Weil ich schöner bin

Ein Jugendfilm wirft einen Blick in den Alltag einer illegalisierten Migrantin.

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Charo (Mariangel Böhnke) hat keine Lust mehr. Sie ist 13, auf vollem Wege in die Pubertät, mit ihrer besten Freundin Laura macht sie die Stadt unsicher und diskutiert die Jungs-Frage, in der Schule hatte sie bislang kaum Probleme. Alles könnte so einfach sein, wären da nicht diese blöden Papiere, die man in Deutschland braucht, um unbeschwert die Stadt unsicher zu machen, die Pubertät zu genießen – oder aufs Gymnasium zu wechseln. Charo ist mit acht Jahren aus Kolumbien nach Deutschland gekommen, lebt zusammen mit ihrer Mutter ohne Aufenthaltsgenehmigung in Berlin. Ihr rechtlicher Status als Illegale war ihr ganzes Leben lang präsent, er musste verschwiegen werden, selbst vor den Schulfreundinnen. Das Problem der Gymnasien tritt aber schnell in den Hintergrund, als Charos Mutter von der Polizei kontrolliert wird. Sie muss innerhalb von zwei Wochen das Land verlassen und will Charo mit zurück nach Kolumbien nehmen.

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Charo hat keine Lust mehr auf die Illegalität, aber zurück nach Kolumbien scheint kaum eine Alternative. Weil ich schöner bin begleitet den Teenager durch zwei intensive Wochen, illustriert mit zwei surrealen Sequenzen die verwirrte Gefühlswelt Charos, ist ansonsten aber in einem nüchternen Low-Budget-Stil gehalten. Das ist in Ordnung, denn Regisseur Frieder Schlaich liegt vor allem an der Aufklärung eines jüngeren Publikums über das Leben illegalisierter Migranten. Dabei wirkt sein Ansatz angenehm ehrlich und direkt, weil er einen Blick auf die Alltagswelt Charos wirft und den politischen Diskurs um Nation und Integration völlig ausblenden kann. Wir bleiben ganz bei der selbstbewussten Charo und den Einschränkungen, mit denen sie täglich konfrontiert ist. Schlaichs migrantische Protagonistin ist damit nicht bloßes Opfer oder Ziel eines Regierungsproblems, sondern in jeder Szene aktiv und in Bewegung.

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Dieser Perspektivwechsel fällt Weil ich schöner bin insofern leicht, als der Film mit seiner lateinamerikanischen Hauptfigur die stärker rassistisch aufgeladenen Debatten beispielsweise um Migranten aus muslimischen Ländern umgeht. Dadurch wird das wichtige Thema wieder etwas entpolitisiert, gegen so ein nettes, lebendiges Mädchen hat ja nun selbst in Deutschland niemand etwas. Das ist nicht ganz unproblematisch, der Film ist dennoch ein gelungenes Beispiel für einen starken Jugendfilm, weil es Schlaich gelingt, plausibel und dramaturgisch wirksam das Thema Illegalität zu behandeln – und zwar ohne angestrengte Integrationsrhetorik, sondern als unmittelbare Beschreibung eines Lebens unter erschwerten Bedingungen.

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