt die Reise des damals noch unbekannten Ernesto „Che“ Guevaras und seines Freundes Alberto Granado, ausgehend von ihrer Heimat Argentinien nach Venezuela, die sie während, bzw. nach ihrem Studium unternahmen. Walter Salles zeigt eindrucksvoll die Reise zweier junger Männer, die als Abenteuer beginnt und für sie als Offenbarung endet.

Die Reise des jungen Che (Diarios de motocicleta)

Che Guevara: Revolutionär, Mythos, Popstar. Er fasziniert noch immer Menschen in aller Welt, so sehr, dass er jetzt als Ausgangspunkt für zwei sehr unterschiedliche Filmprojekte dient: Steven Soderbergh übernahm von Terrence Malick das Projekt Che, ein Drama, das die letzten Tage des Argentiniers beleuchtet. Der Brasilianer Walter Salles widmet sich in seinem von Robert Redford produzierten Diarios de Motocicleta (Die Reise des jungen Che) dem jungen Ernesto Guevara de la Serna, der sich mit seinem Freund Alberto Granado auf eine Reise durch Südamerika begibt.

Diarios de Motocicleta ist seinem berühmten Vorgänger Central do Brasil (Central Station, 1998), der die Geschichte einer Freundschaft zwischen der vom Leben enttäuschten Dora und dem Jungen Josué erzählt, gar nicht so unähnlich. Dort begibt sich die vom Leben enttäuschte Dora (Fernanda Montenegro) mit dem kleinen Josué auf die Suche nach dessen Vater und findet dabei zu sich selbst. Auf ihrer Reise durch Brasilien lernt das ungleiche Paar viele Einwohner des Landes mit ihren unterschiedlichen Lebensweisen kennen. Salles erstellt ein Mosaik an Bildern von Menschen und Landschaften Brasiliens, ein Bilderbogen, der zusammengehalten wird durch die Geschichte von Dora und Josué. Ähnlich geht er auch in Diarios de Motocicleta, den Motorrad-Tagebüchern, vor.

Die Reise des jungen Che (Diarios de motocicleta)

Zwei Männer auf dem Motorrad, das erinnert entfernt an Easy Rider (1967). Aber „La Poderosa“, die „Allmächtige“, wie die Freunde ihr Gefährt optimistisch nennen, gibt schon im benachbarten Staat seinen Geist auf und zwingt Ernesto und Alberto ihre Reise zu Fuß zurückzulegen, die erst dann so richtig beginnt. Salles erzählt eine Initiationsgeschichte, die sich an der Ästhetik von Road Movies orientiert. Obwohl man die Biographie Che Guevaras im Kopf hat, wenn man Gael García Bernal, Südamerikas aufgehenden Star, beim nuancierten Spiel zusieht, erzählt der Regisseur im Grunde genommen nur die Geschichte zweier junger Männer aus gutem Hause, die auf ihrem Weg durch Südamerika Erfahrungen machen, die sie das Leben aus einer anderen Perspektive betrachten lassen. Die Tatsache, dass Ernesto, im Jahr der Reise, 1952, ein junger Medizinstudent, später zum Revolutionsführer und Helden Südamerikas werden würde, ist für den Film nicht entscheidend.

Die anfängliche Atmosphäre des Abenteuers, untermalt von der heiteren Musik Gustavo Santaolallas, der bereits die Musik für den erfolgreichen mexikanischen Film Amores Perros (2000) schrieb, der den Grundstein für García Bernals internationale Karriere legte, ändert sich im Verlauf des Films. Sie wird getragener und schwerer. Die Begegnungen mit Menschen, von deren Existenz die Männer, wenn überhaupt, nur aus Büchern gehört hatten, sind die Bausteine der Geschichte, der Collage, die Salles in seinem neuen Film konstruiert: ein Bilderbogen Südamerikas.

Die Reise des jungen Che (Diarios de motocicleta)

Walter Salles, der vor Central Station als Dokumentarfilmer gearbeitet hat, betont, dass sich Südamerika in den letzten 50 Jahren nicht sehr verändert habe, dass die Crew während des Drehs, der in chronologischer Reihenfolge stattfand, um, so der Regisseur, dem Geist der Reise treu zu bleiben, ähnliche Erfahrungen gemacht hätten wie Ernesto und Alberto. Manche der im Film gezeigten Begegnungen mit den Einwohnern hätten sich einfach ergeben. Diese Momente im Film, in denen Fiktion und Dokumentation sich zu treffen scheinen, bei denen man als Zuschauer das Gefühl hat, die Erfahrungen mit Ernesto und Alberto und gleichzeitig mit den Darstellern Gael Garcia Bernal und Rodrigo de la Serna (Alberto Granado) zu erleben, sind die starken Szenen in Diarios de Motocicleta. Der Film ist wie Central do Brasil ein gelungener, sanfter politischer Kommentar zur Situation Südamerikas und nutzt das mythische Potential der historischen Figur, die wie keine andere die Einheit des Kontinents gefordert und dafür gekämpft hat. Der deutsche Titel, Die Reise des jungen Che, ist dabei allerdings irreführend. Der politische Aspekt des Films vermittelt sich nicht durch die Figur Che Guevaras, sondern durch die Präsentation der Völker Südamerikas und deren Lebensumstände. Unaufdringlich stellt Walter Salles, zum Teil mit prächtigen, postkartenähnlichen Landschaftsbildern, zum Teil mit Porträts der Einwohner, die er zum Schluss des Films noch einmal in Schwarz-Weiß vorüberziehen lässt, einen Kontinent vor, den Che Guevara einen wollte und der bis heute diese Einigung nicht vollzogen hat.

 

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