The Help

Ein weißes Collegegirl mischt mit einem Enthüllungsbuch über die Schicksale schwarzer Hausmädchen eine Kleinstadt auf: The Help ist ein bonbonfarbenes Feelgoodmovie mit großen Ambitionen.

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Mit einem süffisanten Lächeln überreicht das schwarze Hausmädchen Minnie (Octavia Spencer) seiner ehemaligen Herrin, der rassistischen Hilly Holbrock (Bryce Dallas Howard), einen Schokoladenkuchen, angeblich, um sich bei ihr zu entschuldigen. Tatsächlich aber hat sie den Kuchen mit ihren eigenen Exkrementen bestückt – klarer könnte das Statement, wie sie zu der konservativen und zickigen Hilly steht, nun wirklich nicht sein. Es ist nicht die einzige Szene in The Help, in dem die mehr oder weniger gelungene Zubereitung von Speisen im Mittelpunkt steht. Die Literaturverfilmung des amerikanischen Regisseurs Tate Taylor, die als Feelgoodmovie mit aufklärerischem Anspruch daherkommt, benutzt das Kochen und Essen als durchgehendes Motiv, um die prekäre Situation der schwarzen Dienstmädchen im Amerika der 1960er Jahre zu verdeutlichen: ob es nun die getrennten Tische sind, an denen die Herren und ihre Bediensteten sich zum Essen setzen, oder die ungeduldig gezischte Rüge, wenn ein Tropfen des servierten Kaffees einmal daneben geht. Darüber hinaus versucht der Film, das Leben der weißen Oberschichts-Frauen, deren Selbstbewusstsein über Einladungen zum Kaffee und die Fähigkeit, dem Ehemann einen ordentlichen Braten zu servieren, definiert wird, zu hinterfragen. Wo The Help als anrührendes Drama das Südstaatenstädtchen Jackson als einen Schauplatz der Bürgerrechtsbewegung in den USA porträtiert, hinkt der Film in Sachen kritischer Blick auf die Rolle der amerikanischen Hausfrau seinem Anspruch etwas hinterher.

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Skeeter (Emma Stone), ein gutbürgerliches weißes Mädchen mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn, platzt nach der Highschool mitten hinein in die wohlgeordneten Lebensläufe ihrer Kindheitsfreundinnen. Sie möchte Journalistin werden und plant, statt ihrer langweiligen Haushaltstipps-Kolumne bei der örtlichen Regionalzeitung eine Dokumentation über schwarze Hausmädchen zu schreiben, für die sich auch schon eine Verlegerin in New York interessiert. Sie selbst kennt einige der Frauen, denn sie waren es meist, die die Kinder ihrer Herrinnen aufzogen. Bei den Angestellten stößt Skeeter allerdings mit diesem Plan zunächst einmal auf Skepsis. Nur die kluge Aibilieen (Viola Davis) und ihre burschikose Freundin Minnie erklären sich schließlich bereit, ihr die Geschichten von alltäglicher Erniedrigung zu erzählen. Der Zeitpunkt ist günstig: Am Abend sitzen die Familien samt Angestellten um den Fernseher und schauen zu, wie in ganz Amerika Schwarze um ihre Rechte kämpfen – unterstützt durch einen gewissen Martin Luther King. Doch mit der zunehmenden Gewalt steigt auch die Gefahr für die Frauen, sich öffentlich gegen ihre Arbeitgeber zu stellen. Als die Tumulte ihren Höhepunkt erreichen, schließen sich endlich doch noch einige Hausmädchen der geheimen Schreib-Sitzungen an.

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Der Balanceakt zwischen Feelgoodmovie und Drama wird nicht zuletzt von den hervorragenden Schauspielern getragen, allen voran Viola Davis als Skeeters mutiger Komplizin Aibileen. Aber auch Sissy Spacek als fröhlich-demente Mutter der Oberzicke Hilly oder die Außenseiterin Celia (Jessica Chastain) geben dem Film einen schrillen Look: Ausstattung und Kleider, Kuchenlasur und Autos – alles ist bonbonfarben, im auf Harmonie bedachten Pastellton der 1960er Jahre gehalten. Auch wenn die Geschichte bei den konspirativen Küchen-Sitzungen von Skeeter und ihren Mitstreiterinnen manches Mal Gefahr läuft, zu einem kitschigen Chick Flick zu mutieren – lustig macht der Film sich über seine engagierten Protagonistinnen nie.

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Zwar könnte ein Plot, in dem sich ein College-Girl mit naivem Enthusiasmus gestandenen Frauen nähert und ihre Schicksale mit betroffener Miene emsig niederschreibt, durchaus den Verdacht erwecken, man bekäme hier eine weißen Heldin präsentiert, die mit einer einzigen guten Tat sämtliche unterdrückte Schwarze ihrer Stadt befreit. Doch der Film will anhand dieser Konstellation nichts Allgemeingültiges behaupten: Da das Gelingen des Buches immer auch an den persönlichen Erfolg der Hauptfigur geknüpft ist, wird schnell deutlich, dass es sich hier eher um einen Triumph im Kleinen handelt, als das Drehen an der großen Schraube der Geschichte.

