Shootout - Keine Gnade

Eine Gebrauchsanweisung für das Actionkino. Aber wer liest schon die Gebrauchsanweisung?

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Wenn sich zwei Altmeister des Actiongenres treffen, um sich gemeinsam auszutoben, liegen die Erwartungen naturgemäß recht hoch. Regisseur Walter Hill (Nur 48 Stunden, 48 Hrs., 1982; Last Man Standing, 1996) und Sylvester Stallone (Rambo, First Blood, 1982; The Expendables, 2010) prallen erstmals in einem Film aufeinander und probieren sich in der Synthese beider ikonischer Markenzeichen. Diese Zusammenarbeit hat den beiden allerdings selbst wohl mehr Spaß bereitet, als letztlich auf der Leinwand nachvollziehbar wird. Zu sehr bleibt der präzise Inszenierungsstil Hills zugunsten von Stallones eindimensionalen Haudraufqualitäten auf der Strecke, und bei aller Kult-Besessenheit sind die beiden Herren mit Shootout – Keine Gnade (Bullet to the Head) am Wesentlichen vorbeigerauscht: an der rauen Magie, die in ihrem jeweiligen Kino einstmals wirkte. Sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen, das kann ein solches Vorhaben durchaus auszeichnen, so bleibt genügend Raum für den Witz, ohne den einem Projekt wie diesem die Luft zum Atmen fehlte. Aber das Genre selbst, das sollte man schon ernst nehmen, denn wenn man am Sockel pfuscht, steht am Ende der ganze Hokuspokus schief.

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In Shootout – Keine Gnade verkörpert Stallone den Profikiller Jimmy Bobo, der sich ganz nach der vertrockneten goldenen Regel „Vertraue niemanden“ durch New Orleans ballert und nach routiniert behutsamem Augenkontakt die Guten, also Frauen und Kinder, verschont. Nach einem erfolgreichen Auftrag wird sein Partner Louis (John Seda) beim Feierabendwhiskey erstochen. Zeitgleich kommt der junge Detective Taylor Kwon (Sung Kang) aus Washington angereist, um den Mord, den Jimmy und Louis gerade an einem ehemaligen Polizisten begangen haben, aufzuklären. Schnell stellt sich heraus, Jimmy und Taylor haben die gleichen Feinde, also eine Ebene, auf der sie sich verstehen. Hie und da muss der beinharte Jimmy dem unerfahrenen Polizisten-Bubi das Leben retten, und als Dank dafür akzeptiert Taylor, dass ab sofort nach Jimmys Regeln aufgeräumt wird.

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Nachdem nun dieses lieblos zusammengeschusterte Präludium abgehakt ist, die Fronten klar sind und sich die beiden ungleichen Buddys endlich an ihren Putzplan machen können, kommt es noch schlimmer: Alessandro Camon, der für das Drehbuchdesaster, das übrigens auf der Grundlage einer französischen Graphic Novel mit dem englischen Titel Bullet to the Head basiert, verantwortlich zeichnet, lässt seine Höllenangst, am Ende ein substanzielles Klischee vergessen zu haben, unablässig durchschimmern. Er darf beruhigt sein, der Actionbausatz ist vollständig, allerdings auf Kosten jeglicher zumindest grob durchdachten dramaturgischen Logik, die zumindest in Ansätzen gegeben sein muss, damit man als Zuschauer einsteigen kann. Da sitzt zum Beispiel ein besoffener und eben erst zu Brei vermöbelter High-Society-Waschlappen (Christian Slater) auf der Rückbank und möchte sich ein bisschen mit dem Beifahrer prügeln. Dieses kurze und harmlose Zwischenspiel bringt den stählernen Jimmy, der das Auto lenkt, allerdings derart aus dem Konzept, dass er für ein paar Minuten auf die Gegenfahrbahn wechseln und den Geisterfahrer geben muss.

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Nicht besser bestellt ist es um die übrigen Stereotypen, die Shootout auf die Leinwand kippt. Wenn der schmierige Anwalt Baptiste eine Party für seine ebenso schändlichen Gaunergenossen veranstaltet, dann nicht, ohne dass ein Haufen maskierter nackter Frauen à la Eyes Wide Shut (1999) durch die Räume hüpfen und sich der Herrengesellschaft willig ausliefern. Schon klar, nackte Brüste gehören zum Inventar. Wolle man das ernsthaft kritisieren, könnte man dem Actionfilm genauso gut den schnellen Schnitt anlasten. Problematisch wird es allerdings in dem Moment, in dem vor lauter Schablonenreproduktion nicht minder elementare Actionkategorien wie eine avancierte Montage, raffinierte Konfliktsituationen oder schlicht und einfach Spannung verschwitzt werden.

Der Actionfilm ist eine Nummernrevue, gewiss, aber Shootout hat mehr von der Trockenheit eines veralteten Benutzerhandbuchs als von der Rasanz und den Schauwerten seiner gelungeneren Genrekollegen. Und selbst wenn der Realitätsbezug der Feind des Genres ist – auch der Actionfilm kennt eine Realität, zumindest eine, die er selbst erschaffen hat, und der tun Abgeschlossenheit und Einheit durchaus gut. Altes herauszukramen und nebeneinander zu stellen genügt dafür nicht, und wenn man bei der Struktur an Schrauben spart, dann bleibt am Ende lediglich eine holprige Achterbahnfahrt durch die Attrappen der Originale.

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Am Ende gibt es aber doch noch einen Trumpf, den Shootout meisterlich auszuspielen weiß: Sylvester Stallones ausdruckslosen, ja leblosen Blick. Ein Blick, der alles in sich aufnehmen kann, der alles bedeuten will, wo er doch nichts bedeutet. Zwei halb offene Augen blicken als Schlächter ebenso wie als liebender Vater, als moralfreier Rächer ebenso wie als barmherziger Robin Hood. Blicken ohne zu erkennen, das ist zwar kein Schauspiel, aber es bleibt sich immerhin selbst treu. Denn was will man schon entdecken, wenn man sich selbst ins karge Exil verbannt, dorthin wo alle Zeitlichkeit, aller Wandel der Welt nicht wirken will.

Trailer zu „Shootout - Keine Gnade“


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