Casino Royale
Daniel Craig ist nicht etwa der Nachfolger eines Pierce Brosnan, sein Bond führt vielmehr zurück zu den Wurzeln und somit zur literarischen Figur Ian Flemings wie zuvor höchstens noch Sean Connerys Interpretation.

Alles ist anders. Keine spektakuläre Actionsequenz als Einstieg. Die Titelsequenz noch weniger aufregend. Der Song, von einer männlichen Gesangsstimme, ebenfalls nüchtern. Den Aston Martin fährt der Gangster, Bollinger-Champagner bestellt Bond (Daniel Craig) zwar, überlässt die ganze Flasche jedoch der attraktiven Frau mit der er nicht schläft! Was er sonst trinkt kann man nur als Vulgär-Longdrink bezeichnen. Der gejagte Großkriminelle hat zwar ein äußerliches Leiden, ist aber keineswegs größenwahnsinnig und schon gar nicht an der Weltherrschaft interessiert. Kein Q weit und breit, Moneypenny erst recht nicht. Einzig verblieben ist MI6-Leiterin M (Judi Dench), und die sehnt sich urplötzlich den Kalten Krieg wieder her. Bei ihrem ersten Auftritt (Goldeneye, 1995) hatte die Vorgesetzte Bond noch verächtlich als eine Reliquie eben dessen bezeichnet. Und wie wird diese neue Variation des Dauerhelden überhaupt eingeführt? Im schwarzweißen Halbdunkel, fast en passant. Einen markigen Oneliner hat er dabei nicht zu bieten.

Dieser Bond ist ein Rüpel, ein Prolet, ein Körpermensch. Und ein Killer. All das beweist er in der nächsten Sequenz, die als „Parkourlauf“ inszeniert und plötzlich in Farbe gehalten ist – was Sinn macht, denn von nun an sehen wir ihn als den Doppelnullagenten, der er vorher nicht war, jetzt ausgestattet mit der Lizenz zum Töten, die er sich ironischerweise durch ebensolches erwerben musste. Am Ende dieses Hindernislaufs steht eine weitere Exekution, ausgerechnet inmitten des Gartens einer Botschaft. Womit der athletische Einzelgänger seine Chefin alsbald verärgert.
Noch eine Weile läuft Bond in seinem ersten Auftrag so desaströs und desorientiert durch die Gegend, ehe er der Beauftragten des Finanzministeriums Vesper Lynd (Eva Green) begegnet. Sie stellt ihm Geld für ein Pokerspiel mit dem Terrorfinanzier Le Chiffre (Mads Mikkelsen) bereit und kontrolliert gleichzeitig als Variation des pingeligen Buchhalter-Typs des Agenten leichtsinnigen Umgang mit den Spielchips. Äußerst zugeknöpft kommt diese Intellektuelle daher, entblößt sehen wir sie nicht. Dies übernimmt Bond diesmal selbst und entspringt in bester Honey Rider-Manier (Dr. No, 1962) den Fluten. In Erinnerung an Ursula Andress präsentiert Craig seinen imposanten Oberkörper. Gleich zweimal, offenbar auch in Gedenken an Halle Berrys Jinx (Stirb an einem anderen Tag, Die Another Day, 2002). Beim letzten, dem Jubiläumsbond, war die Genderwelt noch in Ordnung. Diesmal wird der Mann als sexuelles Objekt der Begierde ausgestellt.

Als Bond seiner Vesper freudestrahlend aus dem Meer entgegengeht hat er seinen Dienst quittiert. Vergnügt tummeln sie am Strand, geben ein Postkartenbild an Bord der Segelyacht ab und landen folgerichtig im romantisch konnotierten Venedig. Doch den Betrachter dieser Bilder überkommt schnell ein unbehagliches Gefühl. Zu sehr erinnert das private Liebesglück an das kurze Eheleben des Topagenten in Im Geheimdienst ihrer Majestät (On Her Majesty’s Secret Service, 1969). Der junge Bond kann dies nicht wissen, denn es handelt sich nach Logik der Reihe um seine Zukunft. Wir hingegen schöpfen aus unserer literarischen und vor allem filmhistorischen Erinnerung. Derart mobilisiert dieser Bond Emotionen wie noch keiner vor ihm.
