VoD: Mit Fremdschammomenten und Slapstick-Miniaturen erzählt Tagebuch einer Pariser Affäre von vermeintlich unverbindlichen Sextreffen. Zugleich führt der Film ständig vor, was seine ungleichen Hauptfiguren ausblenden: wie sehr sie ineinander verliebt sind. Filmkritik
VoD: In ihrem ersten Spielfilm zeigt Alice Diop den Prozess gegen eine Kindermörderin und bleibt dabei ihrem dokumentarischen Drang treu. Saint Omer ist so schlicht wie vielschichtig – und hält unserer Gegenwart mitsamt ihrer True-Crime-Obsession einen Spiegel vor. Filmkritik
VoD: Das Krimigenre steckt voller Geschlechterbilder, die Bis ans Ende der Nacht betont selbstverständlich um eine trans Perspektive ergänzt. Dabei wird die Fußfessel von Protagonistin Leni zugleich zum Sinnbild für den Stand der Dinge im deutschen Film. Filmkritik
VoD: Mit einer rasanten Collage liefert What a Fantastic Machine einen so unterhaltsamen und vielseitigen Abriss der Bewegtbild-Geschichte, dass selbst zappelige Schulklassen verstummen. Filmkritik
VoD: Ödipus als Spielzeug – Angela Schanelec demontiert in ihrem traumhaften Film einen Mythos und baut ihn neu zusammen. Jeder Music-Track ist ein kleines Geschenk, und Staat, Religion und Verrat rascheln in Music wie Blätter im Wind. Filmkritik
Neu auf MUBI: Celine Song beobachtet in ihrem Debütfilm, wie eine schüchterne Liebe zu einer platonischen Fernbeziehung über Jahrzehnte anwächst. Dass sie dabei immer den richtigen Ton trifft, tut Past Lives gar nicht immer so gut. Filmkritik
VoD: Paul B. Preciado, Ikone der Queertheorie, liest Virginia Woolfs Orlando wie die eigene Biografie. Was in dem Roman schon drinsteckt über Transition und Nicht-Binarität und wo er ergänzt werden müsste, erkundet sein erster Film – clever, spaßig, ernsthaft. Filmkritik
Amazon Prime: John Trengove schickt einen schmächtigen Jungen in einen Männerkult, und schon eskalieren Jesse Eisenbergs Ticks. Manodrome will Untersuchung unserer Welt sein, greift dafür aber ganz schön in die Tasten. Filmkritik
VoD: Liebt man immer nur einmal? Und wie lässt sich Erinnerung im Kino formen? In seiner Vertigo-Variation Gesicht der Erinnerung um eine Liebes-Obsession spielt Dominik Graf mit großen Fragen – und transzendiert mit wildem Furor die Fernsehästhetik, an die er gebunden ist. Filmkritik
Mediatheken-Tipp: Ruth Beckermann bittet in Mutzenbacher Männer zur erotischen Lesestunde und nimmt sich anhand eines Skandalromans das Verhältnis von Sprache und Scham vor. Filmkritik
Mediatheken-Tipp: Die sinnliche Erfahrung der Apokalypse. Albert Serra folgt in Pacifiction einem französischen Politiker auf einen zerstörerischen Trip nach Polynesien – gespickt mit absurden Einsprengseln, die an einen Spionagecomic erinnern. Filmkritik
VoD: Schlafloser Kommissar verliebt sich in Witwe unter Mordverdacht. Das Vexierspiel zwischen einem ungleichen Paar verfolgt Park Chan-Wook bis in kaum wahrnehmbare Details. Die Frau im Nebel ist sein bisher unaufgeregtester und sublimster Film. Filmkritik
Ob es eine zweite Staffel geben wird, kann bezweifelt werden: Nicolas Winding Refns Netflix-Serie über die Unterwelt der dänischen Hauptstadt zeigt seine Obsessionen in ihrer schönsten Form und ist auch für Fans teils eine Grenzerfahrung. Ein Sehtagebuch. Filmkritik
Neu auf Disney+: Zach Greggers Horrorfilm Barbarian über ein unheimliches Airbnb wartet mit Atmosphäre und Absurditäten auf, tut sich aber manchmal schwer, die eigenen Abgründe auszukosten. Filmkritik
VoD: Ein melancholischer Esel in Nahaufnahme oder als Silhouette, die Welt aus seiner Perspektive oder wie der Film sie sich vorstellt: Regisseur Jerzy Skolimowski nimmt sich in seinem Spätwerk EO alle Freiheiten. Filmkritik
VoD: Zwei Frauen, ein 600 Meter hoher Funkturm, eine Urangst. Intensiver als in Fall lässt sich beim bloßen Zuschauen kaum erfahren, was es heißt, existenziell an die Höhe ausgeliefert zu sein. Filmkritik
Neu auf Netflix: Noah Baumbach bewegt sich in Weißes Rauschen mit dem Einkaufswagen durch die Gänge der Filmgeschichte, um links und rechts mitzunehmen, was eben gefällt, und gerät dabei in einen postmodernen Rausch. Filmkritik
VoD: Wegen ihrer Neuinterpretation des R.E.M-Songs „Losing My Religion“ werden drei migrantische Wienerinnen zum aufgebauschten Politikum. Kurdwin Ayubs Sonne ist ein lebendiger, immer (geistes-)gegenwärtiger Coming-of-Age-Film. Filmkritik
Neu auf MUBI: In seinem kalkuliert unbefriedigenden Film That Kind of Summer will Denis Côte von drei hypersexuellen Frauen erzählen und wirkt dabei aufgeregt wie ein Teenager. Filmkritik
Strange World sieht aus wie ein wundersamer Mischmasch aus Sauriern, Insekten, Kraken, Einzellern und Gummibärchen. Doch so schön die Comicnachstellungen sind, der Geschichte um Väter, Söhne und Ökologie geht es vor allem um ihre Agenda. Filmkritik
VoD: Licht ins Dunkle bringen. Michelangelo Frammartino erzählt in seinem bildgewaltigen neuen Film eine Höhlenexpedition aus den 1960er Jahren nach. Il Buco - Ein Höhlengleichnis interessiert sich für das Forschen in der Tiefe, aber auch für das Leben und Sterben an der Oberfläche. Filmkritik