Batman Begins
Acht Jahre lang, seit dem verunglückten Batman & Robin, lag die Batman-Filmserie auf Eis. Christopher Nolan (Memento, 2000) versucht sich erfolgreich an einer Wiederbelebung.

Das Leben als Superheld ist mühevoller, komplizierter und vor allem schmerzhafter, als die Comic-Hefte es uns weismachen wollen. Nach seinem ersten Einsatz als Batman wacht Bruce Wayne (Christian Bale) mürrisch und benommen auf, und sein Körper ist mit blauen Flecken übersät.
Das wäre dem Batman in Joel Schumachers Batman & Robin von 1997 nicht passiert. Der vierte Film in der Serie war in seiner bonbonbunten Belanglosigkeit der Tiefpunkt der Reihe. George Clooney, nach Michael Keaton und Val Kilmer die dritte Besetzung für den Fledermausmann, trug einen anatomisch lächerlich korrekten Gummianzug mit Brustwarzen. Der Held war ein Sprücheklopfer, und als neuestes Gimmick gab es eine Kreditkarte mit Fledermauslogo, die Batman an einer der unzähligen scherzhaften Stellen des Films aus seinem Cape zog. Möglicherweise hat das New-Economy-Publikum damals, im Jahr 1997, sogar darüber gelacht.
Bei Tim Burton in den ersten beiden Filmen (Batman, 1989 und Batman Returns, 1992) war der Held noch ein vielschichtiger Charakter, psychologisch labil und von seiner tragischen Vergangenheit heimgesucht. Davon war nun nichts mehr übrig.
Kein Wunder, dass sich lange niemand traute, die Batman-Reihe fortzusetzen.

Christopher Nolan, der in sieben Jahren von einem Low-Low-Budget-Filmemacher (6000 Dollar für Following, seinem Debüt von 1998) zum Blockbuster-Regisseur wurde, und der mit dem konsequent rückwärts erzählten Memento (2000) Aufsehen erregte, hat sich nun doch getraut. Er bricht mit vielem, was die Batman-Filme bisher ausgemacht hat, einschließlich der wunderschönen Art-Deco-Kulissen, die bei Tim Burton den Großstadt-Moloch Gotham aussehen ließen wie eine psychedelische Vision. Nolans Gotham ist nicht viel anders als New York oder Chicago. Die U-Bahn ist mit Graffiti vollgeschmiert, und die Mehrheit der Hochhäuser ist hässlich. Der Oberschurke ist keine groteske Figur wie der Pinguin, der Joker oder der eisgekühlte Mr. Freeze, sondern Liam Neeson mit Spitzbart.
Der Realismus, den Nolan so betont, macht den Film erwachsener. Und er geht einher mit der düsteren Geschichte über den Milliardärssohn Bruce Wayne und seine Metamorphose zu Batman. Christian Bales schmales, ernstes Gesicht passt gut zu dieser neuen Inkarnation des Helden, der zum ersten Mal in einem Comicheft im Jahr 1939 in Erscheinung trat.
Der kleine Bruce wird Zeuge, wie seine Eltern ermordet werden. Während im ersten Batman-Film der von Jack Nicholson gespielte Joker der Mörder war, ist es hier – wie im Comicoriginal – ein gewöhnlicher Straßenräuber. Bruce fühlt sich schuldig an ihrem Tod. Als Erwachsener reist er inkognito um die Welt, auf der Suche nach einem Weg, der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen, aber eigentlich auf der Suche nach sich selbst. Zu Beginn des Films ist er Gefangener in einem chinesischen Lager, wo er für eine Gruppe von Ninja-Kämpfern, die sich dem Kampf gegen das Verbrechen widmet, rekrutiert wird.

Wayne durchläuft die Kampfausbildung und lernt, seinen eigenen Ängsten zu begegnen. Er weigert sich jedoch, zum Beweis seiner Ergebenheit einen wehrlosen Mann, einen Verbrecher zwar, aber eben doch wehrlos, zu töten.
„It’s what seperates us from them“, sagt er, und schon lässt sich Batman Begins als Kommentar zum Kampf gegen den Terror in der Ära von George W. Bush lesen: Wayne will zwar, wie die Ninjas, das Böse besiegen - aber mit zivilisierten Mitteln. Das heißt, wenn man das Herumgeistern in einer schwarzen Maske, die Zerstörung einer U-Bahn sowie die ständige Verletzung der Straßenverkehrsordnung mit dem Batmobil als zivilisiert betrachten will.
Später, nach seiner Rückkehr ins Schloss seiner Eltern, wird die Stadt von einem Anschlag mit einem Gift bedroht, das die Ängste der Menschen freisetzt: Jeder sieht in dem anderen nur ein Monster. Der Terror lauert überall. Code Red in Gotham.
Unterstützt wird Batman in seinem Kampf von Butler Alfred (unerschütterlich: Michael Caine) und einem geschassten Manager von Wayne Enterprises (Morgan Freeman), wobei Letzterer aus dem Fundus für Prototypen der Firma die technischen Spielereien besorgt, mit denen Batman seine nicht vorhandenen Superkräfte kompensiert. „Q“ aus den James-Bond-Filmen lässt grüßen.