Vesper ist der Schlüssel zu allem. Sie ist alles andere als das, was man sich unter einem Bond-Girl vorstellt. In der faszinierenden Vielschichtigkeit ihres Charakters spiegelt sich plötzlich auch Bonds Tiefe. In ihrer Anwesenheit entwickeln sich anspielungsreiche Wortgefechte, die es in keinem Film der Serie seit den Sechziger Jahren mehr gegeben hat. In ihrer Umgebung entwickelt sich Bond zu dem weltmännischen und abgründigen Helden, der sich im kollektiven Gedächtnis verankert hat. Sie verändert mit ihrer Komplexität nicht nur den Protagonisten, sondern auch unseren Blick auf ihn. Gleichzeitig wandelt sich so die Narration und unsere Rezeption ebendieser. Die Struktur ergibt Sinn und Altbewährtes fügt sich wieder ein. Selbst Felix Leiter (Jeffrey Wright) taucht als amerikanischer Stichwortgeber ohne jede eigene Effizienz wieder auf. Bond selbst ist ein Handlanger des Staates und ein Handwerker des Todes. Schon in Stirb an einem anderen Tag war seine physische Präsenz in Gefangenschaft und Folter, einem klassischen Motiv der Serie, extrem zum Ausdruck gebracht worden. Casino Royale nun hält, der Romanvorlage entsprechend, eine besondere Folterszene bereit.

Auch sonst lebt dieser Bond von seiner Körperlichkeit und erprobt sich fast ausschließlich im Nahkampf. Schon sein erster Mord entspricht einem archaischen Todprügeln. Elaborierte Technik und Spielereien braucht er, mittlerweile vom Ford auf Aston Martin umgestiegen, nicht. Im Falle eines Rekordüberschlags hilft auch der Wechsel vom 64er Klassiker zum neuesten Model nichts. Daher auch kein Q, sondern ein namenloser Mann, der ihm einen Koffer überreicht, der im entscheidenden Moment nichts nützt – ehe die heilenden Hände Vespers eingreifen.
Diese Wiedergeburt steht stellvertretend für den gesamten Film, der eine Initiation und (Re-)Inkarnation zelebriert.
Am Ende ertönt das Bond-Thema wie eine Fanfare und der gereifte Agent kommentiert Chris Cornells Titelsong „You know my name“ auf seine ihm eigene Art. Dieser Schluss ist das in einen Cliffhanger verpackte Versprechen auf ein neues Abenteuer. Vielleicht lernen wir dort auch eine Sekretärin und einen Entwickler kennen. Egal, denn von nun an steht eine Filmfigur im Zentrum der Agentenabenteuer, mit der wir auch fühlen werden.
Kritik von Sascha Keilholz
Fotos: © Sony Pictures
Veröffentlicht am 15.11.2006
Film-Angaben:
Titel: Casino Royale (Casino Royale)
USA 2006
Laufzeit: 144 Minuten
Regie: Martin Campbell
Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade, Paul Haggis
Produktion: Michael G. Wilson, Barbara Broccoli
Darsteller: Daniel Craig, Eva Green, Mads Mikkelsen, Judi Dench, Giancarlo Giannini, Jeffrey Wright, Caterina Murino, Ivana Milicevic
Kinostart: 23.11.2006
DVD-Angaben:
Titel: Casino Royale Deluxe Edition
Vertrieb: Sony Home Entertainment
Bild: 2,40:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 139 Minuten
Extras: Audiokommentare von Regisseur Martin Campbell, Produzent Michael G. Wilson & der Crew; Daniel Craig wird Bond; James Bond: For Real; Bond Girls Are Forever: Im Club der Bond Girls, Die Bond Girls der 70er & 80er, Bond Girls; Trailer; Musikvideo: Chris Cornell „You Know My Name“; Entfallene Szenen; Verfolgungsjagd Flughafen: Vom Storyboard auf die Leinwand; Storyboard Vergleiche; Profile der Filmemacher; Der lange Weg auf die Leinwand; Jan Flemmings unglaubliche Schöpfung; Auf den Bahamas; Jan Flemming – der geheime Weg ins Paradis; Tod in Venedig; Die Kunst des Le Parkour
Am 23.03.2007. erscheint im Verleih und Verkauf die Single-Disc-Edition mit Trailer. Zeitgleich damit erscheinen im Verkauf eine Special Edition, eine Buch Collectors Edition inklusive „Bond on Set“-Buch und eine Pokerkarten Edition mit Pokerkarten-Set. Alle drei enthalten folgende zusätzliche Extras: Daniel Craig wird Bond; James Bond: For Real; Bond Girls Are Forever: Im Club der Bond Girls, Die Bond Girls der 70er & 80er, Bond Girls - Die neue Generation; Musikvideo: Chris Cornell „You Know My Name“.
Verleih ab: k.A.
Verkauf ab: 24.10.2008
Kommentare
Fixe
Freitag, 04-01-08 08:45
zzzz
Montag, 03-12-07 21:33
also als allererstes, der alte bond war ja mal ne richtige lachnummer...ein magersüchtiges fretchen, total lächerliche message, dass er jede frau mit seinem charme innerhalb von 2 sekunden ins bett bekommt...einfach nur lächerlich! die vorgänger sind so viel mit irgendwelchen martinis beschäftigt, die geschüttelt nicht gerührt sein sollen- der neue bond scheißt da mal drauf (spruch: "sehe ich mehr ...
