Bis zum Ellenbogen

Von den Schweizer Alpen bis zum Sylter Ellenbogen führt das Regiedebüt von Justus von Dohnányi. Mit wenig Budget ist eine halb improvisierte Komödie entstanden, die alte Gags recht frisch aussehen lässt. Der Regisseur und Drehbuchautor spielt selbst eine tragende Rolle: eine Leiche.

Bis zum Ellenbogen

Während sich, einer nicht totzukriegenden Legende zufolge, ganz Deutschland über die Fußball-Weltmeisterschaft freute und über das damit einhergehende volksübergreifende gegenseitige Gutfinden, drehten drei Freunde einen kleinen Film, in dem der einzige Mensch mit den Deutschlandfarben im Gesicht, nun ja, tot ist. Aber in Bis zum Ellenbogen geht es ja auch nicht um Fußball, die WM 2006 dient eher zufällig als Hintergrund, und der Film ist alles andere als beeindruckt vom Sommer ´06.

Bis zum Ellenbogen

Dohnányi, Jan Josef Liefers und Stefan Kurt kennen sich aus gemeinsamen Tagen am Hamburger Thalia-Theater. Das Filmprojekt nach einem Skript von Dohnányi ist sozusagen eine Angelegenheit eines gut eingespielten Teams, dessen Mitglieder ein sichtbares Vergnügen daran finden, sich gegenseitig die Bälle zuzuspielen. Da stört es keineswegs, wenn die zugrunde liegende Idee - die verzögerte Bestattung einer Leiche - alles andere als neu ist. Diese Art von morbidem Humor ist bereits erprobt in Filmen wie Alfred Hitchcocks Immer Ärger mit Harry (The Trouble with Harry, 1955), aber auch den weniger bekannten Immer Ärger mit Bernie von Ted Kotcheff (Weekend at Bernie´s, 1989) oder Guantanamera - Eine Leiche auf Reisen von Tomás Gutiérrez Alea und Juan Carlos Tabío (Guantanamera, 1995).

Bis zum Ellenbogen

Komödien leben von Gegensätzen. Dohnányi baut seinen Film in Zeiten der Agenda 2010 vor allem auf sozialem Status auf und auf Eigenschaften wie Gier und Streitlust. Erfrischend ist dabei, dass nicht nur der Kapitalist, sondern auch der Arbeitslose wahre Nervensägen sind. Achim (Jan Josef Liefers) ist ein neoliberaler Manager kurz vor dem beruflichen Absturz. Der leidenschaftliche Nörgler Willi (Stefan Kurt) lebt von Hartz IV. Beide sind nicht gerade Sympathieträger und beide sind mehr als bereit, ihren Lebensstil vehement zu verteidigen. Gleich zu Beginn von Bis zum Ellenbogen knallen sie ganz buchstäblich ineinander. Dritter im Bund ist Sven (Justus von Dohnányi), ein harmoniesüchtiger kleiner Bankangestellter, der um seine verstorbene Frau trauert. Er lädt Achim und Willi in seine Berghütte ein, wo dann tatsächlich fast so etwas wie neue Männerfreundschaften entstehen. Der Stifter dieser Freundschaften freilich, Sven, scheidet so unvorhergesehen wie glücklich aus dem Leben.

Aus dem Leben, aber nicht aus dem Film. Denn Achim und Willi beschließen, mit dem toten Sven nach Sylt zu fahren und dort mit seiner Hilfe die kleine Bank auszurauben, in der er gearbeitet hat. Das Road-Movie, das nun beginnt, verdankt seine Gags dem klassischen Repertoire der Leichenschändungs-Witze - Stichwort: Ausdünstungen -, hat aber auch einige glänzende Kurzauftritte zu bieten. Antoine Monot Jr. gibt einen granteligen Nachbarn und Devid Striesow spielt den Bankdirektor, der um sein Schwarzgeld erleichtert wird. Die Rolle, so kurz sie ist, wirkt wie eine Komödienversion von Striesows Risikokapital-Jongleur in Yella (2007). Und weil ja gerade WM ist und Deutschland sich im Taumel befindet, fällt es auch nicht weiter auf, wenn der tote Sven als betrunkener Fußball-Fan getarnt wird. Er kriegt sogar ein Bier serviert. Ein großes.

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