In mancher Einstellung sieht Batman Begins aus wie Blade Runner (1982, Ridley Scott), der sich ebenfalls an ein älteres Publikum richtete. Rutger Hauer, der damals einen Androiden spielte, ist nun der Chefmanager von Wayne Enterprises, der sich nicht mehr um das soziale Engagement der Firma schert, das Waynes Vater so wichtig war, sondern sich der Gier verschrieben hat. Mit der Welt des kalten Kapitalismus muss sich Bruce Wayne also auch noch auseinandersetzen.
Dieses Gotham City, zwischen Terrorangst und Shareholder Value, gibt eine erstaunlich treffende Interpretation des heutigen Amerika ab. Aber das ist nicht das einzige Verdienst des Films. Nolan gelingt es, der Figur des Batman ihre Tiefe zurückzugeben. Bruce Wayne ist ein schwieriger Charakter, ambivalent gegenüber seinen Rachegefühlen und unsicher über seine Mission. Er entwickelt sich von dem kleinen Jungen, der in eine Erdhöhle fällt und sich vor den dort lebenden Fledermäusen fürchtet, in einen gebrochenen Mann und schließlich zu einem Helden, der so viele Masken aufsetzt – neben der Batmaske zum Beispiel noch die des oberflächlichen Playboys –, dass er nicht weiß, wer er ist. Wir, als Kinopublikum, wissen aber wieder, was wir an ihm haben.
Kritik von Thorsten Funke
Fotos: © 2005 Warner Bros.
Veröffentlicht am 14.06.2005
Film-Angaben:
Titel: Batman Begins (Batman Begins)
USA 2005
Laufzeit: 140 Minuten
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Christopher Nolan, David S. Goyer
Produktion: Charles Roven, Emma Thomas, Larry Franco
Darsteller: Christian Bale, Michael Caine, Liam Neeson, Katie Holmes, Morgan Freeman, Rutger Hauer, Gary Oldman, Cillian Murphy
Kinostart: 16.06.2005
DVD-Angaben:
Titel: Batman Begins
Vertrieb: Warner Home Video
Bild: 2,40:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Arabisch, Isländisch, Hebräisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 134 Minuten
Extras: „Die Entwicklung der Fledermaus: Batman-Versionen von Mitte der 1980er-Jahre bis zur Gegenwart“; „So fing es an: Kreative Konzepte, Entwicklung der Geschichte und Besetzung“; „Training für Körper und Geist: Kampfstil“; „Der Bau von Gotham City: Produktionsdesign“; „Cape und Maske: Der neue Batman-Anzug“; „Der Tumbler: Das neue Batmobil“; „Auf Entdeckerpfaden: Dreharbeiten in Island“; „Die Rettung von Gotham City: Verfolgungsjagd auf der Hochbahn“; Fotogalerien; Easter Eggs
Neben dem regulären 2-Disc-Set erscheint zusätzlich eine „Limited Edition“. Diese enthält beide Discs in einer Metall-Box.
Verleih ab: 14.10.2005
Verkauf ab: 14.10.2005
Kommentare
Bruce lee
Montag, 28-09-09 20:16
Herbert
Sonntag, 17-08-08 09:46
Ein lispelnder Bubi als Batman? Lachhaft! Kampfszenen die so unübersichtlich sind, dass sie nerven und ein Batmobil wie von Playmobil. Ein Film für Nichtfans sondern für "Ich möchte, dass Batman seine gegner mit seinem Gequatsche verjagt" Am schlimmsten ist der Hauptdarsteller, als Robin könnter gerade noch so durchgehen...
zzzz
Montag, 03-12-07 21:19
guter film, endlich mal eine würdige verfilmung des genialen comichelden! und vor allem, der film hat stil bekommen und ist nicht mehr so kitschig und verspiel mit den farben sowie so bunt....das alles ist nicht mehr, vor allem sieht christian bale endlich mal aus wie ein richtiger batman! guter film, meiner meinung nach der erste richtige batman-film!toll!
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der schlechteste batman Film aller zeiten. dark Knight war noch schlechter naja beide waren schlecht. Bale der schlechteste batman Darsteller denn ich gesehen habe. Goerge Clooney war sogar besser. Nolan sollte die Hände von batman Film lassen. Ein schlechter 08/15 Film. was hat dieser Film mit der guten Comics zu tun.