Die Simpsons - Der Film
Nach 18 Staffeln ist es 2007 soweit: Die Familie aus Springfield wird auf Leinwandgröße gestreckt. Und mit ihr ein ganzer Kader an Figuren, Referenzen und Nebenhandlungen. Kaum zu glauben, was man in der Laufzeit von knapp vier Folgen alles unterbringen kann.

Bereits in nahezu 400 Variationen hat sich die Simpsons-Familie zum gemeinsamen Fernsehgucken auf der Wohnzimmer-Couch versammelt. Während am Esstisch immer wieder Konflikte miteinander ausgetragen werden, bildet der allabendliche Bilderkonsum den Ruhepol, der die Differenzen der Familienmitglieder für einen kurzen Augenblick zu kitten scheint – zumindest in der Eröffnungssequenz. Dass die Simpsons sich zu Beginn des ersten Kinofilms zur Serie gemeinsam in einem Kinosaal wieder finden, spiegelt natürlich kein verändertes Bild der amerikanischen Durchschnittsfamilie wieder. Der Besuch eines Lichtspielhauses hat vielmehr eine Sonderstellung im Familienalltag, so wie der Film eine neue Position im Simpsons-Franchise für sich beansprucht.
Und Die Simpsons – Der Film (The Simpsons Movie) wäre kein Ableger der Serie, wenn der Kinobesuch nicht auch für die Reflexion der Unzulänglichkeit des Werkes selbst genutzt würde. So rebelliert Homer gleich zu Beginn gegen den Film im Film, selbst eine Kinoversion der „Itchy-und-Scratchy-Show“. Wieso etwas auf großer Leinwand sehen, was man ebenso gut zu Hause auf dem Fernseher geliefert bekommt?

Sein Sohn Bart hat offenbar eine andere Lösung angesichts des Exklusivitätsanspruchs des Kinos als Aufführungsort gefunden und muss zur Strafe immer wieder auf eine Tafel schreiben, er werde es in Zukunft bleiben lassen: „I will not download this movie“. Ein Augenzwinkern für die vielen Simpsons-Fans, die bereit waren, den Fernseh- gegen den Kinosessel einzutauschen. Oder eine verzeihende Geste für diejenigen, die den Lausbuben-Streich eines illegalen Video-Downloads begangen haben.
Mit seiner Übertragung von bekannten Charakteren in das Medium Kinofilm ist Die Simpsons – Der Film im Jahr 2007 wahrlich gut aufgehoben. Die Tendenz zur Aufbereitung etablierter Stoffe und Figuren für groß budgetierte Produktionen ist bereits seit mehreren Jahren erkennbar, findet aber in dieser ansonsten eher kargen Saison ihren vorläufigen Höhepunkt. Neben der fünften Literaturadaption einer Bestseller-Reihe (Harry Potter und der Orden des Phönix), dem vierten Teil eines erfolgreichen Action-Blockbusters (Stirb Langsam 4.0), dem dritten Teil eines Animations-Hits (Shrek der Dritte), eines Remakes und Star-Vehikels (Ocean’s 13), einer Comicadaption (Spider-Man 3) und eines Überraschungshits (Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt), sowie dem Sequel eines Horror-Streifens (Hostel 2), positioniert sich Die Simpsons als einziger erster Teil einer Fernsehserien-Adaption im diesjährigen Kinosommer.

