Denys Arcand

Gleich zwei Filme drehte der kanadische Regisseur Arcand über eine Gruppe von Mittelklasse-Akademikern, die stets akribisch bemüht sind, ihr Denken und Handeln sozial- und kulturgeschichtlich einzuordnen. Dafür lässt er sie unablässig reden, und seziert ihre Charaktere dabei im gleichen Maße wie die Thesen, die sie munter und voller Zynismus aufstellen.
In Der Untergang des amerikanischen Imperiums (Le Déclin de l’empire américain, 1986) ist die körperliche Liebe deren Thema, abgehandelt im Kontext der hier fast aberwitzigen Frage, ob das Glücksbestreben des Einzelnen nicht mit einem allgemeinen Wertezerfall einhergeht. Ihre Lust am Diskurs haben die Charaktere dann auch siebzehn Jahre später nicht verloren. Die 2003 entstandene und um einiges vielseitigere Fortsetzung, der Oscargewinner Die Invasion der Barbaren (Les Invasions barbares, s. Bild), begleitet mit dem Rest der Gruppe zwar den Sterbeweg des Geschichtsprofessors Rémy, der am Beispiel seines Sohnes diesmal die Moralvorstellungen der nachkommenden Generation bemängelt, ist aber wie auch sein Vorgänger weder sentimental noch trocken. Zu verdanken ist das Arcands Dialogen, die er mit brillantem und messerscharfem Wortwitz versieht.
(kst)
Foto: © RBB DEGETO
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