Max Payne
Sonntag, 14-10-07 14:42
Ich kann mich nur anschliessen ! Der Film brachte kaum neuerungen und besseres als die älteren Teile! Im Gegenteil er wurde schlechter , langweiliger und der Regisseur hatte wohl vergessen was Bond ausmacht ! Der neue Schauspieler passter gar nicht in die Rolle ! Ein Russe ohne Abschluss der keine Coolen Worte oder Argumente rüber bringt wie der alte Bond ! Ich fand den alten Bond ( Pierce Bronsnan mehr ...
euro
Donnerstag, 24-05-07 01:55
Ein schrecklicher Film von vorne bis hinten. Wen interessiert es ob der Film nach dem Buch gedreht wurde, hat sich bisher schon irgendwer für die James Bond Bücher interessiert ? Ausser ein Paar Fans die jetzt das nachbeten was ihnen von der Presse vorgekaut wurde. Alle argumentieren von Wegen der alte Bond währe lächerlich geworden weil er zu vorhersehbar war, gut da ist was drann nur sind mehr ...
jeppjepp
Samstag, 19-05-07 01:34
Der Film ist einfach nur scheiße... Mieser Bond (Schläger ohne Schulabschluss), mieses Bond-Girl (prüde Jurastudentin im Jutesack) und gesichtslose Gangster. Handlung flach und unstrukturiert. Viel zu oft blendet Bond sein Handy ein und macht Werbung für Sony Erricson. Ganz schlecht ist auch die Folterszene, wo Bond wirkt wie ein geprügelter Hund nach dem Knochenklau. Das einzig erträgliche sind mehr ...
henning
Freitag, 06-04-07 16:03
Mal was ganz Neues: Schauspieler in einem Bondfilm, die mehr sind als Kleiderständer, stets williger erotischer Zeitvertreib oder Juniorpartner für die Hauptfigur. Man kann sogar nachvollziehen, warum sich Frauen in diesem Film zu Bond hingezogen fühlen, was mir bislang eigentlich nie wirklich klar war. Auch diese nervig-dümmlichen Kalauer zur Entschärfung der Gewalt- oder Sexszenen sind mehr ...
tztz...
Dienstag, 03-04-07 08:51
Kurzbeschreibung des Films: Halb Rosamunde Pilcher; Halb Poker Schule.. gepaart mit massenhaft Werbung (sony).. kein James Bond Flair. Nicht mal ein reinrassiger Actionfilm. KEINE JAMES BOND EINLEITUNG!!!! Wer diesen Film produziert hat, hat wohl noch die einen Roger Moore gesehen, der vom einen überdimensionalen fast unsterblichen Eisenbeißer beinahe zu Tote gebrügelt wird und dabei noch ein charmantes mehr ...
Cassino
Montag, 22-01-07 11:15
Naja, irgendwie muss man ja einen neuen Bond erfinden, der gegen den internationalen Terrorismus kämpft. Da ist der Film schon okay. Die Brutalität hat man jedoch schon in "Licence to Kill" mit Dalton versucht rüberzubringen und endete als Flop. Ich glaube, ein Bond mit intelligenter Handlung (Moores-Octopussy) oder gar als Pop-Trash (Connerys-Diamantenfieber) hat da eher einen zeitloseren Überlebenswert. mehr ...
schnickschnack
Samstag, 20-01-07 00:05
Daniel Craig ist eine Fehlbesetzung.Dieser Mann kann keinen James Bond verkörpern,eher einen Kriminellen.Diesen Film fehlt das typische 007 Carisma mit Charme,Witz und coolen Sprüchen sowie einen sexy Bond Girl.Dieser Film ist nichts weiter als ein Abklatsch aus Actionfilmen alla Steven Segal,Bruce Willis u.a.aber brutaler.Irgendwie war das früher alles besser. Ende
jasmin noch mal^^
Sonntag, 07-01-07 14:03
Wollt auch noch sagn,dass ich die Bond-Filme früher eigtl. nie geguckt habe.Sie warn i-wie uninteressant.Und dieser Film hat mich somit i-wie mehr angesprochen und ich hab ihn mir dann angeguckt und wie gesagt:er gefällt mir einfach. Und das andere hier einfach mega über ihn ablästern...tja,es ist zwar ihre Sache aber toll find ichs nicht!
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Also ich darf schon behaupten das ich ein James Bond Fan bin und als James Bond Fan bin ich auch in Casino Royal gegangen. Leider war der Film Kein James Bond film sonder nur ein einfacher Action Film ich mein Jeder Bondschahspieler hat (glaube ich) Haare auf der Brust Oo?? Mir hat der Film "nicht so doll gefallen" Na ja als Bondfilm ist er bei mir durchgefallen.