All diese Großproduktionen vereint weit mehr als ihr Fortsetzungscharakter und die Anlehnung an gleichermaßen bekannte wie erfolgreiche Vorläufer. Vor allem setzen die Filme auf große Schauwerte, die ihnen scheinbar in der so viel beklagten Kino-Krise eine Daseinsberechtigung auf großen Leinwänden sichern. Und so wurde auch die 2D-Serie Die Simpsons (The Simpsons, seit 1989) in ihrer Übertragung deutlich aufpoliert. Der Aufwand, der für die Animation betrieben wurde, ist auch im Vergleich zu den neuesten Folgen der Serie immens. Von den Figuren, die fühlbar plastischer wirken, über die ausgearbeiteten Hintergründe und Bewegungen, die modernen Animationsfilmen aus dem Hause Pixar Tribut zollen, bis hin zur Ausschöpfung des Breitwand-Formats wurde der komplette Film an das Medium angepasst – ohne seine Ursprünge in den oft schlichten zweidimensionalen Zeichnungen der TV-Version zu verleugnen. Trotz der enormen Differenz zur Serie wirkt der Film weder gekünstelt noch unpassend zeitgemäß. Im Gegenteil: Schaltet man nach dem Kinobesuch Die Simpsons im Fernsehen wieder ein, wirkt die Serie stellenweise überraschend antiquiert.
Natürlich ist die eigentliche Frage, die die Fans bewegen dürfte, eine ganz andere. Denn Die Simpsons haben sich seit jeher nicht über grafische Qualitäten definiert, sondern vielmehr über die titelgebende Familie aus Springfield und deren kleine wie große Abenteuer. Und so ist es auch tatsächlich für die Kino-Umsetzung einer episodisch funktionierenden Fernsehserie im 22-Minuten-Format viel entscheidender, ob eine tragfähige Geschichte entwickelt wird, für die es sich lohnt, knapp 90 Minuten im Kinosessel Platz zu nehmen. Das kreative Team um Simpsons-Erfinder Matt Groening hat dafür eine Story voller Wendungen und Höhepunkte geschrieben, bei der Homer seine Familie und die Heimatstadt vor einer Katastrophe retten muss, die er selbst aus Heißhunger auf Gratis-Donuts in Gang gesetzt hat.

Auf die Charakter-Entwicklung der Hauptfiguren, die von Fans in den letzten Staffeln häufig bemängelt wurde, haben die Drehbuchautoren besondere Rücksicht genommen. Und so ist Homer nicht der „Jerkass“ – ein einfacher Vollidiot – den viele in seiner Figur zuletzt gesehen haben wollen, sondern das zugleich dümmliche wie herzensgute Familienoberhaupt, dem seine väterlichen Pflichten nicht gleichgültig sind, selbst wenn sie eine Weile über den Spaß mit einem Haus-Schwein in Vergessenheit geraten.
Die Simpsons – Der Film funktioniert vor allem auf der Gag-Ebene an vielen Stellen in gewohnter Manier, treibt gekonnt das übliche Spiel mit den Erwartungen der Zuschauer – nicht nur bei einer offenbarenden Nackt-Skateboard-Sequenz – und entfaltet neben zahlreichen (Pop-)kulturellen Referenzen, einer nicht enden wollenden Selbstreflexivität und Star-Auftritten eine regelrechte Zitier- und Kritikwut, so dass man den Film selbst bei mehrmaligem Sehen so leicht nicht vollständig entziffern oder verdauen können wird. Die offensichtlichsten Seitenhiebe gehen in Richtung Pseudo-Ökobewusstsein, Sicherheitswahn und die aktuelle politische Stimmung um Angst, Terror und dem Wunsch nach Segregation. Das ist jede Menge Stoff, um auch diejenigen zu unterhalten, die in den Simpsons stets nach den sozio-ökonomischen und politischen Elementen Ausschau halten.

