Bertrand Tavernier

Bertrand Tavernier

Heute Abend strahlt der NDR zwei Filme von Bertrand Tavernier aus, die zwar Gemeinsamkeiten in der Mitwirkung von Schauspieler Philippe Noiret und Co-Autor Jean Aurenche aufweisen, jedoch gleichermaßen recht effektiv einige Gegensätze im Schaffen des französischen Regisseurs hervorheben. Mit der Simenon-Adaption Der Uhrmacher von St. Paul (L’Horloger de Saint-Paul, 1974) debütierte Tavernier seinerzeit, ein psychologisch dichter, behutsam und mit stilistischer Präzision ausgearbeiteter Film, dessen narrativer Fokus auf einem Vater liegt, der erkennen muss, dass sein Sohn zum Mörder geworden ist. Sieben Jahre später drehte Tavernier dann Der Saustall (Coup de Torchon, s. Bild), wie verlautet ein Versuch, seinen damaligen Ruf als humanistischen Filmemacher zu untergraben. Das Ergebnis, eine Anlehnung an Jim Thompsons 1280 schwarze Seelen (Pop. 1280, 1964), ist eine rabenschwarze Gesellschaftssatire, die vor dem Hintergrund des hereinbrechenden Zweiten Weltkrieges den politischen und moralischen Verfall einer ganzen Zivilisation abhandelt. Tavernier tut dies am Beispiel einer französischen Kolonie in Westafrika, in der ein zunächst dumpf-passiver Polizeichef beginnt, alle für Abschaum befundenen Mitmenschen ins Jenseits zu befördern. Der Saustall, mit einer großartig aufspielenden Isabelle Huppert in einer Nebenrolle, läuft um 23.50 Uhr, gefolgt von Der Uhrmacher von St. Paul um 1.50 Uhr. (kst)

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Foto: © NDR

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