The House Is Burning

Mike hat noch vierundzwanzig Stunden Zeit bis er als Soldat in den Irak muss. Bis dahin widerfährt ihm und seinen Freunden noch jede Menge in diesem von Wim Wenders produzierten Drama.

The House Is Burning

Jugend ist ein Sujet, das im Kino nicht nur sehr häufig anzutreffen ist, sondern auch sehr unterschiedlich behandelt werden kann. Am prominentesten ist wohl die klassische Teenie-Komödie, in der Schule zwar prägnant als streng hierarchisiertes Schlachtfeld inszeniert wird, die Handlung sich aber meist in einer Aneinanderreihung altbackener Kalauer verliert. Wenn junge Protagonisten nicht gerade als nostalgische Altherrenfantasie herhalten müssen, stehen sie immer häufiger im Mittelpunkt pessimistischer Bestandsaufnahmen einer moralisch verwirrten Jugend. In den letzten Jahren ist besonders Larry Clark ein Garant geblieben, Eltern in Angst und Schrecken zu versetzen. Wie in seinen Fotos bedient er sich dabei der Perspektive des teilnahmslosen Betrachters, psychologisiert und urteilt nicht. Egal, wie fragwürdig die Handlungen seiner durchtriebenen Teenies auch sein mögen.

Der deutsche Regisseur Holger Ernst nimmt sich in seinem ersten Langfilm The House is Burning ebenfalls solchen desillusionierten und perspektivlosen Jugendlichen an. Obwohl der Film eine rein deutsche Produktion ist, wurde er in den USA gedreht und beschäftigt sich mit den Problemen weißer amerikanischer Vorstadtkids. Hauptsächlich geht es dabei um Mike, der sich freiwillig als Soldat für den Irakkrieg gemeldet hat und dem noch vierundzwanzig Stunden bis zu seiner Einberufung bleiben. Episodisch verknüpft der Film Mikes Geschichte mit denen von Freunden und Familienmitgliedern. Da wäre etwa Mikes Freundin Val, die ihn mit seinem Kumpel und Dealer Phil betrogen hat und Mike kurz vor seiner Abschiedsparty den Laufpass gibt. Der um einige Jahre jüngere Steve möchte sich dagegen eine Waffe besorgen um seinen versoffenen und prügelnden Vater zu beseitigen und die hysterische Terry sitzt mit Beruhigungsmitteln voll gepumpt bei einem Bewerbungsgespräch. Immer wieder werden auch für kurze Zeit Elternteile mit in die Handlung einbezogen, alles in allem konzentriert sich der Film aber vor allem auf die jungen Leute.

The House Is Burning

Die Figuren schlagen sich größtenteils mit universellen Problemen herum, oft wird aber auch das explizit Amerikanische der Handlung betont. Die Vorstadt ist bei Ernst etwa eine von Doppelmoral geprägte Welt, in der traditionelle Werte wie Religion und Patriotismus den Abgründen kaputter Familien gegenüber gestellt werden. Das sporadische Hin- und Herspringen zwischen einer Betrachtung amerikanischer Zustände und dem Erzählen einer allgemein gültigen Geschichte mag dabei nicht wirklich gelingen, weil keiner der beiden Ansätze konsequent genug verfolgt wird. Zudem sind die von Ernst geschaffenen Situationen dabei häufig zu exemplarisch für die aktuellen Probleme durchschnittlicher Teenager. Themen wie Arbeitslosigkeit, Magersucht oder Drogenkonsum wirken rezeptartig eingesetzt und bleiben den gesamten Film über formelhaft.

Die Art, wie Ernst auf seine Figuren blickt, unterscheidet sich stark von der teilnahmslosen Perspektive von Larry Clark. Alles, was die Figuren in The House is Burning tun, wird indirekt durch eine soziale und psychologische Kontextualisierung erklärt. Es handelt sich hier nicht um handlungsfähige Individuen, sondern um Opfer der Umstände. Dabei werden die Protagonisten immer mit Mitleid betrachtet, während sie mit fortschreitender Handlung zunehmend abstürzen. Obwohl die Handlung eher unscheinbar vor sich hin plätschert, als sich eines klassischen Spannungsaufbaus zu bedienen, steuert der Film von Anfang an auf einen durch die Abfolge mehrerer unglücklicher Ereignisse ausgelösten Höhepunkt zu. Wie schon bei den prototypischen Teenagerproblemen wird man auch bei der Auflösung das Gefühl nicht los, alles schon viel zu oft gesehen zu haben.

The House Is Burning

Die dargestellten Abgründe werden einem zumindest nicht überzeugend vermittelt. Dass sich Ernst hauptsächlich für Schauspielneulinge und wenig routinierte Fernsehdarsteller entschieden hat, ist ein guter Ansatz um an unverbrauchte Gesichter zu kommen. Die meisten Darsteller sehen allerdings trotzdem wie typische Teeniedarsteller aus: Gut aussehend, aber ohne etwas Besonderes und somit auch leicht ersetzbar. Mit einer Ausnahme weiß der Film dann doch noch zu erfreuen. Die Figur des Steve mit modisch überholter Frisur, uncoolen Klamotten und einem von schwerer Akne gezeichneten Gesicht entzieht sich sämtlichen Schönheitsvorstellungen und liefert ein treffendes und im Kino viel zu selten gezeigtes Bild pubertierender Jugendlicher.

 

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