Auf der Story-Ebene verliert man zwar nach nicht allzu langer Zeit das Interesse am Fortgang und wird sich bisweilen die berechtigte Frage stellen, ob der für die Serie so kennzeichnende absurde Humor nicht besser für das kurze Fernsehformat geeignet ist, bei dem nach 22 Minuten der Status Quo wieder hergestellt wird. Doch gleichzeitig entsteht ein versöhnlicher Eindruck: Vielleicht würden sich diesen Film auch die Simpsons im Kino ansehen, wenn Bart ihn nicht schon längst kostenfrei heruntergeladen hätte.
Kritik von Frédéric Jaeger
Fotos: © The Simpsons TM and © 2007 Twentieth Century Fox
Veröffentlicht am 25.07.2007
Film-Angaben:
Titel: Die Simpsons - Der Film (The Simpsons Movie)
USA 2007
Laufzeit: 87 Minuten
Regie: David Silverman
Drehbuch: James L. Brooks, Matt Groening, Al Jean, Ian Maxtone-Graham, George Meyer, David Mirkin, Mike Reiss, Mike Scully, Matt Selman, John Swartzwelder, Jon Vitti
Produktion: James L. Brooks, Matt Groening, Al Jean, Mike Scully, Richard Sakai
Kinostart: 26.07.2007
DVD-Angaben:
Titel: Die Simpsons – Der Film
Vertrieb: 20th Century Fox
Bild: 2,40:1, 16:9
Sprache(n): Englisch (DD 5.1), Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Türkisch
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Spieldauer: 83 Minuten
Extras: Kommentare von div. Crew-Mitgliedern; Kommentare der Regisseure; Entfallene Szenen; Bonuszeugs (u. a. Homers Monolog bei „The Tonight Show“, Die Simpsons als Juroren bei „American Idol“); Haufenweise Trailer
Verleih ab: 03.12.2007
Verkauf ab: 03.12.2007
Kommentare
23
Sonntag, 20-12-09 23:56
nabnab
Mittwoch, 01-04-09 17:04
Stimme allen Kritikern hier zu. Der Film ist wirklich sehr schlecht und sowas wie Lach oder schmeiß mich weg momente gibt es keine. Von dem Wissen der vielen Harvard Studenten, die auf tolle ideen kommen, konnte ich nichts sehen im Film. Sie wollten nur die breite Masse, die Leute die sonst nur über Fallhin-Witze lachen,machen und mehr Kohle machen.
old Simpson Lover Reh
Sonntag, 02-03-08 16:25
@ Krowatan - Aus welchem Grund mehr Respekt ? Den hatte ich vor den alten Folgen. Die Simpsons hatten damals eine eine filmische inovative Komponente. Bei denen sich sogar die Coen - Brüder was abgucken konnte. Sei es "Kammeraführung", sei es Schnitt, oder Storyplott. MIt den neuen Staffeln kam der Ausverkauf. Die meisten der alten Garde sind alle abgehauen und habe einer "Schreck" GEneration mehr ...
krowatan
Montag, 28-01-08 18:17
@old Simpsons-Lover würd den film mal nicht als letzten dreck bezeichnen! klar ist er niemals so gut wie die alten folgen (was bei den neueren folgen ebenfalls der fall ist) trotzdm, bissl mehr respect vor dem film piis
[LoD] Jâcê =k0r4X=
Samstag, 19-01-08 14:44
Der Film ist echt geil. Hab mir den heute zum 4ten mal angeguclt und ich kann darüber immer noch lachen =) Die Serie ist auch geil. MfG Jace
isa
Montag, 14-01-08 14:43
eigentlich ist es sogar so dass gewisse anspielungen etc gerade für ältere geeignet sind und diese eher zum lachen bringen als 13 jährige da diese die gemeinten witze oft nicht einmal mitbekommen. damit meine ich nicht dass die jüngeren zuschauer zu dumm sind um sie zu verstehen sondern lediglich nicht mit der problematik vertraut sind (schließlich gibt es einfach dinge in der welt die einen mehr ...
I ♥ Simpsons
Donnerstag, 29-11-07 15:32
Film = geil Serie = geil
old Simpsons-Lover
Dienstag, 27-11-07 17:10
Der Film ist der letzte Dreck !!! Last euch von den PR - Fuzzies nichts anderes erzählen. - und wie man sieht, ,sieht es auch die Mehrheit im Forum so. Die geschöhten Kommentare könnt ihr euch in Zukunft sparen ( ist so oder so ne niedere Arbeit ... ) PR suckers go home !!!
seven
Freitag, 23-11-07 13:22
hi die simpsons sind cool man und der film ist de best ok ihr wist nicht was gut ist oder
DAAS
Freitag, 19-10-07 17:55
Also ich finde es recht lustig, das hier alle meinen sie seien die "Kenner" überhaupt der Serie. Zereißen sich das Maul, der Film sei schlecht-Ohne politische Kritik und der gleichen: "Nur zum lenken, nicht zum denken!": Ist das nicht eine Verdummung des Schwarzeneggers der nun in Amerika Politik macht? Ist das ganze nicht irgendwie sozialkritisch angehaucht durch die Konfliktsituation der "Käseglockenbürger"? mehr ...
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Die Simpsons wurden von den Republikanern unterwandert... So warb Bush Senior schon in den 80ern das die Waltons den Simpsons doch vorzuziehen seien... http://www.funtrivia.com/askft/Questio[..] Gegenmasnahme wurde "Family Guy" ins leben gerufen. - Ganz auf Parteiline..Traurig Traurig.... Jeder, der die neuen Folgen oder sogar den Film für gut befindet, hat die Simpson nie verstanden... und mehr ...