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Als Film über die Nebenschauplätze der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung funktioniert The Help also gut. Doch offenkundig hatte Tate Taylor darüber hinaus ein umfassendes Sittengemälde der 1960er Jahre in den USA im Sinn. Das wird vor allem in Szenen deutlich, in denen sich Ausgrenzung nicht nur gegen Schwarze richtet, sondern auch gegen diejenigen Frauen, die sich nicht auf ein von Kindern, Kuchen und Kirche beherrschtes Leben einlassen können oder wollen. Außenseiterin Celia beispielsweise führt ein tristes Dasein: Sie wird konsequent von den anderen Frauen in Jackson geschnitten, da sie weder kochen noch Kinder bekommen kann. Dass Celia verzweifelt alles darauf anlegt, eine gute Haus- und Ehefrau zu werden, untergräbt den Grundton des Films, der ansonsten so liberal und kritisch daherkommt. Wenn Celia zuletzt beim Anblick der – dank Anleitung ihres Hausmädchens –  von ihr selbst perfekt zubereiteten Speisen übers ganze Gesicht strahlt und das späte Mutterglück auch nicht mehr weit entfernt scheint, ist das einer der irritierenden Momente des Films, der zu der Geschichte von den mutig um ihre Rechte kämpfenden Frauen in Jackson nicht recht zu passen scheint.

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Kommentare


Peppaminta von sonnenfels

Liene kritikerin, bitte den film genauer anschauen...es ist nicht aibeleen die den kuchen baeckt sondern minnie, celia wird geschnitten,weil sie white trash ist und ihr ehemann der ex von hilly holbrocks ist...er hat also unterklasse der oberklasse vorgezogen. in dieser zeit in amerik. kleinstaedten ein nono.der film zeigt sowohl konformismus als auch befreiungsversuche und es ist nicht martin luther king in fernsehen sondern einer der ersten black power streiter evens, der ermordet wird. empfehle zu diesem thema the black power mixtape( tolle doku) um die zeitgeschichte der schwarzen bewegung mit original ausschnitten anzuschauen. gruss peppaminta


Frédéric Jaeger

Liebe Peppaminta,
danke für die Hinweise. Der Fehler am Anfang ist korrigiert. Der Rest ist hingegen eher Interpretationssache. Gründe der Differenzen zwischen den Frauen gibt es mehrere. Übrigens heißt es im Text nicht, King sei im Fernsehen zu sehen, da musst Du den Text genauer lesen ;-)
Beste Grüße! Frédéric


H. Weigel

Ein gutes Thema verschenkt! Die überzeichnete Typisierung gepaart mit US-Grimassenkomik lässt den perfiden Rassismus der weißen Dixi-upperclass nur skurril erscheinen und spart deren heute noch spürbaren Hintergrund aus.


Martin Zopick

Von diesen Filmen über Rassismus kann es nie genug geben, denn der Schoß ist immer noch fruchtbar. Tate Taylor aus Jackson hat hier die Betonung auf die Frauen gelegt und die Handlung in den 60er Jahren angesiedelt. Man hört vom Klu Klux Klan und Kennedys Ermordung. Der Rassismus wird bei den farbigen Hausgehilfen, die bei den Weißen arbeiten am ehesten deutlich (siehe Toilettenbenutzung). Als Rahmenhandlung schreibt Skeeter (beachtlich Emma Stone) die Aussagen der Betroffenen auf und veröffentlicht ein Buch (s. Titel). Die resolute Mini (Octavia Spencer) und die herzensgute Aibileen (Viola Davis) stehen in vorderster Front gegen den Bridge Club der weißen Ladies. Hilly (Bryce Dallas Howard) führt das Fähnlein der ‘Aufrechten‘ an. Muss dafür aber auch bitter büßen: Minis Kuchen aus Exkrementen gebacken bleibt ihr buchstäblich im Halse stecken. Celia (Jessica Chastain). hingegen wird umgekrempelt. Mini macht aus ihr eine Superhausfrau. Insgesamt sind die weißen Ladies von der ‘Oh-My-God-Fraktion‘. Sie sind fast ihre eigenen Karikaturen: dämlich, arrogant und bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit brechen sie in ein ‘Oh-My-God!‘ aus. Man hört von den damals üblichen Rassentrennungen in Krankenhaus und Schule oder beim Friseur. Aber es fällt auch schon mal ein humorvoller Blick auf das ernste Problem. Hier glänzt Sissy Spacek als leicht demente aber gerade deshalb wahrheitsliebend alte Dame. Taylor betont weibliche Aspekte: mütterliche Gefühle und innere Zerrissenheit z.B. wenn Aibileen gefeuert wird. Der Schluss ist eine Versöhnungs- und Verständnisorgie mit viel Tränen und einem Appel für Zivilcourage. Emotional packend, unterhaltsam und für manche sogar informativ. Das Zeitkolorit wird durch Bob Dylan, Chubby Checker und Lee Hazlewood mit Nancy Sinatra ‘Jackson‘ abgerundet.






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