Constantine

Wer Engel und Dämonen sieht, hat keinen leichten Arbeitstag: John Constantine (Keanu Reeves) sorgt dafür, dass Halbwesen aus der Hölle schnell wieder dorthin zurückkehren. Nachdem er dem Hilfegesuch einer Polizistin nachgegeben hat, muss er feststellen, dass das Gleichgewicht zwischen Himmel und Erde gestört ist. Ein spannender Actionfilm, der Film-Noir- mit Comic-Ästhetik verbindet und mit gelungenen Special Effects unterhält.

Constantine

Wenn Hollywood Engel auf die Leinwand bringt, sind diese selten Unschuldslämmer und ungebrochene Charaktere. Nicht häufig sind sie allerdings so androgyn-engelsgleich und zugleich so intrigant wie die brillante Tilda Swinton als Erzengel Gabriel in Constantine. Gabriel gehört zu jenen Zwischenwesen aus Himmel und Hölle – Dämonen und Engel –, die sich auf der Erde bewegen, ohne allerdings direkt in das Leben der Menschen einzugreifen. Denn, das ist die Prämisse des Films, Gott und Luzifer haben die Übereinkunft geschlossen, dass beide auf der Erde allenfalls über Einflüsterungen und dergleichen Einfluss auf die Menschen ausüben dürfen; auf Kosten der Menschen entsteht so ein spannungsreiches Gleichgewicht.

Das Wertesystem, in dem sich Constantine bewegt, ist eines von Gut und Böse, in dem die Menschen für ihre Handlungen verantwortlich sind und nach ihrem Tode aufgeteilt werden: die Sünder in die Hölle, die Guten in den Himmel. In dieser Welt ist der Titelheld John Constantine (Keanu Reeves), der – anders als die meisten Menschen – Dämonen und Engel erkennen kann, zur Hölle verdammt, da er Selbstmord begangen hat. Nachdem er zur Erde zurückgeschickt wird, bekämpft er die Zwischenwesen aus der Hölle, um sich so den Zugang zum Himmel zu erkaufen – ein aussichtloses Unterfangen, da es von egoistischen Motiven bestimmt ist.

Constantine

Dann bittet jedoch die Polizistin Angela Dodson (Rachel Weisz) Constantine um Hilfe. Ihre Schwester, eine strenggläubige Katholikin, hat angeblich Selbstmord begangen; Angela vermutet jedoch, dass sie ermordet wurde. Als sie beginnen, Nachforschungen anzustellen, verdichten sich alsbald die Zeichen, dass das Gleichgewicht zwischen Himmel und Erde empfindlich gestört worden ist.

Constantine beruht auf der erfolgreichen Comicreihe Hellblazer. Um in einem zweistündigen Film Platz zu finden, wurde die Originalgeschichte jedoch gekürzt und auch aus marktstrategischen Gründen leicht abgewandelt. So wurde unter anderem die Handlung von Großbritannien nach Kalifornien verlegt, sowie mit Keanu Reeves ein US-Star als Hauptdarsteller engagiert.

Reeves im offensichtlich vom Film Noir inspirierten Setting von Constantine agieren zu sehen, ist eine durchaus irritierende Erfahrung. Regisseur Francis Lawrence, der bisher vor allem Musikvideos gedreht hatte, überrascht mit ruhigen Bildern, die spüren lassen, dass er sich von der Ästhetik des Hellblazer-Mediums hat leiten lassen; Totale, die an Comicpanels erinnern und in unterschiedlichen Farbtönen gehaltene Bilder – bläulich im Krankenhaus, leicht bräunlich bei Constantine zuhause, usw. – sind alles Darstellungsformen, die unmittelbar den Seiten von Hellblazer entliehen sind. Zuweilen werden sie dadurch – und darin besteht die Irritation – den Bildern aus The Matrix (1999), die sich ihrerseits stark an Comics orientierten, sehr ähnlich, und auch John Constantine scheint manchmal wie ein Wiedergänger von Reeves´ Figur Neo: Blass und ganz in schwarz gekleidet auf regennassen Straßen, zwischen zwei Welten stehend, für die Rettung der Menschheit kämpfend und gelegentlich vom Drehbuch zu metaphysisch verbrämten Phrasen gezwungen.

Constantine

Doch Reeves´ Erscheinungsbild ändert nichts daran, dass Constantine insgesamt eine auch visuell sehr dichte Erzählung bietet, die über zwei Stunden nicht langweilig wird – selbst wenn es Fans der Hellblazer-Reihe ein wenig an der Düsternis fehlen wird, für die die Comicbände berühmt sind. Bis sich am Ende herausstellt, wodurch Constantine und Angela bedroht sind, müssen sie so einige Auseinandersetzungen in einer Welt führen, die mit christlicher Symbolik be-, wenn nicht überladen ist: Selbst Constantines Gewehr hat die Form eines Kreuzes. Die Dämonen kommen meist in menschlicher und zuweilen in großartig computeranimierter Insektengestalt daher; dagegen ist die Hölle, in die Constantine gelegentlich Ausflüge unternimmt, fast langweilig, sieht sie doch ein wenig aus wie jenes Los Angeles während des Atomschlags, das man in Terminator 2 (1991) gesehen hat: leere Autos und ein steter Feuersturm.

Trotz der zuweilen sehr archaisch anmutenden traditionell-katholischen Weltsicht geht es hier aber nicht staubtrocken zu; bevor auch nur der Gedanke aufkommen kann, allenfalls Luzifer und seine Dämonen griffen zu deutlichen Worten, schätzt Swintons Gabriel Constantines Erlösungschancen in wenig blumiger Sprache als schlecht ein: "You´re fucked." Aber da ist das letzte Wort natürlich noch nicht gesprochen.

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Kommentare


Nihiler

Der Teufel ist amüsant. Keanu Reeves hat nur einen einzigen Gesichtsausdruck, der sich durch seine ganze Filmkarriere zieht. In Matrix passt er perfekt, aber hier ist er eine Fehlbesetzung. Und zu schlechter Letzt: zu viel Filmzeit wird an endlosen sinnleeren Szenen mit Monica Belucci verschwendet, deren Schönheit doch allgemein ziemlich überschätzt wird.


Gabriel

monica bellucci?

da hast du dich vertan oder du hast tomaten auf den augen...jedenfalls ist das rachel weisz und nicht monica!






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