Underworld: Aufstand der Lykaner

Underworld ohne Len Wiseman und Kate Beckinsale – kann das gut gehen?

Underworld: Aufstand der Lykaner

Fortsetzungen im klassischen Sinne sind out – Sylvester Stallone hat sie mit seinen Nachzüglern und deren Helden ein für allemal zu Grabe getragen. Es leben die Mehrteiler! Von Quentin Tarantino gerne in Volumen unterteilt wie bei Kill Bill (2003-2004) oder direkt als Doublefeature (Grindhouse, 2007). Hollywoods Trilogien von Matrix (1999-2003) über Herr der Ringe (2001-2003) bis zum Fluch der Karibik (2003, 2006, 2007) werden, spätestens nach erfolgreichem ersten Teil, gerne gleich am Stück gedreht. Die Serien sollen als Gesamtkonzept verstanden werden. So auch bei der separat entstandenen Underworld-Franchise (2003, 2006, 2008). Das Prequel Underworld Aufstand der Lykaner (Underworld Rise of the Lycans) schließt nun die Trilogie ab und gleichzeitig alle vermeintlichen Wissenslücken.

Dabei muss man ehrlich vorweg schicken, dass nach den ersten beiden Teilen nicht wirklich Fragen offen blieben. In diesem Fall von einem Gesamtkonzept zu sprechen wirkt darüber hinaus in Anbetracht des Ergebnisses reichlich deplatziert. Der aktuelle Kinobeitrag ist den beiden Vorgängern so nah, wie es die Zeitachse vorgibt – und da sind gut 700 Jahre Differenz auszumachen.

Underworld: Aufstand der Lykaner

Underworld (2003) wusste seinerzeit als konsequenter Action-Comic-Gothic-Horror-Hybrid zu überzeugen, der gewohnte Seh- und Umgangsformen mit Werwölfen und Vampiren auf den Kopf stellte. Kate Beckinsale, eskortiert von Scott Speedman, gab im Latexkostüm die Amazone, perfekt abgestimmt auf eine wirklich düstere blaustichige Nacht- und Unterwelt.

Ein Sequel wärmte all das auf und nun befinden wir uns im per se düsteren Mittelalter, wo Obervampir Viktor (Bill Nighy) sich Lykaner zur Abwehr der Werwölfe züchtet. Da wir seit Spartakus wissen, dass Sklaven rebellieren und seit Shakespeare, dass sich die Töchter meist die falschen Liebhaber suchen, kommt es, wie es kommen musste.

Underworld: Aufstand der Lykaner

Im Gegensatz zu den überkomplexen Vorgängern ist Aufstand der Lykaner eher unterkomplex. Die Plot-Reduktion lässt sich schon daran erkennen, dass überhaupt nur eine handvoll Sprechrollen auszumachen ist. Die Geschichte läuft in äußerst geraden und vorhersehbaren Bahnen, ohne dabei zu langweilen. Trotz des Schauplatz- und Zeitwechsels bleibt sich die Reihe optisch treu. Aufstand der Lykaner spielt ausschließlich in der naturgemäß düsteren Vampirburg und im nächtlichen Wald, beiderorts kommt es zu Auseinandersetzungen, die wie gewohnt mit gepflegter Brutalität ausgetragen werden. Aufstand der Lykaner ist ganz seinem Look und seiner Mittelalter-Monster-Comic-Action verschrieben.

Auf dem Regiestuhl thront Special-Effects-Experte Patrick Tatopoulos, vom zum Produzenten aufgestiegenen Len Wiseman dorthin gehievt. Wiseman selbst führte die glorreiche Stirb-Langsam-Reihe (1986-2007) auf einen tiefsten Tiefpunkt, der selbst Günter Netzer zum Laufen gebracht hätte. Insofern tat er vielleicht gut daran, von seinem eigenen Regie-Heimspiel die Finger zu lassen.

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