Liliana Cavani: Der Nachtportier

Wien, 1957. Ein ehemaliger SS-Offizier arbeitet unerkannt als Nachtportier in einem Hotel und trifft dort nach vielen Jahren auf Lucia, eine Frau, die ihm als KZ-Häftling untergeben war. Was zunächst als eine Täter-Opfer-Beziehung begann setzt sich fort in der Form eines sadomasochistischen Verhältnisses, in dem die Rollenverteilungen von Unterdrücker und Unterdrücktem nicht mehr eindeutig festgelegt sind. Seinerzeit sorgte Liliana Cavanis Der Nachtportier (Il Portiere di Notte, 1973) für einen Skandal. Man mag in ihm eine differenziertere Auseinandersetzung mit Sexualpathologien in ihrer hier dargebotenen Verknüpfung mit bestimmten historischen Begebenheiten missen. Und letztlich bleibt es dem Zuschauer überlassen, ob ihm die Dekadenz, der sich die von Dirk Bogarde und Charlotte Rampling herausragend gespielten Protagonisten hingeben, als bloßer Selbstzweck in dem Film erscheint. Anderen brennen sich Cavanis Bilder als mächtiger Ausdruck einer völligen Bankrotterklärung und Selbstaufgabe ins Gedächtnis. Allemal aber hat der Film über die Jahre nichts von seinem kontrovers diskutierbaren Gehalt eingebüßt. (kst)
Seite druckenFoto: © ZDF / Alfio Contini
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