Postman Blues

Der Japaner Sabu aka Hiroyuki Tanaka gehörte um die Jahrtausendwende zu den interessantesten Regisseuren seines Heimatlandes. Inzwischen ist es, nach einigen schwächeren Werken und einer Schaffenspause, etwas ruhiger um den Mann geworden.

Postman Blues

Doch in seinem Zweitwerk Postman Blues (Posutoman burusu) zeigte sich der postmoderne Genrefilmer 1997 ganz auf der Höhe seiner Kunst. Es geht um einen Briefträger, der in eine wilde Gangstergeschichte gerät, ohne etwas davon zu ahnen. Er fährt verträumt mit seinem Fahrrad und seiner Briefträgertasche durch die Gegend, himmelt ein krebskrankes Mädchen an und um ihn herum bricht die Hölle los. Polizei und Yakuzza-Gangster halten ihn aufgrund einer ebenso abstrusen wie großartig konstruierten Kettenreaktion, die bei einem abgetrennten Finger ihren Ausgangspunkt nimmt, für eine Schlüsselfigur im Drogengeschäft, daneben gibt es dann unter anderem noch einen Auftragskiller-Wettbewerb namens „King of Killers“. Postman Blues ist ein Film, in dem absolut alle Figuren so komplett durchgeknallt sind, dass sich ihre absurden Pläne gegenseitig neutralisieren und der Film selbst mit schlafwandlerischer Sicherheit zu einem Ende finden kann, das auf sehr bizarre Art und Weise als folgerichtig erscheinen muss. Zweifellos ist das Ganze stark von Quentin Tarantino inspiriert. Im Gegensatz zu fast allen anderen Pulp-Fiction-Imitationen aber steckt in Postman Blues mindestens soviel Originalität und Leben wie im Original. (lf)

Sendetermine

, WDR

, 3 Sat

Kommentare zu „Postman Blues“


Martin Z.

Es ist nicht die Langsamkeit der Bilder sondern die Eintönigkeit der Handlung. Es droht die Gefahr einzuschlafen, denn auch endlose Verfolgungsjagden ermüden auf die Dauer. Die unterschwellig verdeckte Komik erschließt sich uns nicht unbedingt und die blutigen Aspekte schrecken weder ab noch erwecken sie ein Horrorgefühl.
Nur wer tapfer durchhält, erlebt auch noch den Schluss dieser Groteske, mit Auferstehung und makabrem Happy End. Etwas ratlos im unübersichtlichen Chaos drängt sich am Ende schon die Frage auf „Was soll’s?“
Für manche ist Sabu Kult, für andere Zeitverschwendung. Ich neige eher zu Letzterem.






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